16.01.2018, 09:50 Uhr

Varroa-Milbe Endlich ein Durchbruch bei der Bekämpfung der Bienen-Geißel

Jahrzehntelang wurde geforscht, jetzt wurde durch Zufall ein vielversprechender Wirkstoff gegen die Varroa-Milbe entdeckt. (Foto: Hannes Lehner)Jahrzehntelang wurde geforscht, jetzt wurde durch Zufall ein vielversprechender Wirkstoff gegen die Varroa-Milbe entdeckt. (Foto: Hannes Lehner)

Uni Hohenheim findet durch Zufall ein Mittel gegen die Varroa-Milbe.

DEGGENDORF Die Nachricht verbreitet sich unter den Imkern im Landkreis Deggendorf wie ein Lauffeuer. Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart haben durch Zufall den Durchbruch bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe entdeckt: Lithiumchlorid.

Seit Ende der 70er Jahre kämpfen Imker Jahr für Jahr gegen den gefährlichsten Feind der Bienen, die Varroa Milbe. Ursprünglich war der Parasit nur in Ostasien beheimatet. Dann wurde die Milbe nach Europa und Deutschland eingeschleppt.

Die ostasiatischen Bienen kommen relativ gut mit dem Blutsauger zurecht. Unsere heimischen Bienen haben dem Parasit nichts entgegenzusetzen. Innerhalb von nur einem bis höchstens drei Jahren haben die Milben ein Bienenvolk komplett ausgelöscht. Die Milbe ist der Grund dafür, dass die Honigbiene alleine nicht mehr überleben kann. Imker müssen die Milbe bekämpfen.

Dies geschieht dadurch, dass die Milbe bislang zwar nicht ausgemerzt, jedoch zumindest in Schach gehalten werden konnte. Nach der Honigernte im Spätsommer geben Imker der Milbe buchstäblich Saures. Der Parasit wird mit aggressiven Säuren bekämpft. Die Bienen überleben diese ätzende Tortur gerade noch so, ein Großteil der Milben stirbt ab. Es bleiben aber immer einige zurück, die sich anschließend wieder rasant vermehren.

Bienenforscher suchen deshalb seit Jahrzehnten nach besseren Behandlungsmethoden und versuchen, Bienen zu züchten, die die Varroa selbst bekämpfen können.

Jetzt kam quasi über Nacht völlig unerwartet der Durchbruch. Forscher der Universität Hohenheim haben das neue Wundermittel entdeckt. Eigentlich hatte das Team um Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde, einen wesentlich komplexeren Ansatz verfolgt. Dabei haben sie quasi das Ei des Kolumbus gefunden, einen günstigen, einfach anzuwendenden Wirkstoff, der in der Natur reichlich vorkommt und nach jetzigem Wissensstand keine Nebenwirkungen hat.

„Lithiumchlorid kann man Bienen in Zuckerwasser aufgelöst füttern. Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Salzlösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten – ohne Nebenwirkungen für die Bienen“, erklärt Bienenforscher Dr. Rosenkranz. Bevor der Wirkstoff nun als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, sind dennoch weitere Tests nötig, um die beste Dosierung zu bestimmen und Nebenwirkungen für Bienen und Anwender sowie das Risiko von Rückständen auszuschließen. Dazu sei man aktuell mit Unternehmen im Gespräch, die diese Entwicklung weiterführen wollen.


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