24.06.2016, 13:16 Uhr

"Bau- und brandschutzrechtliche Mängel" Verantwortlicher der Baufirma und ein Mitarbeiter sollen Asylunterkunft in Vorra angezündet haben

Wie berichtet, brannte es vor annähernd eineinhalb Jahren (Donnerstagnacht 11. Dezember 2014) in Vorra (Landkreis Nürnberger Land) in drei unbewohnten Gebäuden, die als Asylbewerberunterkunft vorgesehen waren. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Zwei Tatverdächtige sitzen seit Donnerstag, 23. Juni, in Untersuchungshaft. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund liegen bislang nicht vor.

VORRA/LANDKREIS NÜRNBERGER LAND Gegen 22.45 Uhr hatte eine Anwohnerin eines benachbarten Gebäudes den Brand bemerkt und über Notruf die Rettungskräfte alarmiert. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund eine Million Euro. Das Polizeipräsidium Mittelfranken gründete unmittelbar nach der Tat, in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, die Sonderkommission (Soko) "Vorra", (in der Hochphase mit über 30 Personen) da die kriminalpolizeilichen Ermittler aufgrund der Tatumstände (Brandausbruch an drei verschiedenen Örtlichkeiten und fremdenfeindliche Schmierereien an einem Gebäude) von einer vorsätzlichen Brandstiftung ausgingen. Unterstützung erhielten die Ermittler von Experten und Brandsachverständigen des Bayerischen Landeskriminalamts und des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz.

171 Spurenkomplexe mit rund 1.000 Einzelspuren

Im Rahmen der intensiven und akribischen Ermittlungen wurden circa 1.320 Vernehmungen/Befragungen durchgeführt. Aus der Bevölkerung gingen nach mehreren Fahndungsaufrufen 79 Hinweise ein, die die Ermittlungen unterstützten. Insgesamt wurden 171 Spurenkomplexe mit rund 1.000 Einzelspuren angelegt und überprüft. Zahlreiche Spezialkräfte (wie zum Beispiel LKA-Brandsachverständige, Hunde mit spezieller Ausbildung, Taucher der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Beamte der Operativen Fallanalyse, die Hinweise zur Tathypothese liefern) wurden hinzugezogen.

Ein Beamter der Soko "Vorra" war über mehrere Wochen direkter Ansprechpartner im Rathaus vor Ort, um persönlich Hinweise entgegen nehmen zu können. Zusätzlich war am Rathaus ein Briefkasten für anonyme Hinweise angebracht und rund um die Uhr ein Hinweistelefon eingerichtet. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung der oder des Täters führen, war eine Belohnung in Höhe von 20.000 Euro, davon 15.000 Euro von privater Seite, ausgesetzt. Mithilfe eines Zeugen, der am Tattag, kurz vor Brandausbruch eine männliche Person aus einem der Brandobjekte kommen sah, erstellten die Ermittler ein Phantombild. Ende 2015 überprüften bislang noch nicht in die Ermittlungen eingebundene Beamte nochmals parallel alle Spurenkomplexe und Tathypothesen.

Unüberbrückbare bau- und brandschutzrechtliche Mängel

Nach umfangreicher akribischer Ermittlungsarbeit gelang es der Soko "Vorra" in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, zwei Männer (42 und 50 Jahre mit Migrationshintergrund) als der Brandstiftung dringend tatverdächtig zu ermitteln. Im Rahmen der kriminalpolizeilichen Ermittlungen war bekannt geworden, dass bei der Renovierung der als Flüchtlingsunterkünfte vorgesehenen Gebäude unüberbrückbare bau- und brandschutzrechtliche Mängel vorhanden waren, die eine Abnahme durch die Regierung von Mittelfranken und eine fristgerechte Inbetriebnahme unmöglich gemacht hätten. Die Mängel waren Ende November/Anfang Dezember 2014 bei einer Baubegehung von einem Brandschutzsachverständigen festgestellt worden. Bis zur Fristsetzung Mitte Dezember 2014 hätten diese Mängel nicht beseitigt werden können. Somit wären Zusatzkosten für die Baufirma in Höhe von mehreren 100.000 Euro angefallen.

Ende April 2016 äußerte sich ein Zeuge gegenüber Beamten der Soko "Vorra" und untermauerte mit seinen Angaben den bereits bestehenden Tatverdacht gegen einen Verantwortlichen der Baufirma und einen Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth beantragte daraufhin Haftbefehl gegen die beiden 42 und 50 Jahre alten Männer wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Die Haftbefehle wurden am 23. Juni vollzogen und die beiden Beschuldigten dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg überstellt. Seither sitzen beide in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Weitere Presseauskünfte erteilt die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.


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