18.12.2019, 10:32 Uhr

Vorreiter Die erste Försterin im Nationalpark

Verkehrssicherung mit schwerer Maschine: Silvia Pflug hat sich im Nationalpark bereits gut eingearbeitet. (Foto: Elke Ohland/NPV-BW)Verkehrssicherung mit schwerer Maschine: Silvia Pflug hat sich im Nationalpark bereits gut eingearbeitet. (Foto: Elke Ohland/NPV-BW)

Silvia Pflug übernimmt Leitung der Dienststelle Bayerisch Eisenstein.

BAYERISCH EISENSTEIN Neuste Erkenntnisse bei der Forschung oder moderne Methoden in der Umweltbildung - der Nationalpark Bayerischer Wald war als ältester Deutschlands schon in vielen Dingen Vorreiter. Eines hat jedoch fast 50 Jahre gedauert: dass eine Frau die Leitung einer Nationalparkdienststelle übernimmt. Nun ist auch das geschafft. Silvia Pflug arbeitet als erste Försterin im Nationalpark Bayerischer Wald und leitet das Revier Bayerisch Eisenstein.

Es ist ein frostiger Morgen. In der Nacht zuvor hat es geschneit und gestürmt. Silvia Pflug ist von Zwieslerwaldhaus aus unterwegs Richtung Schwellhäusl. Eine schwere Maschine ist hier zur Verkehrssicherung im Einsatz, um Totholz am Rande des beliebten Wanderwegs zu entfernen. „Verkehrssicherung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit hier im Nationalpark“, sagt die 41-Jährige. Bei ihrer vorherigen Tätigkeit spielte das kaum eine Rolle. Sie war im Kreisforstamt in Freudenstadt in Baden-Württemberg in der Privatwaldbetreuung eingesetzt. Dort gelten die Gesetze eines Wirtschaftswaldes. „Großflächige Totholzbestände gibt es dort nicht. Es zählt in erster Linie der finanzielle Wert eines Baumes.“

Dass sich dies nun ändert, freut Silvia Pflug ganz besonders. Denn ihr Herz schlägt schon immer für die Natur. „Im Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising spielte das Thema Waldnaturschutz eine große Rolle, was auch der Hauptgrund für mich war, den Studiengang zu wählen.“ Leider habe sie aber im Arbeitsalltag schnell gemerkt, dass der Naturschutzgedanke insbesondere im Privatwald immer hinten anstehen muss. „Der bestimmende Faktor in der Forstwirtschaft sind ökonomische Überlegungen.“ Im Nationalpark ist dies anders. „Natürlich müssen wir auch hier in den Randzonen den Borkenkäfer bekämpfen. Aber dennoch ist die Sichtweise eine andere.“ Mit der Philosophie „Natur Natur sein lassen“ stimmt Silvia Pflug vollkommen überein. „Es ist toll zu sehen, welche natürlichen Waldbilder sich hier in 50 Jahren entwickelt haben.“

Dass sie mit ihrer Arbeit nun einen Beitrag dazu leisten kann, ist für die 41-Jährige wie ein Sechser im Lotto. „Es ist nicht nur, dass mich die Abläufe hier im Schutzgebiet wahnsinnig interessieren. Ich wollte auch wieder zurück nach Bayern“, sagt die gebürtige Oberpfälzerin. Nun haben sich beide Wünsche mit einem Schlag erfüllt. Und in Empfang genommen wurde sie von dem hauptsächlich aus Männern bestehenden Team aus dem Sachgebiet Wald- und Flächenmanagement auch mit offenen Armen. „Als Försterin ist man es ja gewohnt, dass man oft die einzige Frau ist.“ Auch Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung, freut sich, dass die offene Dienststelle in Bayerisch Eisenstein kompetent besetzt werden konnte. „Umso erfreulicher ist es, dass wir unter unseren insgesamt sechs Dienststellenleitern nun eine Frau haben.“

Zwischenzeitlich sind die Arbeiten des Greifers gut vorangegangen. Silvia Pflug spricht noch kurz mit dem Fahrer, gibt letzte Erläuterungen. Dann sitzt sie auch schon wieder im Auto und fährt zum nächsten Termin. „Die Abläufe funktionieren schon recht gut“, sagt sie, blickt aus dem Fenster auf den Wald um sie herum und überlegt kurz. „Ich fühle mich hier so richtig wohl.“ Aber eigentlich weiß sie das schon seit der ersten Nacht, die sie in ihrer neuen Heimat Buchenau verbracht hat. „Da habe ich einen Hirsch bei der Brunft gehört und dachte mir, das ist jetzt die volle Dosis Naturnähe.“


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