04.06.2019, 13:58 Uhr

Woher soll sauberes Wasser kommen? PFOA und noch viel mehr: Fische der unteren Alz schwer belastet

Die Alz wirkt idyllisch. Seit PFOA ist es damit vorbei. (Foto: Christa Latta)Die Alz wirkt idyllisch. Seit PFOA ist es damit vorbei. (Foto: Christa Latta)

Landratsamt warnt vor Verzehr – untersuchte Salate, Milch, Fleisch, Honig und Eier zeigen keine auffälligen Werte

LANDKREIS. Das Landratsamt Altötting rät aktuell „vom häufigen Verzehr von Fischen aus der Alz bzw. anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs, die in der Nähe der Alz gewonnen wurden“ vorsorglich ab.

Mit dieser Warnung bezieht sich das Amt auf Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Dieses hat dem Landratsamt Altötting jüngst Untersuchungsergebnisse und Beurteilungen zu mehreren Fischproben vorgelegt, die im Dezember 2018 in der Alz an der Einleitungsstelle des Chemieparks Gendorf gefangen wurden, sowie zu Brust und Leber einer Wildente, die Ende September 2018 bei Mehring erlegt wurde.

Zwar seien die darin gefundenen PFOA- und/oder PFOS-Gehalte für die menschliche Gesundheit nicht schädlich. Allerdings wurden auch die perfluorierten Verbindungen Perfluornonansäure (PFNA), Perfluordecansäure (PFDA), Perfluorundecansäure (PFUnA) und Perfluordodecansäure (PFDDA) festgestellt. Das LGL geht davon aus, dass diese Verbindungen vergleichbare giftige Eigenschaften aufweisen wie PFOA.

Deshalb weist das Landesamt darauf hin, dass mögliche negative gesundheitliche Wirkungen durch den Verzehr der belasteten Proben nicht ausgeschlossen werden können.

Aus Sicht des Landratsamtes Altötting ist aufgrund der aktuellen Untersuchungsergebnisse damit zu rechnen, dass im Zuge der weiteren amtlichen Untersuchungen von Lebensmitteln tierischer Herkunft ebenfalls Rückstandsbelastungen mit den genannten perfluorierten Alkylsubstanzen festgestellt werden.

Nun muss jeder für sich entscheiden – vor allem betrifft dies Fischer und Jäger in dem fraglichen Gebiet – ob er Fische aus der Alz bei und nach dem Werk Gendorf oder andere Tiere, die in der Nähe der Alz gefangen werden, weiter auf dem Esstisch haben will oder nicht.

Wir haben uns beim Landratsamt erkundigt, ob auch Fleisch und Innereien von Nutztieren, wie von Schweinen, Rindern, Hühnern bzw. pflanzliche Lebensmittel aus PFOA-belasteten Gebieten im Landkreis Altötting regelmäßig untersucht werden.

Die Antwort von Pressesprecher Markus Huber: „Seit dem Jahr 2007 werden auch diese Lebensmittel auf PFOA untersucht. Seit 2017/18 wurden diese Untersuchungen auf alle perfluorierten Verbindungen ausgeweitet.“ Dabei legt das Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Zahl der Proben fest. Im Durchschnitt werden 100 Proben pro Jahr untersucht.

„Bei den untersuchten Salaten, Milch, Fleisch, Honig und Eier wurde keine Auffälligkeiten festgestellt“, so Huber. „Demnach ist für diese Lebensmittel kein Verzehrhinweis nötig.“

Auch im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits Proben genommen und untersucht. Es liegen aber noch keine Ergebnisse vor.

Am Mittwoch hatte des Wasserwirtschaftsamt Traunstein in Sachen PFOA und seine Folgen zur Vorstellung einer Studie eingeladen. Dazu waren die besorgten Bürgermeister der betroffenen Gemeinden und Städte in großer Zahl erschienen.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein stellte den Kommunen und Wasserversorgern die wesentlichen Ergebnisse seiner Studie zu Optionen der künftigen Trinkwasserversorgung im mit PFOA belasteten Gebiet des Landkreises Altötting vor.

Die Studie hat ausgelotet, woher genügend sauberes Wasser kommen könnte, um das Wasser belasteter Brunnen auf einen erträglichen PFOA-Wert mischen zu können. Das beste Wasser hätten die Österreicher zu bieten, doch ob die es hergeben, müsste erst verhandelt werden. Besorgniserregend ist die Aussicht, dass bis 2060/2065 ein PFOA-Höchstwert von 1,0 Mikrogramm pro Liter erreicht sein wird. Der aktuell einzuhaltende Leitwert liegt bei 0,1 Mikrogramm PFOA pro Liter Wasser.

Auf unsere Frage nach einer aktiven Beteiligung des PFOA-Verursachers aus dem Chemiepark Gendorf an der Studie, erklärte Walter Raith, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts: „Eine Mitwirkung des Verursachers des PFOA-Problems war weder notwendig noch fand sie statt.“ Kein Wunder, dass sich die betroffenen Kommunen vom Verursacher der ganzen Trinkwassermisere mit ihren Sorgen und finanziellen Zukunftsnöten allein gelassen fühlen.


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