04.07.2019, 11:00 Uhr

Plastik-Wahnsinn bei Fleischmann 1,4 Millionen PET-Flaschen in einem Jahr – muss das wirklich sein?


Das ist der Einweg-Wahnsinn: das Unternehmen Getränke Fleischmann, das u.a. auch in Mengkofen eine Filiale betreibt, hat einmal nachgerechnet, wie viele Plastik-Flaschen die Getränkemarktkette pro Jahr entsorgen muss. Heraus kam dabei die erstaunliche Zahl von rund 1,4 Millionen PET-Flaschen. Das ist nicht nur kostspielig, sondern auch alles andere als nachhaltig.

MENGKOFEN Er prangerte den Plastik-Wahnsinn an und trat damit eine Medien-Lawine los. Der Stuttgarter Getränkemarktbesitzer Hans-Peter Kastner sammelte in nur zwölf Wochen 52 große Säcke mit je 200 Einwegplastikflaschen darin, insgesamt also 10.400 Stück. Daraufhin platzte ihm der Kragen. Er machte ein Foto, postete das auf Facebook und kündigte an, alle Plastikflaschen aus seinem Sortiment zu verbannen. Über 3 Millionen Menschen erreichte er damit auf der Sozialen Plattform. Seitdem kann er sich vor Anfragen von Pressevertretern und Politikern nicht mehr retten. Dabei sind die Mengen, um die es bei ihm geht, noch überschaubar. „Wir müssen pro Jahr in unseren 41 Filialen in ganz Ostbayern rund 1,4 Millionen Euro Einwegflaschen entsorgen“, sagt Hans-Peter Vögl von Getränke Fleischmann. Nicht nur, dass das ganze System alles andere als umweltfreundlich ist, „wir zahlen damit auch noch drauf“. Eine Wahl hat man dabei praktisch nicht.

Lkw karrt Müll von Oberbayern nach Loiching

„Wenn ich nur ein PET-Produkt in den Verkauf bringe, muss ich alles zurücknehmen“, sagt Vögl. Da reicht es schon, wenn im Sortiment ein Produkt in PET-Mehrwegflaschen angeboten wird. Einen Getränkemarkt komplett PET-frei machen, das kann sich deshalb vielleicht der kleine Händler in Stuttgart erlauben. Für eine große Kette wie Fleischmann ist das unmöglich. Trotzdem unterstützt man bei Fleischmann die Initiative des kleinen Händlers und solidarisiert sich mit ihm. Kein Wunder, denn die Einwegflaschen bereiten den Getränkehändlern jede Menge Arbeit und Kosten, das System ist dabei alles andere als umweltfreundlich.

Kunden schleppen die nämlich säckeweise zu Fleischmann, obwohl sie sie dort nicht gekauft haben. Das ist einfacher, als sie dorthin zurückzubringen, wo sie eigentlich gekauft wurden: in die großen Discounter, wo die Kunden Flasche für Flasche in einen Automaten stecken müssen, was vielen einfach zu viel Arbeit ist. „Unsere Mitarbeiter müssen dann die Flaschen per Hand aussortieren.“ Vögl hat hochgerechnet, wie viele heuer bis Ende Juni bereits abgegeben wurden – und die Zahl ist gewaltig: 637.716 Flaschen waren es bis zum 26. Juni.

Zwar bekommen die Getränkemärkte von der so genannten Clearing-Stelle – eine befindet sich in Loiching im Landkreis Dingolfing-Landau – wo die PET-Flaschen hingebracht werden, das zurückgezahlte Pfand zurück und sogar noch die Mehrwertsteuer oben drauf. Doch die Kosten deckt das nicht. Denn den Transport dahin müssen die Getränkemärkte übernehmen.

Dabei werden zum Teil große Distanzen zurückgelegt. So fährt zum Beispiel ein Lkw die PET-Flaschen regelmäßig von einem Fleischmann-Getränkemarkt in Oberammergau nach Loiching. Umweltfreundlich und gut für die Ökobilanz ist das nicht gerade. Dazu kommt, dass die Einweg-Flaschen – wie der Name schon sagt – nicht mehr verwendet werden können. „Die werden geschreddert. Aus dem Kunststoff wurden in China Pullover gemacht. Doch China nimmt den Müll ja jetzt nicht mehr an.“

Vögl würde sich wünschen, dass die Kunden in Zukunft die Finger von den Einweg-Produkten lassen und genau hinsehen, was sie kaufen. Denn oftmals befinden sich auch in Getränke-Kästen, die nach Mehrweg aussehen, Einwegflaschen. In allen Getränkemärkten steht deshalb auf den Preisschildern deutlich drauf, was Einweg- und was Mehrwegprodukte sind. „Wir diskutieren alle ständig über den Klimaschutz. Nur da, wo er passieren sollte, ist es jedem egal“, so Vögl.


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