13.12.2016, 13:36 Uhr

„Ist ja alles halb so schlimm" Schwangerschaft und Alkohol: Frauen mit hohem Bildungsstatus sündigen öfter

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Ein Gläschen Sekt, ein Bier, Glühwein ... In der Vorweihnachtszeit gehört der Alkohol für viele dazu. Die KKH warnt vor den Folgen von Alkoholgenuss während der Schwangerschaft. Statistiken zufolge neigen gerade Frauen mit höherem Bildungs- und Sozialstatus dazu, zu sündigen.

DEUTSCHLAND Weihnachten, Sylvester, Neujahr – die Festtage sind auch die Zeit alkoholischer Getränke: der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Bier & Korn zur Bratwurst mit Kartoffelsalat an Heilig Abend, ein trockener Rotwein zum Festtagsbraten an den Weihnachtstagen und natürlich das Glas Sekt, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen. Genau hier lauert die Gefahr für das Ungeborene im Mutterleib: die Fetale Alkoholspektrums-Störung, kurz auch FASD genannt (aus dem Englischen Fetal Alcohol Spectrum Disorder). FASD ist die häufigste Ursache für geistige Behinderung und tritt damit beispielsweise doppelt so häufig wie das Down-Syndrom auf.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen jährlich 10.000 Neugeborene mit Alkoholschäden zur Welt. Die Dunkelziffer wird auf weitere 11.000 bis 16.000 geschätzt. Bei der KKH wurden 155 Fälle von FASD im Jahr 2014 registriert. Das sind 71 Fälle mehr als noch 2010, also ein Plus von rund 85 Prozent innerhalb eines Fünf-Jahreszeitraumes.

Bemerkenswert: Probleme mit Rauchen und Alkohol spielen häufig in sozial schlechter gestellten Schichten eine größere Rolle. Doch laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen Studien, dass werdende Mütter mit einem höheren Bildungs- und Sozialstatus signifikant eher dazu neigen, gelegentlich Alkohol zu trinken und den Alkoholkonsum in allen Stadien der Schwangerschaft zu verharmlosen.

„Alkohol passiert die Plazenta ungehindert, so dass der Embryo oder Fötus den gleichen Alkoholpegel wie seine Mutter aufweist“, warnt Manuela Marte-Strauß vom Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Landshut. „Im Klartext heißt das: Während die werdende Mutter von einem Glas Sekt noch nicht einmal einen Schwips bekommt, kann das Ungeborene schon einen Vollrausch haben, der die kindliche Entwicklung bereits empfindlich stören kann.“

Die Liste der alkoholbedingten Folgen ist erschreckend: Fehlbildungen am Skelett und an den Organen, Herzfehler, Wachstums-, Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen, häufig eine verminderte Intelligenz bis hin zu lebenslanger körperlicher und geistiger Schwerbehinderung. „Hinter FASD lauert ein ganzer Katalog von Schäden, die durch Alkoholkonsum beim Ungeborenen verursacht werden“, resümiert Marte-Strauß. „Während der Schwangerschaft also Hände weg vom Alkohol, egal in welcher Form und wie verlockend und verführerisch der Anlass – besonders in der Weihnachtszeit – auch sein mag.“

Für Betroffene und Interessierte hält die KKH zahlreiche Hilfen und Angebote für den Umgang mit Alkohol bereit: Die Online-Suchtberatung in Kooperation mit der Caritas, den ‚Clever-weniger-trinken-Coach‘ in Zusammenarbeit mit der Leuphana-Universität Lüneburg sowie informative Broschüren rund um Alkoholkonsum und -sucht. Alles zu finden unter www.kkh.de/alkohol.


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