31.10.2018, 10:47 Uhr

Auch das noch Nach Sahara-Sommer trocknen Trinkwasserquellen aus

Wasser aus dem Leitungshahn ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch nach dem trockenen Sommer verfügen selbst im Landkreis Deggendorf einige Anwesen nicht mehr über genügend Wasser. (Foto: Hannes Lehner)Wasser aus dem Leitungshahn ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch nach dem trockenen Sommer verfügen selbst im Landkreis Deggendorf einige Anwesen nicht mehr über genügend Wasser. (Foto: Hannes Lehner)

Im Landkreis Deggendorf sitzen derzeit einige Anwesen, die nicht ans Fernwasser angeschlossen sind, sondern über eine Hausquelle verfügen, buchstäblich auf dem Trockenen. Die Feuerwehr muss die betroffenen Haushalte mit dem lebensspendenden Nass versorgen.

LANDKREIS DEGGENDORF Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Ohne das lebensspendende Nass ist kein Leben möglich. Und doch haben viele Menschen vor allem in Entwicklungsländern keinen Zugang zu sauberem Wasser. Man braucht aber gar nicht in ferne Länder blicken. Der Europäischen Bürgerinitiative Right2Water zufolge haben auch in der EU eine Million Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Und sogar im Landkreis Deggendorf sitzen derzeit manche Besitzer von Hausquellen nach dem Sahara-Sommer buchstäblich auf dem Trockenen.

Der Zugang zu Trinkwasser ist ein existenzielles Grundrecht. Erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass der chilenische Agraringenieur Rodrigo Mundaca den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis 2019 für seinen Kampf um freien Zugang zu Wasser erhält. Denn rund 90 Prozent der Wasserrechte in Chile sind privatisiert.

Im Landkreis Deggendorf wird das Gros der Bevölkerung von der Wasserversorgung Bayerischer Wald aus Moos oder Trinkwassertalsperre Frauenau versorgt – doch bei Weitem nicht alle. In den ländlichen Gebieten des Landkreises sind viele Anwesen nicht an das bequeme Fernwasser angeschlossen, sondern verfügen über eine eigene Trinkwasserquelle. „Aktuell sind im Landkreis Deggendorf noch rund 960 sogenannter Einzelbrunnen registriert“, weiß Landratsamts-Sprecher Oliver Menacher. Manche von ihnen bekommen nun die Folgen des trockenen Sommers zu spüren: Die Quellen versiegen.

Nicht jeder Weiler hängt am Fernwasser

Paradebeispiel ist Grafling. Die knapp 3000 Seelen zählende Gemeinde ist mit 46,28 Quadratkilometern die größte Gemeinde im Landkreis Deggendorf. Auf einer derart großen Fläche ist es schier unmöglich, jeden einzelnen Weiler mit Fernwasser zu versorgen.

Dementsprechend viele private Trinkwasserquellen finden sich im Gemeindegebiet. Doch nicht überall sprudelt noch das lebensspendende Nass. „Nach dem trockenen Sommer verfügen einige Anwesen über kein Wasser mehr“, bestätigt Werner Nagl, geschäftsleitender Angestellter der Gemeindeverwaltung.

Die Graflinger Feuerwehr versorgt derzeit die betroffenen Anwesen inzwischen mit Wasser. Dabei gibt es eine Menge Gesundheitsbestimmungen zu beachten. Die Feuerwehrtanks müssen gespült und desinfiziert werden. Dennoch betont die Gemeinde, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt, was da durch die Feuerwehr geliefert wird. Die Hauseigentümer müssen sogar unterschreiben, dass sie darauf hingewiesen wurden. Um es als Lebensmittel nutzen zu können, muss das Wasser erst abgekocht werden.

Auch das Gesundheitsamt ist eingeschaltet und bereits einige Hausquellen in Augenschein genommen. So soll versucht werden, die Quellen wenn möglich technisch aufzurüsten, damit sie mehr Wasser liefern.

Doch wo nichts ist, da gibt es auch nichts zum Aufrüsten. „Die Quellen müssen sich erst wieder langsam erholen“, weiß Werner Nagl. Dazu muss es erst einmal einige Zeit regnen – und es darf auch nicht frieren.


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