01.02.2018, 10:15 Uhr

Insektensterben Auch gewöhnliche Arten werden immer seltener

(Foto: Hannes Lehner)(Foto: Hannes Lehner)

Der Artenrückgang bei Insekten betrifft nicht mehr nur seltene Exemplare, sondern inzwischen leiden besonders die häufigen Arten unter der zunehmenden Verinselung von Lebensräumen und einer intensivierten Landwirtschaft. Dies zeigen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut. Sie beziehen in ihre Analyse die genetische Komponente ein, die das Überleben von Arten entscheidend beeinflusst.

DEUTSCHLAND Nachdem ein starker Verlust von Biomasse durch schwindende Fluginsekten belegt wurde, ist der Rückgang von Insekten von der Gesellschaft intensiv diskutiert worden. Bislang gingen Experten davon aus, dass insbesondere ökologisch spezialisierte Arten unter der landwirtschaftlichen Intensivierung leiden. Der starke Verlust von Biomasse zeigt jedoch, dass offensichtlich genauso die anspruchsloseren Arten stark rückläufig sind. Eine Studie in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ beschreibt, dass es mehrere, zeitlich aufeinander folgende Faktoren gibt, die zu diesem Artenrückgang führen, und je nach Zeitpunkt unterschiedliche Arten betreffen.

Die Wissenschaftler Jan Christian Habel vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TUM und Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut zeigen, wenn qualitativ wertvolle Lebensräume (Habitate) zurückgehen, führt das zu einem Verlust von ökologisch spezialisierten Arten. Eine sich weiter verschlechternde Lebensraumqualität geht schließlich mit einem Zusammenbruch von Habitatnetzwerken - und somit von ganzen Populationen einher. Jedoch trifft dies - anders als bisher angenommen – vor allem die Arten mit geringem Grad an ökologischer Spezialisierung: die Generalisten.

Für Analyse wurde die genetische Komponente einbezogen

Für ihre Veröffentlichung haben die Autoren ebenfalls die genetische Komponente einbezogen: Während spezialisierte Arten häufig genetisch einheitlich sind und eine reduzierte innerartliche Variabilität zeigen, besitzen Habitatgeneralisten in der Regel eine hohe genetische Vielfalt. Diese genetische Vielfalt und Komplexität bleibt nur durch einen permanenten Austausch von Individuen zwischen lokalen Populationen aufrechterhalten. Findet kein Austausch mehr von Individuen innerhalb lokaler Populationen durch die zunehmende Verinselung von Lebensräumen statt, führt dies schnell zu einem genetischen Verlust. Dies hat negative Folgen für Fitness und Anpassungsfähigkeit von Individuen.

Ist Artenschutz durch isolierte Schutzgebiete überhaupt möglich?

Dass dieser Zusammenhang Populationen anfälliger für Umweltveränderungen macht und zum Aussterben von lokalen Populationen und Arten führen kann, ist das Fazit der Wissenschaftler. Für den praktischen Naturschutz stellt sich wiederum die Frage, ob langfristig die Artenvielfalt überhaupt in kleinen, isolierten Schutzgebieten erhalten werden kann. Dies mag für spezialisierte Arten mit ganz bestimmten Lebensraumansprüchen und einer einfachen genetischen Struktur funktionieren, allerdings nicht für die Masse an Arten, die auf einen regen Austausch zwischen lokalen Populationen angewiesen ist. Dies führt nämlich dazu, dass auch in Zukunft weiterhin Arten aussterben werden, was sich negativ auf ganze Nahrungsnetze und Funktionen auswirken wird.


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