14.08.2019, 13:00 Uhr

In Zeiten des Klimawandels Das Problem mit dem Grundwasser oder: Wenn der OB plötzlich friert


Die Wasserversorger machen sich in Zeiten des Klimawandels zunehmend Gedanken um die Trinkwasserversorgung. Der Verein WIT mit Dingolfings Bürgermeister Josef Pellkofer als Vorsitzendem leistet dabei wertvolle Lobby-Arbeit.

DINGOLFING/AHAM Was passiert, wenn der Grundwasserpegel fällt, das hat der Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz vor einigen Monaten am eigenen Leib erfahren. Mitten im Winter fiel seine Heizung wochenlang aus. Das Landshuter Stadtoberhaupt hat sein Haus mit einer Grundwasserwärmepumpe ausgestattet. Bekommt die kein Wasser, wird‘s schnell zapfig im Hause Putz. Ein Problem, an das sich der Landshuter Oberbürgermeister wohl gewöhnen muss.

Die Grundwasserpegel gehen auch im wasserreichen Freistaat zurück. Längst grübeln die Wasserversorger darüber nach, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. „Wir wollen nicht beunruhigen, aber sensibilisieren“, sagt Dipl. Ing. Markus Schmitz.

Er ist Werkleiter bei der Wasserversorgung Mittlere Vils und Geschäftsführer bei „WIT“. Hinter den drei Buchstaben steht der Verein „Wasser-Info-Team-Bayern“, der in Aham seinen Hauptsitz hat und sich dem Schutz der Ressource Wasser widmet. In dem Verein sind die bayerischen Wasserversorger, die Kommunen und das Umweltministerium vertreten. Vorsitzender ist derzeit der Dingolfinger Bürgermeister Josef Pellkofer. Bislang fristete das WIT ein Schattendasein. „Seit einiger Zeit verzeichnen wir aber ein gestiegenes Interesse“, sagen Schmitz und sein Kollege Ludwig Sigl, Werkleiter des Wasserzweckverbands Mallersdorf. „Wir leisten Lobbyarbeit für das Wasser.“ Das wird in den nächsten Jahren noch wichtiger werden.

Grundwasserpegel gehen in tieferen Schichten zurück

Schuld ist der Klimawandel, der sich auf die Wasserversorgung auswirkt. Beim WIT beobachtet man seit einigen Jahren jedenfalls aufmerksam einen besorgniserregenden Trend: Die Grundwasserpegel in Bayern gehen zum Teil auch in tieferen Schichten zurück. In manchen Regionen kam es bereits zu Problemen mit der Wasserversorgung, die man früher nicht kannte. Schmitz legt mehrere Blätter mit Diagrammen auf den Tisch. „Das sind die Wasserstände in den tieferen Stockwerken über einen längeren Zeitraum an einigen Messstellen“, erklärt er. Die zackigen Kurven zeigen im Lauf der Jahre Ausschläge nach oben und unten – aber „es ist ein Trend erkennbar“, sagt der Ingenieur. Die Pegel fallen.

Besorgniserregend sei die Situation noch nicht. Aber sie sollte ein Alarmsignal sein. Denn das Wasser in den tiefen Schichten, das vor allem in weiten Teilen Niederbayerns durch Tiefbrunnen genutzt wird, speist sich durch zusickerndes Wasser aus den darüber liegenden Stockwerken. Diese Grundwasserleiter reagieren gedämpft und erneuern sich nur über lange Zeiträume. Die Messstellen zeigen deshalb eine geringere Schwankungsdynamik als in den oberen Grundwasserstockwerken. Sinken die Pegel kontinuierlich über einen langen Zeitraum, dann bedeutet das, dass mehr Wasser entnommen wird, als sich neu bildet.

„Es kann sein, dass es in den nächsten Jahren viel regnet“, sagt Schmitz. Dann würde sich die Situation entschärfen. Verlassen sollte man sich darauf allerdings nicht. Es könnte auch so weitergehen wie 2018 und 2019. Dann wird es schlimmer.

Vor allem bekommen dann in Bayern zunächst Regionen Probleme, die ihr Trinkwasser nicht aus Tiefbrunnen, sondern aus oberen Schichten beziehen. Die Wasseradern dort reagieren schnell auf Niederschlag.

Unsinniger Umgang mit Trinkwasser muss aufhören

„Die Situation in Bayern ist stark unterschiedlich“, sagt Pellkofer. Es gibt Regionen, wo es bereits kritisch geworden ist. In Franken zum Beispiel, wo der karstige Untergrund dafür sorgt, dass das Wasser schneller abfließt. Stellenweise aber auch im Bayerischen Wald. Meldungen von Gemeinden, die mit Wasserknappheit zu kämpfen haben, werden sich in Zukunft häufen. Das Problem ist dabei übers Jahr gesehen nicht die Niederschlagsmenge an sich, sondern wie der Niederschlag fällt.

„Es regnet intensiver auf kürzere Zeit. Das bringt dem Grundwasser nichts“, sagt Pellkofer. Das Wasser falle auf ausgetrockneten Boden und fließe einfach ab, statt zu versickern. „Wir haben momentan noch eine relativ komfortable Situation“, sagt der WIT-Vorsitzende. Trotzdem müsse sich etwas ändern, vor allem der „unsinnige Umgang mit bestem Trinkwasser“ müsse aufhören.

Was Pellkofer damit meint, erklärt Schmitz anhand einer Szene, die er während der Hitzewelle im Juli bei Marklkofen beobachtet hat: Ein Bauer wässerte in der größten Hitze des Tages sein Feld mit einer großen Sprinkleranlage. Das kostbare Nass dafür hatte er offenbar aus einem Brunnen entnommen. „Das Wasser ist verdunstet, bevor es bei den Wurzeln angekommen ist. Absolute Verschwendung“, so Schmitz.

Dabei gibt es bereits ein Gesetz, das so etwas verbietet. Im §5 des Wasserhaushaltsgesetzes heißt es: „Jede Person ist verpflichtet (...) eine mit Rücksicht auf den Wasserhaushalt gebotene sparsame Verwendung des Wassers sicherzustellen.“ Angekommen ist das im noch wasserreichen Bayern allerdings bei vielen noch nicht.

Doch nicht nur in der Landwirtschaft wird Wasser verschwendet, auch in Privathaushalten wird viel zu sorglos mit Trinkwasser umgegangen. „Man muss doch den Rasen nicht unbedingt sprengen, wenn gerade eine Dürre ist“, so Pellkofer.

Ein sorgsamerer Umgang mit der Ressource, da ist man sich beim WIT sicher, wird in naher Zukunft unerlässlich sein. Bereits jetzt denkt man darüber nach, was sich ändern muss. So könnten Privathaushalte aber auch Kommunen dazu verpflichtet werden, Zisternen für Brauchwasser anzulegen, um damit zum Beispiel Sportplätze zu bewässern. In der Landwirtschaft würde eine Tröpfchenbewässerung kostbares Wasser sparen. Die Politik soll solche einfachen Maßnahmen fördern. „Wir müssen möglichst effektiv und sinnvoll mit Wasser umgehen und die Verluste gering halten“, sagen Sigl und Schmitz.

Sicher ist man sich beim WIT dagegen: „Das Klima werden wir nicht so schnell beeinflussen können, dass sich an der Situation etwas ändert.“ Das sind eher schlechte Nachrichten für den Landshuter OB.


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