07.08.2015, 12:21 Uhr

Bibeltreu Bischof bringt Todesstrafe für Homosexuelle ins Spiel – doch wie sollen sie sterben?

Bischof Vitus Huonder von Chur Foto: Bistum ChurBischof Vitus Huonder von Chur Foto: Bistum Chur

Der Bischof von Chur (Schweiz) hat auf einer Tagung in Fulda die Bibel zitiert und indirekt die Tötung von Homosexuellen legitimiert. Wir haben in der Bibel nachgelesen – und unsere Lieblingsstellen machen deutlich, dass von Inzest bis Vergewaltigung allerlei erlaubt ist, solange es nicht mit dem gleichen Geschlecht erfolgt.

CHUR_25FULDA Bischof Vitus Huonder hat sein größtmögliches Bedauern ausgesprochen. Nicht etwa, weil er indirekt auf die Bibel verwies, in der Homosexuelle etwa im Alten Testament mit der Todesstrafe bedroht sind (zumindest, wenn man davon ausgeht, dass gleichgeschlechtliche Liebe an diesen Stellen überhaupt gemeint ist). Sondern vielmehr, weil ihn einige Medien angeblich falsch verstanden haben.

Wörtlich erklärte der Bischof von Chur nun: „Ich bedaure, wenn mein 50minütiger Vortrag in Fulda vom 2. August 2015, der sich mit den biblischen Grundlagen zu Ehe und Familie beschäftigt, in den Medien vereinzelt als Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden wurde. So war es nicht gemeint. Ich zitiere im Vortrag mehrere unbequeme Passagen aus dem Alten Testament, die generell die Ehe, die Sexualität oder die Familie betreffen.“ 

Der Bischof wolle klarstellen, „dass ich mit dem Vortrag, dessen Hauptthema die Ehe aus christlicher Sicht ist, in keiner Weise homosexuelle Menschen herabsetzen wollte und dass ich, wenn es um Homosexualität geht, ganz beim Katechismus der katholischen Kirche stehe.“ Unter anderem heißt es da sinngemäß, man dürfe schon schwul oder lesbisch sein, nur sollte man dann keinen Sex haben: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“

Grundlegend sind wir der Überzeugung, dass die Bibel ein unermesslicher Schatz an Regeln und Geboten ist, dem sich auch der moderne Mensch, dessen Vorfahren die Aufklärung mühsam hinter sich gebracht haben, tunlichst halten sollte. Und so möchten wir, ganz im Einvernehmen mit dem Bischof von Chur, unsere Lieblingsstellen aus der Bibel zitieren, die einem Richtschnur sein können.

So heißt es im 1. Buch Mose (19,31 ff.), dass Inzest ein gangbarer Weg ist, sollte die eigene Sippe auszusterben drohen:

„Da sprach die ältere zu der jüngeren: Unser Vater ist alt, und kein Mann ist mehr im Lande, der zu uns eingehen könne nach aller Welt Weise. So komm, laß uns unserem Vater Wein zu trinken geben und uns zu ihm legen, daß wir Nachkommen schaffen von unserem Vater. Da gaben sie ihrem Vater Wein zu trinken in derselben Nacht. Und die erste ging hinein und legte sich zu ihrem Vater; und er ward's nicht gewahr, als sie sich legte noch als sie aufstand. Am Morgen sprach die ältere zu der jüngeren: Siehe, ich habe gestern bei meinem Vater gelegen. Laß uns ihm auch diese Nacht Wein zu trinken geben, daß du hineingehst und dich zu ihm legst, damit wir uns Nachkommen schaffen von unserm Vater. Da gaben sie ihrem Vater auch diese Nacht Wein zu trinken. Und die jüngere machte sich auch auf und legte sich zu ihm; und er ward's nicht gewahr, als sie sich legte und noch als sie aufstand.“

Auch eine Prostituierte zu besuchen, ist offenbar überhaupt kein Problem:

„Simson ging nach Gaza und sah dort eine Hure und ging zu ihr“, heißt es hierzu lapidar im Buch der Richter (16,1).

Überhaupt sollte man mit Frauen nicht sonderlich zimperlich umgehen: „Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase“, heißt es im Buch der Sprüche (11,22). Denn überhaupt: „Wer Zucht liebt, der wird klug; aber wer Zurechtweisung hasst, der bleibt dumm.“ (Spr 12,1).

Nicht gerade zimperlich geht die Bibel auch mit dem Thema Vergewaltigung um. Hier heißt es in Samuel 12,11 f.: „Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, daß er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.“

Inzest, gepaart mit Vergewaltigung ist auch ein Motiv, das der Bibel nicht fremd ist: „Komm meine Schwester, lege dich zu mir! (...) Aber er wollte nicht auf sie hören und ergriff sie und überwältigte sie und wohnte ihr bei.“ Und wiederum bei Moses bietet Lot seine Töchter zur Vergewaltigung an (1. Mose 19,8): „Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch nichts von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter den Schatten meines Dachs gekommen.“

Insofern können wir nicht ganz nachvollziehen, warum der Bischof von Chur nun bedauert, dass ihn die Medien angeblich falsch verstanden haben. Denn die Bibel, auf die sich der Oberhirte ja bezieht, ist da schon relativ eindeutig. Die Stelle, die Huonder zitierte, lässt da auch überhaupt keinen Zweifel:

„Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einer Frau liegt, so haben beide einen Gräuel verübt; sie sollen gewißlich getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.“ (2. Mose 20, 12). Wörtlich hatte das der Bischof so interpretiert: "Die beiden Stellen allein würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben."

Nun können sich lesbisch liebende Frauen also glücklich schätzen, denn die Bibel ignoriert sie schlichtweg – sie können also weiter in Unzucht verharren. Bei den Männern aber stellt sich jetzt eine ziemlich unappetitliche Frage: Wie sollen sie eigentlich sterben? Die Steinigung, bevorzugte Lynch-Methode im Alten Testament, ist ja gerade in unseren Breiten etwas außer Mode gekommen. Vielleicht sollte man sich aufmachen ins Bistum Chur, dort gibt es einen Bischof, der ist so bibelfest, der weiß bestimmt noch, wie das geht …

Als Quelle haben wir unter anderem verwendet: http://www.unmoralische.de/bibellex.htm


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