15.06.2018, 12:18 Uhr

Vortrag Fische in der Donau

Bei der BN-Fischexkursion gab es als „Beifang“ Schneckengehäuse am Donaustrand. Die Schale in der Mitte mit der intensiv gezackten Bänderung wurde von einer Donau-Kahnschnecke (Theodoxus danubialis) bewohnt, einer seltenen, nur in der frei fließenden Donau vorkommenden Schneckenart. (Foto: Günter Reinhardt)Bei der BN-Fischexkursion gab es als „Beifang“ Schneckengehäuse am Donaustrand. Die Schale in der Mitte mit der intensiv gezackten Bänderung wurde von einer Donau-Kahnschnecke (Theodoxus danubialis) bewohnt, einer seltenen, nur in der frei fließenden Donau vorkommenden Schneckenart. (Foto: Günter Reinhardt)

Jörg Kuhn, Geschäftsführer des Bezirks-Fischereiverbandes Niederbayern, berichtete über Donaufische.

METTEN Kürzlich trafen sich Fischinteressierte beim Wasserwacht-Häuschen in Metten. Jörg Kuhn, Geschäftsführer des Bezirks-Fischereiverbandes Niederbayern, konnte selbst aktiven Anglern neue und interessante Details über die Donaufische berichten.

„Weltweit gibt es rund 30 000 Fischarten. Damit sind die Fische die größte Wirbeltiergruppe, wenn auch von uns Menschen meist wenig beachtet, da sie in einer völlig anderen Welt leben“, erklärte er. Trotzdem sei es wichtig, den Lebensraum der Fische zu pflegen und möglichst optimal zu gestalten. Der Lebensraum Wasser ist schon seit langem und bis heute vielfältigen Einflüssen durch die Menschen ausgesetzt. „Momentan ist Mikroplastik in unseren Flüssen ein ernst zu nehmendes Problem, das schnell angegangen werden muss“, ergänzte Brigitte Reinhardt 1. Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Bernried-Metten-Offenberg, die die Veranstaltung organisiert hatte.

Im noch frei fließenden Teil der Donau zwischen Straubing und Vilshofen leben noch mehr als 50 Arten, viele davon sind endemisch, das heißt, sie kommen nur in der Donau vor. Alle stehen auf der „roten Liste“ der bedrohten Arten, denn ihr Lebensraum ist in Gefahr. Wichtig für die Entwicklung der Fische ist die Struktur des Flusses. Einige Fische benötigen Kiesbänke zum Ablaichen, andere laichen lieber in den Altwässern. Jungfische brauchen Rückzugsmöglichkeiten in die Zuflüsse oder in Altwässer, ausgewachsene Fische benötigen den strömenden Fluss. Die Strömung lässt In der Donau viele so genannte Kolke entstehen, Eintiefungen in der Flusssohle, die sehr tief sein und oft sehr große Ausmaße haben können. Sie dienen vielen Fischen als Rückzugsorte, sollen aber zum Teil zugunsten der Schifffahrtsrinne verfüllt werden. „Zumindest für eine große Zahl von Kolken an den Leitwerken und Buhnen konnte in einer gemeinsamen Anstrengung aller Umweltverbände erreicht werden, dass diese beim Donauausbau offen gehalten werden“, erklärte Herr Kuhn.

Ein typischer Donaufisch ist die Nase. Sie ernährt sich von den Algen an den Flusssteinen und lebt in großen Schwärmen. Sie war deshalb früher ein beliebter Steckerlfisch auf Volksfesten. Ein ehemals häufiger Fisch, die Brachse, ist kaum mehr zu finden. Die Bestände in Donau und Isar sind massiv eingebrochen. Die Ursache ist bisher nicht bekannt. Der Huchen dagegen – auch „Donaulachs“ genannt – reproduziert sich jetzt in der Mitternacher Ohe wieder selbst, nachdem der Fischereiverband die kleinen Wasserkraftwerke gekauft hatte. „Mit dem Rückbau der Kraftwerks-Querbauwerke wurde der Fluss wieder durchgängig und als Laichgrund für den Huchen zugänglich“, erklärte Kuhn. Der Fisch, früher „Hochzeitsfisch“ genannt, kann 30 Kilogramm schwer werden. „In unserem Donauabschnitt existieren zunehmend auch Arten, die mit Schiffen aus dem Schwarzen Meer eingeschleppt werden. Eine davon ist die Grundel. Inzwischen hat der Donau-Zander die Grundel als Nahrungsquelle entdeckt und so ist der Bestand etwas zurückgegangen“, konnte Kuhn weiter berichten. Ein besorgter Teilnehmer berichtete, dass in den Zuflüssen Mettenbach und Bogenbach keine Fische mehr zu finden seien. Die Ursache ist nicht bekannt. Bei der abschließenden Suche im Kies des Donaustrands konnten alle Teilnehmer Gehäuse der nur hier vorkommenden und seltenen Donau-Kahnschnecke entdecken.

„Ein verantwortungsvoller ökologischer Flussausbau erscheint wichtiger denn je. Renaturierungsprojekte entlang der Donau, wie schon an der Isarmündung teilweise umgesetzt, sorgen für die nötige Vernetzung von Gewässern. Mit dem Rückbau von Uferverbauungen, Staustufen und Wehren bei den Zubringern erreichen wir wieder die Durchgängigkeit, welche die Wanderungen der Fische und anderer Organismen ermöglicht, auch neue Kiesbänke können entstehen“, fasste Kuhn zuletzt zentrale Anliegen des Fischschutzes zusammen.

Brigitte Reinhardt lud zum Abschluss zu einem Natur-Wochenende im Wildniscamp am Falkenstein ein. Die Fahrt findet vom 21. bis 23. September statt und ist besonders für Familien geeignet: „Hier erkunden wir den Deffernik-Bach, natürlich auch mit seiner Fischwelt. Für die Fahrt sind noch Plätze frei, Infos gibt es unter 0991-9268.“


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