22.12.2012, 12:08 Uhr

Politik Krude Politik: Piraten fordern Thematisierung von Internet-Pornos in Schulen

Foto: Stefan SußbauerFoto: Stefan Sußbauer

Das ist Demokratie, dass es ächzt und kracht: Die bayerischen Piraten diskutieren über ihre Abstimmungs-Software Liquid Feedback ein heißes Thema. Ein Antrag schlägt vor, Internet-Pornos in Schulen zu thematisieren.

REGENSBURG _25 MÜNCHEN Die Piratenpartei galt lange als Schrecken der etablierten Parteienlandschaft, doch immer deutlicher wird nun, dass man mit Basisdemokratie auch recht viel Unsinn diskutieren kann. Ein Beispiel dürfte für Zündstoff sorgen: Die bayerischen Piraten diskutieren einen Antrag, wonach zukünftig im Sexualkundeunterricht in Schulen über das Thema Internet-Pornographie gesprochen werden soll. Das Argument: Immer mehr Jugendliche würden ohnehin Pornos gucken.

Der Antrag soll nun in der Software Liquid Feedback diskutiert werden, mittels der die Piraten ihre Entscheidungen basisdemokratisch legitimieren. Allerdings haben sich noch keine Pro- und Kontra-Argumente auf der dafür eingestellten Internet-Seite gefunden.

Der Antrag im Wortlaut:

"Der Sexualkundeunterricht in den weiterführenden Schulen Bayerns ist an die heutige Zeit anzupassen und den zuständigen Lehrenden Materialien und Diskussionsgrundlagen an die Hand zu geben, die sie zu einem modernen und aufgeklärten Sexualkundeunterricht befähigen.

Lehrer_innen in Bayern bemängeln, dass der Lehrplan für Sexualkundeunterricht an bayerischen weiterführenden Schulen das Themenfeld der Internetpornografie außen vor lässt. Gleichzeitig fühlen sich aber hinreichend viele Schüler_innen außerhalb des Unterrichts mit diesem Material konfrontiert und werden so mit ihren Eindrücken allein gelassen. Lehrende sehen sich zur Zeit außerstande, das Thema adäquat in ihrem Unterricht zu adressieren. Diesem Misstand muss Abhilfe geschaffen werden.

Unterrichtsmaterial

Die Piratenpartei Bayern fordert, zeitgemäßes Unterrichtsmaterial zum Thema Pornografie und Internetpornografie in den Sexualkundeunterricht an bayerischen weiterführenden Schulen aufzunehmen. Dieses Unterrichtsmaterial soll unter anderem schriftliches und visuelles Material beinhalten, das die Produktionsbedingungen, rezeptiven Codes und Bedeutungen von Pornografie erläutert. Beispielhaft seien hier Filmdokumentationen über die amerikanische Pornoindustrie genannt, die sich mit dem Themenkomplex durchaus kritisch beschäftigen, indem sie die verschiedenen Seiten der Pornografieproduktion und des -konsums betrachten und in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang stellen.

Rechtliche Situation

Durch die besondere Bildungssituation im Themenkomplex Pornografie im Rahmen des Sexualkundeunterrichts muss es zumindest in eingeschränktem Maße möglich sein, FSK16 oder FSK18 Bilder und audiovisuelle Medien auch mit minderjährigen Schüler_innen gemeinsam zu sichten. Damit sind explizit keine Primärquellen gemeint, sondern kontextgebende, einordnende Film- und Bilddokumente, die sich kritisch mit den Entstehungsbedingungen von Pornografie, sowie dem in Pornos propagierten Bild von Sexualität und dem damit verbundenen Menschenbild und Geschlechterrollen auseinandersetzen. Die Sichtung erfolgt auf dem Prinzip der Freiwilligkeit, der Sexualkundeunterricht an sich soll jedoch verbindlich für jede_n Schüler_in sein. Weiterbildung

Die Piratenpartei Bayern fordert die fortlaufende Weiterbildung desjenigen Lehrpersonals an weiterführenden Schulen in Bayern, das den Sexualkundeunterricht an diesen Schulen übernimmt. Falls die weiterführende Schule diesen Aspekt des fächerübergreifenden Unterrichts an externes Fachpersonal auslagern möchte, sollte das im Rahmen einer Qualitätssicherung des Unterrichts möglich gemacht werden. Das Lehrmaterial muss an die Realität der Schüler_innen angepasst und die Lehrenden auf ihre Aufgaben adäquat vorbereitet werden, damit sie Diskussionen über das Thema Pornografie und Internetpornografie mit Souveränität und Sicherheit führen können und die Schüler_innen sich in ihren Themen ernstgenommen und aufgeklärt fühlen. Die Weiterbildung darf intern oder durch freie Träger durchgeführt werden und ist mindestens einmal im Schuljahr zu absolvieren. Externes Fachpersonal muss ebenfalls über die Erfahrung dieser Weiterbildungen verfügen, um für den Sexualkundeunterricht an weiterführenden Schulen in Betracht gezogen zu werden. Kooperation mit freien Trägern

Um die Erstellung von zeitgemäßem Unterrichtsmaterial und die qualifizierte Weiterbildung des bayerischen Lehrpersonals zeitnah und hochwertig in die Wege zu leiten, erscheint es jedenfalls zielführend, auf das Wissen freier Träger wie beispielsweise pro familia zurückzugreifen. Eine hohe Qualität der Materialien und eine Aktualität der Weiterbildung muss hierbei jedoch gewährleistet sein.

Mitbestimmung der Schüler_innen

Die Schüler_innen sollen in der Frage, wer ihnen den Sexualkundeunterricht vermittelt, mitbestimmen dürfen. Nicht immer sind Biologie-Lehrer_innen geeignet, dieses sensible Thema souverän zu vermitteln - in manchen Fällen böte sich beispielsweise ein_e Vertrauenslehrer_in eher an. In den Gremien der Schülervertretung soll deshalb regelmäßig darüber abgestimmt werden, welche_r Lehrer_in den Sexualkundeunterricht an der Schule halten oder ob das Thema lieber externen Expert_innen anvertraut werden soll. Das Gremium der Schülervertretung wacht zudem darüber, ob der Sexualkundeunterricht tatsächlich in dem im Lehrplan festgelegten Rahmen stattfindet und darf das Lehrerkollegium im Falle einer Versäumnis ermahnen.

Die Kosten der Weiterbildung des ausgewählten Lehrpersonals und die Kostenübernahme des externen Personals sind unter keinen Umständen auf die Schüler_innen umzulegen!"


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