21.06.2018, 09:30 Uhr

Ausgezeichnet Der Retter der Mauersegler


14 Paare brüten im Garten von Umweltpreisträger Johannes Dalloz

KIRCHDORF IM WALD Als sich der kleine Johannes mal wieder im Wald rumtreibt, sieht er auf dem Weg einen kleinen Vogel liegen. Es ist ein Mauersegler, der es nicht mehr schafft, mit eigener Kraft loszufliegen. Der zehnjährige Naturbursche zögert nicht lange. Er hebt den Vogel auf und setzt ihn auf einen Baum. Von dort gelingt es dem gefiederten Tierchen, sich in die Lüfte zu erheben. Heute, 65 Jahre später, ist Johannes Dalloz wieder der Retter der Mauersegler. Der 75-Jährige setzt sich seit mehreren Jahren für die gefährdete Vogelart ein und hat dafür erst im letzten Herbst den Umweltpreis des Landkreises Regen erhalten. Gerade jetzt herrscht Hochbetrieb bei den Dalloz, denn insgesamt 14 Mauerseglerpärchen haben in diesem Sommer in den Nistkästen rund um das Anwesen Quartier bezogen und die ersten kleinen Vögel sind schon geschlüpft.

Auf den Vogel bzw. Mauersegler gekommen ist Johannes Dalloz eigentlich durch Zufall. „Ich habe gesehen, dass sich ein Mauersegler in einem Starenkasten eingenistet hat. Weil diese Nistkästen aber zu klein sind, ist dort keine erfolgreiche Aufzucht möglich. Die Vögel konnten ihre Flugfähigkeit in diesem beengten Raum nicht trainieren und waren deshalb nicht überlebensfähig“, erzählt der Kirchdorfer. Das war 2010, seitdem beschäftigt er sich sehr intensiv mit dem einzigartigen Vogel, dessen Lebensraum ausschließlich in der Luft ist, und schafft jedes Jahr rund um sein Haus mehr Nistmöglichkeiten für den Mauersegler. „Das ist sehr wichtig, denn durch die Sanierungen alter Häuser gehen die Hohlräume, in denen die Mauersegler früher gebrütet haben, verloren“, so Johannes Dalloz.

Im letzten Jahr fanden 10 Pärchen den Weg in den Garten von Johannes Dalloz. Heuer sind schon 14 Paare da. „Mauersegler sind standorttreu. Das heißt, sie kommen immer wieder zum gleichen Nistplatz zurück“, weiß der Experte aus Erfahrung. Dass die Zahl der brütenden Vögel steigt, liegt daran, dass sich die jungen Mauersegler Gruppen von Altvögeln anschließen und mit ihnen gemeinsam aus dem Winterquartier in Afrika zurückfliegen.

Vogelbeobachtung mit der Kamera

Dennoch benutzt Johannes Dalloz einen kleinen Trick, um die Vögel in seinen Garten zu lotsen. „Ich locke sie mit einer CD an, auf der das Schreien und Zwitschern der Mauersegler zu hören ist und auch Silhouetten von Mauerseglern bringe ich an den Nistkästen an“, so der Vogelliebhaber. Der Trick funktioniert allerdings nur, wenn in diesem Gebiet bereits Mauersegler ihre Heimat haben.

Die Nistkästen baut Hobbyhandwerker Johannes Dalloz alle selber. Insgesamt 27 davon befinden sind unter dem Dach und an den Häuser- und Scheuenwänden. Jedes Einflugloch ist perfekt auf die Maße des Mauerseglers abgestimmt, um zu verhindern, dass andere gefiederte Gäste einziehen. Außerdem lassen sich alle Nistkästen von hinten öffnen und sind mit Kameras ausgestattet, sodass Johannes Dalloz und seine Frau Veronika immer sehen, was sich hinter den Kulissen tut.

Vor allem jetzt geht es Schlag auf Schlag, denn die ersten kleinen Mauersegler sind vergangene Woche geschlüpft und täglich kommen neue dazu. Meist legen die Mauersegler drei Eier, diese werden dann 21 Tage lang ausgebrütet. Die Aufzucht dauert etwa 42 Tage. Danach, circa Mitte August, fliegen die Mauersegler Richtung Süden davon und kommen erst im nächsten Mai wieder. Eine Zeit, die Johannes Dalloz und seine Frau immer herbeisehnen, denn der faszinierende Luftakrobat hat sie völlig in den Bann gezogen.


0 Kommentare