01.05.2019, 10:14 Uhr

Unterschreiben ja, Patenschaft nein Der Landkreis der Blühpaten-Muffel


Über 10.000 Leute haben im Landkreis für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben. Doch wenn es um die Übernahme einer Blühpatenschaft und damit aktiven Naturschutz geht, dann hält sich die Begeisterung im Landkreis Dingolfing-Landau offenbar in Grenzen.

DINGOLFING-LANDAU Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat es eindrucksvoll gezeigt: Den Menschen in Bayern ist die Bewahrung der Artenvielfalt und der Erhalt der Natur ein wichtiges Anliegen. Zumindest solange, wenn sie dafür „nur“ unterschreiben und nicht aktiv handeln oder gar den eigenen Geldbeutel aufmachen müssen. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn man sich die bislang geringe Resonanz auf die „Blühpaten“-Initiative im Landkreis Dingolfing-Landau ansieht.

14,58 Prozent aller Wahlberechtigten im Landkreis hatten in den zwei Abstimmungswochen im Januar und Februar für das Volksbegehren unterzeichnet. Macht knapp 10.400 Personen. Genügend Potential also, um mit einer Patenschaft für eine Blühfläche bei einem Landwirt in der Region aktiv Naturschutz zu gestalten. Könnte man zumindest meinen.

Wenn ein Betrieb zehn Blühpaten habe, sei das viel. Bemerkenswert sei vor allem, dass eher diejenigen Blühpaten werden wollen, die nicht für das Volksbegehren unterschrieben haben. „Sie wollen aktiv ihren Betrag für mehr Artenvielfalt in der Region leisten und mit einer Blühpatenschaft ist das natürlich ganz leicht möglich – zumal sich die jährlichen Kosten ja mit 50 Cent pro Quadratmeter Blühfläche auch in Grenzen halten.“

Betonen möchte Dickow, dass es den an der Initiative beteiligten Landwirten keinesfalls darum gehe, mit den Patenschaften Geld zu verdienen. „Uns geht es vielmehr darum, durch so ein Angebot mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. Bei einer Umfrage hat sich gezeigt, dass ein Großteil der Menschen, die vor allem in Städten wohnen, noch nie mit einem Landwirt gesprochen hat. Die Patenschaft soll dazu anregen, sich auszutauschen und die Vorstellungen, Bedürfnisse und Probleme des jeweils anderen kennenzulernen.“

Dank der eigens für die Initiative eingerichteten Homepage www.die-bluehpaten.de ist es auch ganz einfach, in wenigen Schritten Blühpate zu werden. Auf einer interaktiven Karte werden die beteiligten Landwirte angezeigt, bei denen man direkt eine Patenschaft buchen kann. Am Ende erhält der Pate dann sogar eine Blühpaten-Urkunde.

Theoretisch sei eine Patenschaft auch für lediglich einen Quadratmeter möglich. Wünschenswert sei natürlich mehr Fläche und für die Natur besonders die Übernahme einer mehrjährigen Patenschaft wertvoll. „Denn dann haben Insekten, Tiere und Pflanzen mehr Zeit, sich anzusiedeln und zu vermehren“, so der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, der wie seine anderen Kollegen auch mit dem Ansäen bereits in Vorleistung gegangen ist.

So könnten die Blühpaten dann auch – sofern es endlich auch mal richtig regnet – schon bald „ihre“ Fläche gerne auch vor Ort besichtigen und damit als gutes Beispiel vorangehen, dass eine Unterschrift alleine noch längst nicht zum Schutz der Natur und der Artenvielfalt ausreicht.


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