31.10.2018, 10:18 Uhr

Umweltbildung seit 20 Jahren WaldZeit – die wilde Natur erleben


Der Verein WaldZeit bietet seit 20 Jahren erlebnisreiche Umweltbildung an.

SPIEGELAU „Natur Natur sein lassen“ – diese nicht unumstrittene Philosophie vertritt der Nationalpark Bayerischer Wald seit vielen Jahrzehnten. Doch was heißt das genau? Wie lässt sich Natur erleben und vor allem, wie kann man den Menschen das Verständnis zur neuen Wildnis näher bringen? Diese Fragen beschäftigten Klaus Möller, Sabine Eisch, Daniela Brem, Nina Reiz, Petra Jehl und Antja Laux vor 20 Jahren und so gründeten sie 1998 den Verein WaldZeit.

Ziel der Umweltpädagogen, Naturwissenschaftler und Waldführer war es, Umweltbildung zu machen und für den Nationalpark, der 1997 erweitert wurde, zu werben. „Um die Wildnis zu verstehen, muss man sie schon längere Zeit erleben. Das geht nicht allein damit, dass man den Wald anschaut“, sagt Klaus Möller, 1.Vorsitzender von WaldZeit. Deshalb baute der Verein auf aktive Umweltbildung.

Das heißt, man veranstaltete mehrtägige Wanderungen, die den Teilnehmern erlaubten, Teil der Wildnis zu werden. Was mit sechs Veranstaltungen im Jahr begonnen hat, hat sich zu einem erfolgreichen Projekt entwickelt. Mittlerweile stehen 30 „wilde“ Angebote im Programm von WaldZeit. „Beliebter Klassiker ist bis heute die Wildniswanderung, und auch die grenzüberschreitenden Touren sind mittlerweile sehr gefragt“, erzählt Klaus Möller von den Höhepunkten der Vereinsveranstaltungen.

Von Beginn an arbeiten die Vereinsmitglieder eng mit dem Nationalpark Bayerischer Wald zusammen. 2002 wurde diese Zusammenarbeit noch einmal vertieft. Denn dann wurde das Wildniscamp am Falkenstein vom Nationalpark gebaut und auch der Verein kann dieses am Wochenende oder in den Ferien für seine Programmpunkte nutzen und den Teilnehmern Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten anbieten. Ein Gewinn für beide Seiten! „Besonders wichtig war von Beginn an das Thema Nachhaltigkeit: Alle Teilnehmer können mit Bahn und Bus anreisen, die Verpflegung kommt aus der Region, möglichst in Bio-Qualität. Die Teilnehmer müssen sich so zwischen An- und Abreise um nichts kümmern und können ganz ihren Urlaub bzw. Workshop im Wildniscamp genießen“, sagt Klaus Möller über den Ablauf der Reisen. Das zentrale Anliegen von WaldZeit ist natürlich immer noch, die wilde Natur des Nationalparks erlebbar zu machen.

Dafür arbeitet ein harter Kern um Klaus Möller, Antje Laux, Petra Jehl und Hanni Reischl mit hohem ehrenamtlichen Aufwand. „Wir wollen den Menschen ein Gespür für den Nationalpark und die Nationalpark-Philosophie geben“, sagt Klaus Möller über die Vereinsarbeit. Aber nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern durch das eigene Erleben. „Wenn die Teilnehmer mit uns durch die Wälder ziehen, dann bekommen die Leute die Entwicklung der Natur zum Beispiel an Hand der Borkenkäferproblematik hautnah mit“, fährt Klaus Möller fort.

Dass dieses Konzept aufgegangen ist, zeigen die Teilnehmerzahlen: In den letzten 20 Jahren gab es rund 12.000 Teilnehmer, darunter auch viele „Wiederholungstäter“. „Wer einmal in die Wildnis eingetaucht ist, kommt immer wieder gerne zurück“, weiß Klaus Möller auch aus eigener Erfahrung. Beruflich hat er dem Bayerischen Wald den Rücken gekehrt, lebt und arbeitet jetzt in Augsburg, doch für WaldZeit kommt er alle paar Wochen zurück in den Bayerischen Wald.

Aber nicht nur er hat an die Wildnis sein Herz verloren. Für andere wurde das Waldrauschen zum Liebesrauschen: Ganz unfreiwillig wurde WaldZeit nämlich zum Kuppler. „Eine Krankenschwester aus München und ein Teilnehmer aus Baden-Württemberg haben sich bei einer Reise mit uns kennen- und lieben gelernt. Das Interesse an der wilden Natur war die erste gemeinsame Basis. Heute sind die beiden verheiratet“, lacht Klaus Möller.

Alle Infos rund um den Verein, seine „wilde“ Bildungsarbeit und die Workshops im Wildniscamp gibt es auf der Homepage www.waldzeit.de.


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