25.09.2018, 15:56 Uhr

Über 100 Brutvogelarten Chiemsee ist Drehkreuz des Vogelzuges

(Foto: Johann Zimmermann)(Foto: Johann Zimmermann)

Der Chiemsee wurde jüngst in einer Online-Abstimmung zum beliebtesten See Bayerns gewählt. Nicht nur für die Menschen, auch für die Vogelwelt hat das „Bayerische Meer“ eine herausragende Bedeutung.

LANDKREIS TRAUNSTEIN Rund um den See kommen weit über 100 Brutvogelarten vor. Und jetzt zum Ende des Sommers treffen am Chiemsee viele Arten ein, die hier nicht brüten. So lassen sich zurzeit insbesondere im Süden, im Einzugsbereich des Mündungsdeltas der Tiroler Achen am Lachsgang sowie in der Hirschauer Bucht unter anderem verschiedenste Limikolenarten wie Steinwälzer, Alpenstrandläufer oder Grünschenkel beobachten. Diese Arten verbringen die Sommermonate zur Brut vor allem in den Tundren- oder Küstengebieten Skandinaviens. Auf ihrem weiteren Weg in die Überwinterungsgebiete im Mittelmeerraum oder gar bis ins südliche Afrika ist der Chiemsee ein wichtiger Zwischenstopp, um hier die Energiereserven wieder aufzufüllen.

Eine besondere Entdeckung machte vor wenigen Wochen Wolfgang Podszun aus München. Er beobachtete vom Turm in der Hirschauer Bucht einen Flussuferläufer, der an seinen Beinen markiert war. Recherchen ergaben, dass der Vogel erst tags zuvor am Südufer des Neusiedlersees auf ungarischer Seite beringt worden war. Der Vogel musste somit innerhalb eines Tages die gut 325 Kilometer zurückgelegt haben. „Solche Beobachtungen sind besonders spannend“, so Gebietsbetreuer Dirk Alfermann, „zeigen sie doch zum einen was für eine Flugleistung ein solch kleiner, nicht mal amselgroßer Vogel erbringen kann. Solche Beobachtungen machen auch deutlich, dass der Chiemsee ein zentrales Drehkreuz für den europäischen Vogelzug darstellt.“

Mittlerweile dürfte der Flussuferläufer längst in den Mittelmeerraum oder gar weiter nach Afrika gezogen sein, um dort zu überwintern. Ob der Vogel auf diesem Weg noch mal gesichtet und die Beobachtung an die zuständige Beringungszentrale gemeldet wurde, ist aktuell nicht bekannt.

(Foto: Wolfgang Podszun)

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