21.02.2018, 09:00 Uhr

Unbeschwerter Blick zum Sternenhimmel Naturpark startet innovatives Projekt zum Thema „Lichtverschmutzung“

Spektakuläre Sternenbeobachtungen, wie die der Milchstraße über dem Dreisessel, sollen für künftige Generationen erhalten bleiben. (Foto: Patrick Leitner)Spektakuläre Sternenbeobachtungen, wie die der Milchstraße über dem Dreisessel, sollen für künftige Generationen erhalten bleiben. (Foto: Patrick Leitner)

Der Naturpark Bayerischer Wald startet ein höchst innovatives und grenzüberschreitendes Projekt zur Problematik der Lichtverschmutzung. Am vergangenen Dienstag wurde das neue Projekt mit einer Fachkonferenz in Krsy, Tschechien offiziell begonnen.

BAYERISCH EISENSTEIN Der erste Vorsitzende des Naturparks Heinrich Schmidt freut sich über dieses neue Projekt. „Unser Naturpark hat bereits in den letzten Jahren mit demselben Träger die Errichtung eines Umweltbildungszentrums als Partner unterstützt“, so Schmidt. Die kleine Ortschaft Krsy, nordwestlich von Pilsen, liegt in einem Gebiet mit sehr geringer Lichtverschmutzung und eignet sich als herausragende Region in Mitteleuropa zur ungestörten Sternenbeobachtung. Eine große Gruppe mit über 50 Personen von astronomischen, universitären und anderen Einrichtungen, sowie hochrangige Politiker fanden sich am dortigen Umweltbildungszentrum ein.

Während in Deutschland sich bisher nur wenige Institutionen mit dem Thema „Lichtsmog“ beschäftigen, ist Tschechien hingegen schon mehr als einen Schritt weiter. Die Tschechische Republik war das erste Land Europas, welche Lichtverschmutzung fest im Gesetz verankert hat. Überdies gibt es bereits vier gesetzlich festgelegte Lichtschutzgebiete, wo der Dunkel Himmel als eigener Wert für künftige Generationen dauerhaft erhalten werden soll. Außerdem arbeitet das tschechische Umweltministerium zusammen mit weiteren fünf Ministerien aktuell an verpflichtenden Vorgaben für die einzelnen Ministerien und an einem Förderprogramm für Gemeinden zur Umrüstung deren Straßenbeleuchtungen. Eine Handlungsbroschüre wurde bereits an alle über 6200 Gemeinden verteilt. Hier eröffnen sich große Potenziale grenzüberschreitend voneinander zu lernen. Und genau da setzt das neue Projekt des Naturparks Bayerischer Wald an.

Im Rahmen des INTERREG-Projekt mit dem Namen „Lichtverschmutzung – gemeinsames Verfahren“ arbeiten der tschechische Leadpartner Aktivity pro mit dem Naturpark eng zusammen. Verschiedenen Methoden und Ansätze sollen ausgearbeitet werden, um neu entstehende Lichtverschmutzung zu vermeiden und Bestehende einzudämmen. Über eine intensive Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, sowie neuen Ausstellungen soll die Thematik der Bevölkerung und Entscheidungsträgern näher gebracht werden. Die Auswirkungen von Lichtsmog auf unsere Umwelt, Tier- und Pflanzenwelt, sowie auf den Menschen werden ausgearbeitet. Aber auch der Verlust des dunklen Nachthimmels wird aufgezeigt. So ist bereits in unseren Kreisstädten die Beobachtung der Milchstraße schon zu einem immer selteneren Himmelschauspiel. Heutzutage stellen sich bereits die Fragen, wie stark die zunehmende Lichtverschmutzung die Sternbeobachtung im Bayerischen Wald beeinträchtigt und ob unsere Kinder und Kindeskinder noch über einen mit Sternen übersäten Nachthimmel staunen können?

Außerdem werden verschiedene öffentliche Veranstaltungen angeboten. Highlights werden verschiedene Sternbeobachtungen im Naturparkgebiet, wie auch die Beobachtung der totalen Mondfinsternis in der Nacht vom 27. Auf 28. Juli diesen Jahres sein. Große Unterstützung erfährt hier der Naturpark durch die Bayerwald Sternwarte und weiteren regionalen Interessierten, mit denen die Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt werden.

Die Auftaktveranstaltung auf der bayerischen Seite wird im Naturpark-Informationshaus in Zwiesel am Donnerstag, 1. März, stattfinden. Hierbei werden das Projekt und die Thematik näher vorgestellt, als auch die Möglichkeiten der Sternbeobachtung im Bayerischen Wald präsentiert.

Des Weiteren umfasst das Projekt die Gründung eines grenzüberschreitenden Netzwerkes von Fachinstitutionen, die sich mit der Problematik der Lichtverschmutzung beschäftigen. Als weitere Partner bindet der Naturpark Bayerischer Wald die Fachgruppe „Dark Sky“, die Vereinigung der Sternfreunde Deutschlands und zudem die Sternwarten in Ostbayerns in das Projekt mit ein. Hinzu kommen die entsprechenden Partner auf der tschechischen Seite. Der fortwährende Austausch zwischen diesen Einrichtungen mit dem Ziel die Lichtverschmutzung zu vermindern wird als Hauptaugenmerk angestrebt.

Über die Projektinhalte wird auf der Internetseite www.naturpark-bayer-wald.de/lichtverschmutzung.html und gegen Ende des Projekts eine Abschlusskonferenz informieren. Die Projektlaufzeit geht zwar nur bis Ende Januar 2019, aber ein Nachfolgeprojekt könnte sich an dieses Projekt anschließen. Das Projekt wird im Rahmen des Programm zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik – Ziel ETZ 2014-2020 - gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung realisiert.


0 Kommentare