04.07.2018, 17:43 Uhr

Natur Kartierer des Ackerwildkrautwettbewerbs sind im Landkreis Kelheim unterwegs

Landwirte mit Kartierer des Ackerwildkrautwettbewerbs im Roggenfeld, mehr als 40 Ackerwildkrautarten wurden gefunden: Franz Aunkofer, Landwirt, Dr. Dietmar Pilotek, Kartierer, Simon Aunkofer, Landwirt. (Foto: Marion Ruppaner, BN)Landwirte mit Kartierer des Ackerwildkrautwettbewerbs im Roggenfeld, mehr als 40 Ackerwildkrautarten wurden gefunden: Franz Aunkofer, Landwirt, Dr. Dietmar Pilotek, Kartierer, Simon Aunkofer, Landwirt. (Foto: Marion Ruppaner, BN)

Mehr als ein Drittel der in Deutschland vorkommenden circa 350 Ackerwildkraut-Arten sind im Bestand gefährdet, einige sind schon ausgestorben. Ackerwildkräuter haben eine wichtige Funktion in den Agrarökosystemen, weil sie Pollen, Nektar und Samen für verschiedenste Tierarten bereitstellen und damit auch Nützlinge in der Ackerkultur gefördert werden.

LANDKREIS KELHEIM Um diesen Arten mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, haben der Deutschem Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Biolandverband und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) gemeinsam einen Ackerwildkrautwettbewerb in Niederbayern ausgeschrieben.

„Es ist sehr erfreulich, dass sich 24 Landwirte, und zwar 19 Öko- und fünf konventionelle Betriebe, für den Wettbewerb angemeldet haben“, erklärt Maike Fischer vom DVL, und weiter: „So wird für die Landwirte sichtbar, was neben der Hauptkultur noch auf ihren Flächen wächst“. Die Kartierung, die kurz vor dem Abschluss steht, hat ergeben, dass in Niederbayern durchaus noch seltene Ackerwildkräuter wie zum Beispiel Frauenspiegel, Rispen-Lieschgras, Ackerhahnenfuß und die Kleine Wachsblume vorkommen. „Insgesamt wurden bei den Kartierungen mehr als 50 Arten gefunden“, erläutert Dr. Dietmar Pilotek, Projektkartierer. Die anhaltende Trockenheit in den letzten Monaten beschleunigt vielerorts nicht nur die Entwicklung der Feldfrucht, sondern bewirkt auch bei den Ackerwildkräutern ein zeitiges Abblühen. Das Roggenfeld von Landwirt Simon Aunkofer in der Nähe von Herrnsaal, Landkreis Kelheim, steht zum Zeitpunkt der Feldbesichtigung am 4.7.2018 noch gut da, sodass Pilotek den Anwesenden einige „Schätze“ zeigen kann. Besonders stolz ist Landwirt Aunkofer über den Fund des Rispen-Lieschgrases, da diese Art schon als stark gefährdet gilt.

Siegerehrung am 26. September

„Wir brauchen wieder mehr Vielfalt auf den Äckern. Nur so kann der dramatische Lebensraumverlust in der Kulturlandschaft, wie zum Beispiel das Insektensterben gestoppt werden“, betont Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin. Die Siegerbetriebe werden am 26. September bei einer kleinen Festveranstaltung im Wettbewerbsgebiet geehrt. „Unser gemeinsamer Wettbewerb macht darauf aufmerksam, dass es dringend notwendig ist, neue Programme zum Ackerwildkrautschutz und auch wieder ein Ackerrandstreifenprogramm aufzulegen, das in den 90er Jahren für mehr Vielfalt auch um die Äcker herum gesorgt hat. Denn sonst bleiben unsere gefährdeten Ackerwildkräuter weiter vom Aussterben bedroht“, so Ruppaner.

Hintergründe zum Wettbewerb

„Im Wettbewerb besonders positiv bewertet wird das Vorkommen konkurrenzschwacher und seltener Ackerwildpflanzen. Arten wie Klettenlabkraut oder Quecke sollen nicht gefördert werden“, erläutert Dr. Franziska Mayer vom Institut für Agrarökologie der Landesanstalt für Landwirtschaft. Mit dem Wissen, dass es nur relativ wenige echte „Problemunkräuter“ gibt, kann ein Landwirt die Artenvielfalt im Acker durchaus entspannt beobachten. Wildpflanzen geben zum Beispiel Hinweise auf den pH-Wert oder den Wasserhaushalt des Bodens. Typisch für staufeuchte Böden ist zum Beispiel die Acker-Minze. Zeigerpflanzen für einen kalkhaltigen Boden sind die seltene Ackerröte oder der gezähnte Feldsalat, der auf dem Wettbewerbsacker von Landwirt Johann Baierl, Eichendorf, Landkreis Dingolfing-Landau, wächst. Er freut sich, durch die Kartierung auch auf den gefurchten Feldsalat aufmerksam geworden zu sein, der auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht. Diese Einstufung weist darauf hin, dass eine Art in bestimmten Regionen gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht ist.

„Auf Äckern, die am Vertragsnaturschutz-Programm teilnehmen, kommen die besten Wildkrautbestände vor. Es befindet sich jedoch in Niederbayern immer noch vergleichsweise wenig Fläche in den VNP-Maßnahmen ‚Extensive Ackernutzung‘ und ‚Ackerbrachlegung‘“, merkt Julia Königer, von der Höheren Naturschutzbehörde in Landshut an.

Der Ackerwildkraut-Wettbewerb 2018 in Niederbayern wird gefördert vom Bayerischen Naturschutzfond aus Mitteln der Glücksspirale, die Kartierung wird gefördert von der Regierung von Niederbayern.


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