23.05.2018, 18:11 Uhr

Natur.Vielfalt.Bayern. Tag der Artenvielfalt in der Arberregion

Gebietsbetreuer für die Arberregion, Johannes Matt. (Foto: A. Lafaire)Gebietsbetreuer für die Arberregion, Johannes Matt. (Foto: A. Lafaire)

Vor zehn Jahren hat der bayerische Ministerrat eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt, die „Bayerische Biodiversitätsstrategie“, unter dem Motto „Natur.Vielfalt.Bayern.“ beschlossen.

Zu diesem Anlass wurde im Rahmen einer Veranstaltung am Internationalen Tag der Biodiversität die besondere Artenvielfalt der Arberregion präsentiert. Dazu fanden sich 65 Erwachsene und zudem einige Kinder auf dem Buchhüttenschachten ein. Dieser wurde ganz bewusst für diese Veranstaltung ausgewählt, denn die Beweidung der Bodenmaiser Schachten leistet einen sehr bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Nach der Begrüßung durch Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks Bayerischer Wald, hob Rita Röhrl, Landrätin des Landkreis Regen, die Notwendigkeit und die Bedeutung der Bewahrung der Biodiversität für unsere Lebensgrundlagen als auch für unsere künftigen Generationen hervor. Joachim Haller, 1. Bürgermeister des Markt Bodenmais, betonte die dafür notwendige enge Zusammenarbeit von Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und den vor Ort gewachsenen Traditionen. Nur so könne eine artenreiche Natur, lebenswerte Umwelt und liebenswerte Heimat erhalten werden.

Exemplarisch für eine solche Zusammenarbeit war diese Veranstaltung. Denn neben den Gebietsbetreuern Anette Lafaire und Johannes Matt von den Naturparken Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald, welche die Idee zu dieser Veranstaltung hatten, waren die Naturschutzbehörden und die Landratsämter der Landkreise Regen und Cham mit einbezogen. Außerdem beteiligten sich der Forstbetrieb Bodenmais der Bayerischen Staatsforsten und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Regen und Landau. Mit anwesend war auch die Bayerische Waldkönigin Johanna Gierl. Darüber hinaus wirkte der Nationalpark Bayerischer Wald, samt dessen Junior Rangern mit. Von Seiten der Naturschutzverbände waren die BUND- Kreisgruppen, sowie die LBV- Kreisgruppen von Regen und Cham als auch das „Grüne Herz Europas“ mit dabei. Ebenfalls mit sehr großem Engagement brachten sich der Markt Bodenmais und die Bodenmaiser Weiderechtler in die Veranstaltung ein.

Der Gebietsbetreuer für die Arberregion Johannes Matt veranschaulichte anhand einiger weniger Zahlen, die Dramatik des globalen Artensterbens. So verschwinden weltweit etwa 130 Arten tagtäglich. Viele ohne dass sie der Mensch je entdeckt oder bestimmt hätte. Zwar ist in Deutschland das Insektensterben aktuell in aller Munde, dennoch gehen kontinuierlich viele weitere Tier- und Pflanzenarten, sowie Lebensräume verloren. Wenn die Masse an Insekten fehlt, fehlt die notwendige Bestäubungsleistung für unsere Nahrungsmittel, als auch die Nahrungsgrundlage von Vögeln und Fledermäusen.

Durch die Offenhaltung und Pflege dieser „Perlen im Waldmeer“, leistet die Beweidung der Bodenmaiser Schachten einen sehr wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Ludwig Fritz, einer der drei verbliebenen Weiderechtlern, schilderte die Geschichte und Tradition des „Blumbesuchs“, welcher den Rechtlern per Freiheitsbrief aus dem Jahre 1522 zugestanden wurde. Nahezu ununterbrochen wird das Recht auf Waldweide bis zum heutigen Tag ausgeübt. Wie fleißig das Niederbayerische Fleckvieh Landschaftspflege betreibt, konnte bei den bereits vom Weiderechtler Karl Probst hochgetriebenen junge Stiere beobachtet werden.

Die Beweidung der Bodenmaiser Schachten leitest einen sehr wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. (Foto: J. Matt)

Für eine angemessene Verpflegung mit traditionellem Sterz samt Kraut und gestockter Milch, sowie für die Getränke sorgte der Markt Bodenmais. Diesen ließen sich die Besucher rund um das Lagerfeuer sichtlich schmecken und in eine andere Zeit zurück versetzen. Aktuelle Informationen und jede Menge Wissenswertes standen den Besuchern in Form von Infoständen zur Verfügung. Beispielsweise informierten Mitarbeiter des LIFE+-Projektes des Nationalparks Bayerischer Wald über die Wiederbeweidung des Ruckowitzschachtens. Die Junior Ranger des Nationalparks sorgten für ein spannendes Kinderprogramm. Des Weiteren führte Klaus Urban von AELF Landau die kleinen Besucher in die Welt des „Zauberbaums“.

Rosemarie Wagenstaller von der Unteren Naturschutzbehörde, Wolfgang Lorenz von der Höheren Naturschutzbehörde und Gerhard Nagl vom Grünen Herz Europas stellten die Vegetation der Bodenmaiser Schachten vor. Auf den Schachten hat sich mit dem „montanen Silikatmagerrasen“ ein prioritärer Lebensraum ausgebildet. Diese Pflanzengesellschaft setzt sich hauptsächlich aus Sauergräsern, wie dem Borstgras, auch Bürstling genannt, zusammen. Neben Schwarzer Segge, Kleinem Sauerampfer und Blutwurz, profitieren aber auch seltene Arten, wie Arnika oder Ungarischer Enzian von der stets niedrigen Grasnarbe und den durch Viehtritt entstehenden offenen Bodenpartien.

In das Thema „Luchs in der Arberregion“ führte der Biologe Markus Schwaiger vom WWF Deutschland und Luchsprojekt Bayern ein. Der Luchs - ein Grenzgänger sowohl zwischen Offenland und Wald als auch zwischen Bayern, Tschechien und Österreich- findet hier in der Arberregion einen bestens geeigneten Lebensraum vor. Über das jahrelange Monitoring des Luchses ist bekannt, dass interessanterweise im Bereich des Buchhüttenschachtens mehrere Luchsreviere aneinander grenzen.

Jürgen Völkl, Forstbetriebsleiter des Forstbetriebs Bodenmais, erläuterte zusammen mit Dr. Stefan Schaffner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regen den Einklang von nachhaltiger forstwirtschaftlicher Nutzung und Waldnaturschutz. Außerdem präsentierten Völkl und Matt ein neues Projekt zum Habichtskauz. Dieses wird in Kooperation der Bayerischen Staatsforsten mit dem Naturpark Bayerischer Wald gestartet. Dazu werden im Sommer Nistkästen aufgehängt, die der drittgrößten Eulenart zu Gute kommen sollen. Der Habichtskauz als auch die anderen Kauzarten profitieren von den Schachten, da sie auf diesen offenen Bereichen auf Mäusejagd gehen.

Die beiden Gebietsbetreuer Anette Lafaire und Johannes Matt gingen im Anschluss auf das Thema „Auerhuhn in der Arberregion“ ein. Das immer noch vom Aussterben bedrohte Auerhuhn findet hier einen seiner letzten Rückzugsräume in Bayern. Bemerkenswerterweise fiel die größte Verbreitung des Auerhuhns mit dem Höhepunkt der Waldweide im Bayer- und Böhmerwald zusammen. Die lichten Waldbereiche, die niedrigere Grasnarbe und die größere Verfügbarkeit von eiweißreicher Nahrung, wie Ameisen und weiteren Insekten, kommen dem Auerhuhn auch durch die heutige Beweidung noch zu Gute. Aktuelle Kartierungen deuten daraufhin, dass die Schutzbemühungen und die Aufklärungsarbeit der Gebietsbetreuer und Landratsämter, sowie der Forstbetriebe weiterhin notwendig sind.

Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Teilnehmer einig, dass es dem großen Engagement der Bodenmaiser Weiderechtler zu verdanken ist, dass sich die Arberregion noch mit einem so großen Artenreichtum auszeichnet und es sich lohnt sich dafür einzusetzen.


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