28.03.2019, 11:34 Uhr

Kommentar Nur wer zahlt, tut etwas für seine Umwelt?

(Foto: isonphoto/123RF)(Foto: isonphoto/123RF)

Mein Kommentar - ausgelöst von der Burghauser Aktion „BeeGood“, bei der Bürger mit 35 Euro die Anpflanzung und Pflege einer Blühwiese unterstützen können, um auf diese Weise „wirklich“ etwas für die Umwelt zu tun - übertragbar auf alle unsere Gemeinden und Städte und den Landkreis selbst und deren aktiven Einsatz für Bienen und Umwelt

LANDKREIS ALTÖTTING. Bevor eine Stadt oder Gemeinde daran geht, Bürger mit umwelterzieherischen Maßnahmen - wie den hier von Burghausen aufgerufenen 35 Euro - zu aktiven Bienenrettern zu machen, sollte sie vielleicht selbst in Sachen Natur aktiver werden.

Jeder Bebauungsplan setzt der Bepflanzung privater Grundstücke enge Grenzen. Da werden bestimmte Sträucher vorgeschrieben und andere verboten.

Wie wäre es statt dessen mit der Bauauflage, blühende Hecken anzupflanzen statt seinen Garten mit Gabionen oder anderen Mauern dicht zu machen? Wie wäre es mit einem Verbot für den neusten Vorgartentrend, der jedes grüne Hälmchen verbannt und nur noch aus einem grau-in-grau von Pflaster, Kies und Steinen besteht? Wie wäre es mit blühenden Böschungen entlang unserer Kreisstraßen statt der dort herrschenden Verwilderung und Verkrautung?

Wie wäre es z.B. in Burghausen, wenn sämtliche Grünflächen in der Stadt – wie der Stadtpark – und auf der Burg und natürlich auch das Grün des Sankt Nimmerleins-Salzachforums in Blühwiesen verwandelt würden?

Mit einem – sicher gut gemeinten – „BeeGood“-Projekt, kann sich jeder Bürger mit 35 Euro von seiner weiteren Verantwortung für die Umwelt freikaufen. In seinem Privatgarten kann er trotzdem dafür sorgen, dass keine Biene auch nur ein Pollenkorn findet.

Einen wirklichen Fortschritt zur bloßen Unterschrift beim Bienen-Volksbegehren kann ich nicht erkennen. „BeeGood“ ist nicht mehr als ein trendiges Feigenblatt – aber von so einem Blatt kann sich ein Bienchen auch kein Pollenkügelchen abschaben.

(Erschienen im Wochenblatt Altötting vom Mittwoch, 27. März 2019)

Hier der dazugehörige Artikel im Wochenblatt inlusive Fragen an die Stadt Burghausen:

Burghauser Projekt „BeeGood“: Bürger sollen für Bienen bezahlen - Blühstreifen unterhalb der Burghauser Burg – mit 35 Euro ist jeder Bürger dabei

Burghausen. Mit der Unterschrift beim Volksbegehren Artenvielfalt haben auch viele Burghauser Bürger ein Zeichen gesetzt. Um dem Grundgedanken des Volksbegehrens Rechnung zu tragen, startet das Umweltamt Burghausen die Kampagne „BeeGood“.

Entlang der Straße unterhalb des Bergerhofgeländes soll ein 30 Meter breiter Blühstreifen entstehen und somit zu Lebensraum für Bienen und Insekten werden.

„Die Fläche wird seit über zehn Jahren bereits extensiv bewirtschaftet, das heißt keine Düngung durchgeführt. Dadurch haben die Blumensamen gute Voraussetzungen zum Keimen, denn diese mögen nährstoffarme Böden“, wie Richard Straubinger erklärt. „So werden für die Blumen bessere Voraussetzungen geschaffen.“ Auf weiteren knapp zwei Hektar wird eine Salbei-Glatthafer-Wiese angelegt.

Wenn alles gut geht, vor allem das Wetter nicht zu trocken ist, soll so ein wahres Bienenparadies entstehen, und zugleich die Spaziergänger erfreuen. Die Bienen folgen dann im April.

„Ein großes Problem der bestäubenden Insekten ist fehlender Nistplatz und ein fehlendes Nahrungsangebot. Das Anlegen eines Feldes, in dem genau dies gefördert wird, ist daher eine sehr gute Initiative“, so Burgimker Christian Müller. „Wichtig dabei ist, dass ein durchgängiges Blühangebot vom Frühjahr bis zum Herbst geschaffen wird, was allen Insekten zu Gute kommt. Die Honigbienen werden in unserer eigens konstruierten, natürlichen Bienenbehausung einquartiert.“

Bürger in Verantwortung für die Umwelt nehmen

Mit dieser Aktion möchte das Umweltamt der Stadt Burghausen jedem Bürger die Möglichkeit geben, seinen Beitrag zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu leisten, denn allein mit einer Unterschrift ist es nicht getan. Gegen einen einmaligen Beitrag von 35 Euro kann das Projekt von jedem unterstützt werden, der am Ende der Bienensaison dann auch noch etwas für sein Engagement erhält: ein persönliches Glas Honig als Dankeschön. „Denn mit Honigkauf beim Imker aus der Region fördert man am besten den Schutz der Insekten und Bienen vor Ort“, so Sarah Freudlsperger.

Wer sich an dieser Aktion beteiligen will, schreibt eine E-Mail an christina.schmid@burghausen.de oder meldet sich telefonisch bis spätestens Freitag, 12. April, unter 08677-887 308.

Wir haben nachgefragt, warum die Stadt Burghausen die Kosten nicht aus eigener Kasse stemmt und ihren Bürgern den Blühstreifen zum Geschenk macht? Dazu Sarah Freudlsperger: „Es geht bei der Aktion auch darum, jeden einzelnen Bürger mit in die Verantwortung für seine Unterschrift beim Volksbegehren und die Umwelt zu nehmen. Kostenlos würde bedeuten, dass der Einzelne nichts für eine bessere Welt tun muss. Die Ansaat ist eine Sonderleistung, das Saatgut kostet Geld, es gibt Mehraufwand an Arbeitsleistung vom Landwirt und 35 Euro sind für jeden ein leistbarer Betrag, sogar mit einem Glas Honig verbunden.“

So wird das Geld der Bürger verwendet: „Als Aufwandsentschädigung für den Imker und den Landwirt, da es sich bei den Blühstreifen um Zusatzleistungen handelt. Das Geld kann zukünftig auch dazu verwendet werden, weitere Blühstreifen bei konventionellen Landwirten umzusetzen, die Randstreifen ihrer Äcker zur Verfügung stellen. Erste Anfragen hierzu bestehen bereits.“ (cl/Stadt Burghausen)


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