24.08.2018, 14:28 Uhr

Sonderprogramm Finanzspritze für den Nationalpark

Im Austausch für das Nationalpark-Packerl gab es kleine Aufmerksamkeiten von Bürgermeister Roth und MdL Gibis (von links): Regens Landrätin Rita Röhrl, Bayerisch Eisensteins Bürgermeister Georg Bauer, Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth, MdL Max Gibis, Umweltminister Dr. Marcel Huber und Landrat Sebastian Gruber. (Foto: Landratsamt FRG)Im Austausch für das Nationalpark-Packerl gab es kleine Aufmerksamkeiten von Bürgermeister Roth und MdL Gibis (von links): Regens Landrätin Rita Röhrl, Bayerisch Eisensteins Bürgermeister Georg Bauer, Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth, MdL Max Gibis, Umweltminister Dr. Marcel Huber und Landrat Sebastian Gruber. (Foto: Landratsamt FRG)

Ein etwas verfrühtes und nichtsdestotrotz sehr willkommenes Geburtstagsgeschenk gab es am vergangenen Freitag für den Nationalpark von Seiten des Freistaats. Anlass ist das Jubiläum im Jahr 2020, der Nationalpark Bayerischer Wald besteht dann seit 50 Jahren. Ein Gesamtpaket im Wert von rund 30 Millionen Euro an Unterstützungen stellte Umweltminister Dr. Marcel Huber im Technologie Anwender Zentrum (TAZ) Spiegelau MdL Max Gibis, Landrat Sebastian Gruber, Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth, der Landrätin Rita Röhrl (Landkreis Regen) sowie Bayerisch Eisensteins Bürgermeister Georg Bauer vor.

FREYUNG In vier Bereichen wird es Gelder für Ertüchtigung, Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur im Nationalpark geben: Besuchereinrichtungen, touristische Infrastruktur, Fahrzeugbestand und Verkehrsinfrastruktur. Huber sprach von vier Säulen, auf denen das in der Region als „Nationalpark-Packerl“ bekannte Programm ruhe. Fließen werden die Gelder im Rahmen eines vom Bayerischen Kabinett beschlossenen Sonderprogrammes unter dem Dach der so genannten Naturoffensive Bayern. Es sei ein Verdienst der Akteure vor Ort, dass dieses „Packerl“ geschnürt wurde: „Die lokale Politik hat sich vehement um dieses Thema gekümmert“, so der Minister. MdL Max Gibis zeigte sich hoch erfreut, dass aus dem von ihm so benannten und vorangetriebenen „Packerl“ ein großes Paket geworden sei.

Der größte Teil der Gelder wird in die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur fließen. 19,9 Millionen Euro will der Freistaat dafür zuschießen. In diesem Punkt sei die Kommunalpolitik sehr aktiv gewesen, um auf die Dringlichkeit hinzuweisen, erklärte Huber, mit einem Seitenblick auf Landrat Sebastian Gruber und Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth.

Allein 16,6 Millionen Euro sind für die Sanierung der Fahrbahn, von Brücken und Stützmauern der Nationalpark-Basisstraße zwischen Mauth und Spiegelau vorgesehen. Der Freistaat trägt damit die vollen Kosten dieser Ertüchtigung. Landrat Sebastian Gruber bedankte sich ausdrücklich für diese Unterstützung von Seiten der Staatsregierung. „Dieses Projekt wäre für uns so nicht stemmbar gewesen“, so Gruber.

Dank von Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth kam beim nächsten Punkt auf der Liste des Ministers. 3,3 Millionen Euro, so Huber, werde der Freistaat für die Sanierung der Gfällstraße zwischen Spiegelau und dem Gfäll-Parkplatz zur Verfügung stellen. Bürgermeister Roth erklärte, dass auch für die Gemeinde Spiegelau diese dringend notwendige Maßnahme ohne die Gelder aus München nicht machbar gewesen wäre. Umso erleichterter zeigte er sich über die Zusagen des Ministers.

Huber kündigte außerdem an, dass der Freistaat als Teil des Paketes eine Machbarkeitsstudie für einen straßenbegleitenden Radwegneubau auf der Ostseite der B 11 finanzieren wird. Es geht dabei um einen Lückenschluss des Nationalpark-Radweges zwischen Ludwigsthal und Bayerisch Eisenstein. Bayerisch Eisensteins Bürgermeister Georg Bauer erklärte dazu, ihm sei mit dieser Zusage eine schwere Last von den Schultern genommen. Die Studie würde es ohne diese Unterstützung nicht geben. Damit könne ein Jahrzehnte altes Projekt endlich in Angriff genommen werden. Auch Regens Landrätin Rita Röhrl freute sich über die Fördermittel für den Radwegebau.

Als weitere Säule, so Huber, werde man im Nationalpark selbst die Besuchereinrichtungen sanieren und auf den neuesten Stand bringen. Dazu gehöre ein ganzes Maßnahmenpaket, etwa die energetische Sanierung des Hans-Eisenmann-Hauses, des Hauses zur Wildnis, des Jugendwaldheims Wessely-Haus und des Wildniscamps am Falkenstein bis 2024. Die Ausstellungen im Haus zur Wildnis und im Hans-Eisenmann- Haus sollen auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Die Tierfreigelände sollen bis 2021 attraktiver und barrierefrei gestaltet werden. Hier rechnet das Ministerium mit Gesamtkosten von 5,3 Millionen Euro.

Auch in die touristische Infrastruktur fließen geschätzte 4,1 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm. Unter anderem geht es dabei um die 350 Kilometer Wanderwege und 200 Kilometer Radwege, die den Nationalpark durchziehen - für ihre Ertüchtigung sind 1,5 der 30 Millionen Euro vorgesehen. Bis 2024 sollen außerdem bestehende Hütten und Unterkunftshäuser saniert und ausgebaut sowie Plätze für Camper und Zelte eingerichtet werden.

Rund 2,4 Millionen Euro sind für die Umstellung des nationalparkeigenen Fahrzeug-Bestands auf umweltfreundliche Antriebsformen - E-Autos oder etwa Hybridfahrzeuge - angesetzt. Die Nationalpark-Verwaltung habe in Sachen Naturschutz eine Vorbildfunktion, betonte Dr. Huber. Dieser wolle man mit der Umstellung gerecht werden.

Der Umweltminister sprach davon, dass in seinem Haus der Artenschutz neben dem Klimawandel das Hauptthema sei. Denn mit jeder Art, die verloren gehe, gehe ein Teil der Resilienz, der Widerstandsfähigkeit des gesamten Ökosystems verloren. Mit der Naturoffensive Bayern fördere man eine Reihe von Artenschutzzentren, die alle das gemeinsame Ziel haben, den Menschen die Natur zu erklären und diese für den Naturschutz zu sensibilisieren.

Zum Jubiläum „50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald“, so Huber, sei es angemessen auch außer der Reihe Unterstützung in dieser Höhe in die Region fließen zu lassen. Gerade auch, weil der Nationalpark Bayerischer Wald sich hoher Zustimmungsraten erfreue. So hätte eine Umfrage im Auftrag seines Ministeriums ergeben, dass 96 Prozent der Menschen in Bayern den Park kennen und stolz darauf sind. Selbst in der Region, wo früher ja nicht jeder mit allem einverstanden war, was im und um den Nationalpark passierte, sei die Zustimmung in der Bevölkerung mit 90 Prozent erfreulich hoch. Dies sei vor allem den vor Ort Tätigen, den politisch Verantwortlichen und den Verantwortlichen im Nationalpark zu verdanken, die es geschafft hätten, dass der Park nach 50 Jahren so gut dastehe und rundum akzeptiert werde.

Auch Landrat Sebastian Gruber zollte den damals in der Region tätigen Politikern Respekt, die gegen viele Widerstände die Einrichtung des Nationalparks verteidigt hatten. Wenn man sich die Aufzeichnungen von damals anschaue und die Geschichten dazu höre, zeige sich, dass es ein regelrechter Kraftakt gewesen sei, „den Nationalpark auf die Welt zu bringen“. Auch die Nationalpark-Leiter hätten einen guten Teil dazu beigetragen und täten dies in Person von Dr. Franz Leibl auch heute, so Gruber. Der Park sorge mittlerweile nicht nur für jede Menge indirekte touristische Wertschöpfung im Landkreis. Er erhöhe auch die Lebensqualität der Landkreisbürger deutlich, schließlich werde die Infrastruktur des Parks ja auch von ihnen genutzt. Die Kommunen vor Ort und der Landkreis könnten dies so nie alleine leisten. Umso dankbarer sei er, dass der Freistaat jetzt zum 50. Geburtstag des Parkes bereit sei, der Region derart unter die Arme zu greifen.


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