26.09.2018, 09:38 Uhr

Heupreise explodieren Futter für Pferde wird zum Luxusgut


Heumangel betrifft auch Pferdebesitzer – viele können sich ihre Pferde kaum mehr leisten.

PLATTLING „Geld wie Heu“ meint normalerweise, doch recht viel davon zu haben. In diesem Jahr trifft das jedoch nicht zu. Heu wird zum begehrten Gut, für das mittlerweile astronomische Summen bezahlt werden. Nach dem Futtermangel, der viele Kühe vorzeitig auf die Schlachtbank führt, (Wochenblatt berichtete) trifft es nun auch die Pferdebesitzer. „Viele können sich ihre Pferde mittlerweile schon nicht mehr leisten“, weiß Martina Liebl, Abteilungsleiterin des Reitvereins Plattling.

„Es ist der Wahnsinn, was da bei ebay-Kleinanzeigen abgeht“, stöhnt die passionierte Reiterin. Pferdebesitzer suchen im Internet händeringend nach Futter für ihre edlen Tiere. Doch da in diesem Jahr der zweite Schnitt größtenteils ausgefallen ist, ist kaum mehr Heu zu kriegen. Und jene, die noch Heu haben, wittern ihre Chance auf das große Geld.

Normalerweise zahlen wir 25 bis 35 Euro pro Rundballen“, berichtet Martina Liebl. Inzwischen liegt der Preis bei 80 bis 120 Euro – Tendenz steigend. Selbst Preise von 160 Euro sind keine Seltenheit mehr.

Heubesitzer wittern jetzt das große Geld

Für Pferdebesitzer wird das zu einem Problem. Frisches Heu gibt es erst wieder im Mai, Juni nächsten Jahres. Bis dahin muss man mit seinen Vorräten auskommen.

Der Reitverein Plattling etwa hat noch rund 100 Rundballen Heu im Heustadl. 30 zusätzliche Ballen konnten noch aufgetrieben werden. „Wir brauchen für unsere elf Pferde aber rund 200 Ballen im Jahr“, klagt Martina Liebl.

Mit Alternativfutter wie Luzerne oder Heucobs kommt man nur bedingt über die Runden. Außerdem sind auch hier die Preise massiv gestiegen.

Dabei können sich die Plattlinger Reiter noch gegenseitig unter die Arme greifen. Wer sein Pferd aber bei einem privaten Stallbesitzer untergestellt hat, muss viel tiefer in die Tasche greifen. „Die Unterstellpreise gehen natürlich wegen des gestiegenen Heupreises nach oben“, weiß Martina Liebl.

100 Euro Futtergeld zusätzlich pro Monat sind keine Seltenheit mehr. Manche Pferdebesitzer haben aber auch schon von Aufschlägen bis zu 500 Euro gehört. In manchen Ställen ist es sogar nun vorgeschrieben, das Heu exakt abzuwiegen und nicht einfach nach Gefühl zu füttern. „Viele können sich inzwischen ihre Pferde schon nicht mehr leisten“, weiß die Reiterin.

Einen Lichtblick gibt es aber: Pferdehalter in der Region greifen sich mittlerweile gegenseitig unter die Arme. In den sozialen Netzwerken entstehen Futterbörsen und auch Einkaufsgemeinschaften bilden sich heraus, die Heu aus anderen Ländern, in denen weniger Mangel herrscht, importieren wollen. Denn wenn die Preise in der Region noch weiter steigen, lohnt sich selbst eine wesentlich längere Transportstrecke.


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