20.03.2019, 11:47 Uhr

Weltspatzentag Kein Platz für den Spatz

(Foto: phalder/123RF)(Foto: phalder/123RF)

Am 20. März ist Weltspatzentag – bayerischer Charaktervogel ist bedroht – kaum geeignete Nistplätze für den Haussperling.

BAYERN Die gute Nachricht zuerst: dank dem langen und trockenen Sommer hatten die Haussperlinge letztes Jahr einen überdurchschnittlich guten Bruterfolg. Das zeigen auch die Ergebnisse der LBV-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“, bei der der Spatz nach sieben Jahren erstmals wieder auf dem Spitzenplatz landet. Die schlechte Nachricht: Es gibt immer weniger Platz für den Spatz und der bayerische Charaktervogel ist bedroht. Eine Entwarnung gibt es für den Haussperling noch lange nicht. „Gerade in großen Städten wird es immer schwieriger, Spatzen bei ihrem munteren Treiben zu beobachten“, weiß Lorena Heilmaier vom LBV-Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“. „Haussperlingen fehlen vor allem geeignete Nistplätze an Gebäuden“, ergänzt sie. Zum Weltspatzentag am 20. März will der LBV deshalb besonders darauf aufmerksam machen, dass das fröhliche Spatzentschilpen in vielen bayerischen Städten am Verstummen ist.

Als Kulturfolger sucht der freche Vogel wohl schon seit über 10.000 Jahren die Nähe des Menschen. Und einmal niedergelassen bleibt der Spatz seinem Wohnort treu. Doch damit fangen die Probleme an. Als Gebäudebrüter sind sie auf Nischen und Hohlräume an Häusern angewiesen. Moderne, energetische Bauweisen und Fassadendämmungen lassen kaum noch Platz für den Haussperling. „Gehen Brutplätze durch Sanierungen verloren, können diese ganz einfach ersetzt werden und müssen es auch, denn Bauherren sind gesetzlich dazu verpflichtet“, erklärt Lorena Heilmaier.

An Gebäuden angebrachte Nistkästen helfen den Spatzen, geeignete Brutplätze zu finden. Wohl fühlen sich Spatzen ab einer Höhe von etwa vier Metern. „Die Nistkästen müssen nicht jährlich gereinigt werden, das erledigen die Spatzen im Frühjahr selbst. Stehen sowieso Dach- oder Fassadenarbeiten an, kann man dabei auch die Kästen säubern“, sagt Lorena Heilmaier.

Ein weiteres Problem: Viele Gärten sind zu aufgeräumt und bestehen nur noch aus Steinflächen und -wänden. „Unsere Spatzen und auch viele andere wilde Gartenbewohner finden in den kahlen Gärten keine Nahrung oder Versteckmöglichkeiten“, sagt die LBV-Spatzenexpertin. Dabei ist naturnahes Gärtnern gar nicht kompliziert. Bereits eine kleine „wilde Ecke“ mit Wildblumen, heimischen Sträuchern und etwas Totholz kann jeden Garten für viele Wildtiere lebenswerter machen. Und: „Die Bewohner eines naturnahen Gartens wie beispielsweise der Spatz zahlen sogar Miete, indem sie sich nützlich machen und zum Beispiel Blattläuse und Buchsbaumzünslerraupen fressen“, sagt Heilmaier. Auch Balkone mitten in der Stadt können der heimischen Tierwelt ein Refugium bieten und mit entsprechender Bepflanzung eine kleine Naturoase sein.

„Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“

Damit die Spatzen auch weiterhin von den bayerischen Dächern pfeifen, setzt der LBV das vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“ um. Ziel ist es Nistplätze und spatzenfreundliche Strukturen in der Stadt neu zu schaffen und zu erhalten. Diese kommen aber nicht nur dem Haussperling, sondern allen Vogelarten in der Stadt zugute. Der LBV bietet dazu für bayerische Städte und Gemeinden eine kostenlose und ausführliche Beratung sowie eine Wanderausstellung an.


0 Kommentare