13.07.2018, 14:14 Uhr

Traumjob mit Aussicht? So sieht die Arbeit eines Chiemgauer Almbauern aus


Der Verein „Unsere Bayerischen Bauen e.V.“ porträtiert regelmäßig Landwirte und ihre Arbeit und möchte so den Respekt der Verbraucher für die Produkte, die sie täglich essen, wieder vergrößern. Dabei ist es wichtig, ein realistisches Bild zu malen, um Klischees und Vorurteile abzubauen. Nur so kann die Wertschätzung für bäuerliche Leistung und hochwertige Lebensmittel wieder gesteigert werden. Diesmal hat ein Team den Almbauern Anderl Aigner auf seiner Hochalm im Chiemgauer Land besucht.

CHIEMGAU. Saftig-grüne Wiesen, himmlische Ruhe und eine Aussicht wie im Bilderbuch – das ist ein Arbeitsplatz von Almbauer Anderl Aigner. Doch ganz so idyllisch, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist das Leben als Alm- und Milchbauer nicht. Vor knapp zwei Jahren übernahm der 33-Jährige zusammen mit seiner Frau Steffi und den drei Kindern den Naderbauer-Hof mit Milchviehbetrieb sowie eine Hoch- und Niederalm von seinem Vater Hans Aigner. Insgesamt knapp 120 Tiere, hauptsächlich Fleckvieh, gilt es seitdem täglich zu versorgen. Und das ist vor allem eins: ein Knochenjob. Da ist der atemberaubende Ausblick von der Hochalm über das Chiemgauer Land fast so etwas wie eine Belohnung, die man sich am Ende des Tages – oder auch mal zwischendurch – gönnen kann. „Das Besondere an unserer Alm ist, dass wir hier einen fantastischen Weitblick haben. Bei dieser Aussicht lässt es sich gut arbeiten“, erzählt der Familienvater.

Alltag mit Rindern

Jedes Jahr im Frühling heißt es zunächst: Zaun bauen! Rund 8,5 Kilometer beträgt die Zaunstrecke rum um die Recht-Alm, die später dafür sorgen soll, dass kein Tier abhanden kommt. Bis es soweit ist, sind allerdings 200 Arbeitsstunden nötig. Je nach Wetterlage werden die Jungrinder im Mai oder Juni mit der Unterstützung von Familie und Freunden auf die Almen getrieben – 15 bis 20 Leute helfen dabei mit. Oben angekommen, bleibt genug zu tun. So müssen die Tiere alle zwei bis drei Wochen innerhalb der drei verschiedenen Parzellen der Hochalm umgetrieben werden, die Wasserversorgung muss gesichert und die Kühe müssen gemolken werden. In den Sommermonaten überprüft der Landwirt höchstpersönlich alle Zäune regelmäßig auf Schwachstellen. Um ganz sicher zu gehen, dass alles so ist, wie es sein sollte, werden die Tiere außerdem täglich gezählt.

Es geht nur gemeinsam

Die Versorgung der Kühe und die Wartung der Weidezäune ist jedoch nur ein Teil der Aufgaben des Almbauern. Anderl Aigner ist auch für zehn Hektar Wald und 44 Kubikmeter Recht-Holz sowie die Instandhaltung des Wander- und Lieferweges auf die Alm verantwortlich. Um die 28 Milchkühe im Tal kümmert sich weiterhin Vater Hans. „Ohne ihn würde ich es nicht schaffen“, erklärt Aigner. Bei der Vermietung der Naderbauer Niederalm und dem Verkauf der Alm-Lebensmittel wie dem zarten Almrindfleisch hilft ihm Ehefrau Steffi. Auf der Piesenhauser Hochalm unterstützen ihn zudem jedes Jahr zwei Sennerinnen bei der Bewirtung der Gäste, der Versorgung der Tiere und der Herstellung von Käse.

Respekt vor der Natur

Eine Alm den Sommer über zu bewirtschaften, ist ein Fulltime-Job – und voller Herausforderungen. „Früher waren 11 Berechtigte dort oben, und es gab zehn Kaser“, berichtet Aigner. Der letzte hörte 1993 auf. Seitdem ist ihm das alleinige Weiderecht gesichert. Für den Bauern ist die Almbewirtschaftung dennoch ein Glücksfall: „Schließlich arbeiten wir da, wo andere Urlaub machen.“ Nicht zuletzt leistet der Bauer einen wichtigen Beitrag zur Kulturlandschaftspflege, der auch für den sanften Bergtourismus von Bedeutung ist. Die nächste Generation – Aigners Kinder – wächst bereits mit dem Respekt vor der Natur, den Tieren und der extensiven Almwirtschaft heran. Gute Aussichten also, dass es mit der Bewirtschaftung der Piesenhauser Hochalm noch lange weitergeht.

Über „Unsere Bayerischen Bauern e. V.“

Der Verein „Unsere Bayerischen Bauern e. V.“ wurde im April 2016 auf Initiative des Bayerischen Bauernverbandes gegründet. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft land- und forstwirtschaftlicher Organisationen aus allen Bereichen der bayerischen Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei. Ihr Ziel ist es, den regionalen Erzeugern zu mehr Wahrnehmung und ihren Produkten zu mehr Ansehen zu verhelfen und damit die vielfältige, stark durch die Landwirtschaft geprägte bayerische Kulturlandschaft zu fördern und zu erhalten.


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