28.09.2019, 11:00 Uhr

Ex-VfB-Spielerin übernimmt Ruder Silke Raml an der Spitze des DFB-Frauenfußballausschusses

(Foto: BFV)(Foto: BFV)

Die Delegierten des 43. Ordentlichen DFB-Bundestages haben BFV-Vizepräsidentin Silke Raml in Frankfurt am Main zur Vorsitzenden des Frauen- und Mädchenfußball-Ausschusses gewählt.

FRANKFURT/NIEDERBAYERN Als aktive Fußballerin und Mittelfeldstrategin des VfB Straubing war Silke Raml (44) entscheidend am Gewinn der niederbayerischen Meisterschaft 2009 und dem Landesliga-Aufstieg beteiligt, gewann später auch als „Hobby-Spielerin“ mit ihrem Klub die niederbayerische Ü30-Meisterschaft (2009 und 2010) wie auch die bayerische Ü30-Meisterschaft 2011. Als Trainerin führte sie den VfB Straubing 2011 sogar bis in die Bayernliga, ehe sie im November 2011 der Dreifachbelastung aus Beruf, der bereits 2006 begonnenen BFV-Funktionärslaufbahn und dem Traineramt Tribut zollen musste und sich zum Leidwesen vieler Wegbegleiter aus dem Trainergeschäft zurückzog. Silke Raml ist seit 2014 Vizepräsidentin des Bayerischen Fußball-Verbandes und war sowohl 2015 als auch 2019 OK-Chefin der Fußballiade in Landshut, dem größten Amateurfußball-Festival Deutschlands mit zuletzt über 50.000 Besuchern in der Niederbayern-Metropole. Ihre ehrenamtliche Karriere beim BFV startete sie 2006 im Kreis Bayerwald als Beauftragte für den Frauen- und Mädchenfußball. Nach zwei Jahren Basisarbeit übernahm sie den Vorsitz des Frauen- und Mädchenausschusses des Bezirkes Niederbayern. Zugleich war sie auf Verbandsebene im Frauen- und Mädchenausschuss als Beisitzerin tätig. Nach vier Jahren wurde sie 2012 vom BFV-Vorstand zur Vorsitzenden des Verbands-Frauen- und Mädchenausschusses in Bayern berufen. Seit 2013 ist sie zudem im Ausschuss Frauen- und Mädchenfußball des DFB aktiv.

Im Interview spricht Silke Raml über die Ziele, die sie in ihrer neuen Funktion erreichen möchte:

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl an die Spitze des DFB-Frauen- und Mädchenausschusses sowie einem tollen Ergebnis!

Silke Raml: Vielen Dank. Dieses Ergebnis macht den Start für mich sicherlich einfacher, denn die Herausforderungen sind groß. Es bedarf umfassender Maßnahmen, um den Frauen- und Mädchenfußball hierzulande weiter zu etablieren, ja, ich sage sogar: Wir haben ganz viele Hausaufgaben zu machen, dabei müssen wir aber die Welt nicht auf den Kopf stellen. Denn international tut sich bereits einiges, England beispielsweise ist ein Paradebeispiel. Dort tragen die Profiklubs der Premier League mit ihrem Engagement zu großen Teilen bei, dass der Stellenwert auf der Insel mittlerweile ein ganz anderer ist – und diese Botschaft erreicht auch die Basis. Das ist das beste Beispiel dafür, was es bewirken kann, wenn sich namhafte Klubs zusammen mit den Organisatoren der Liga zusammentun. Das ist aber nur ein Ansatz. Und dem hat der Bundestag mit einem eigenen Ausschuss für die Frauen-Bundesliga auch Rechnung getragen. Die Verzahnung und das gegenseitige Zusammenarbeiten der beiden Ausschüsse gemeinsam mit dem DFB-Präsidium wird entscheidend sein. Wir können die unterschiedlichen Bedürfnisse noch schärfer fokussieren, das wird letztlich dann alles auf die Fortentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs in Deutschland einzahlen.

Sie waren bereits seit 2013 im DFB-Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball, jetzt sind Sie selbst zur Vorsitzenden gewählt worden. Was wird sich ändern?

Raml: Es geht darum, alle Fäden aufzugreifen, die bei mir logischerweise zusammenlaufen werden – dabei gilt unser Blick der Basis, also den Amateurvereinen. Was können wir verbessern, wo müssen wir anpacken, welche flächendeckende Programme legen wir auf, was hilft den Ehrenamtlichen vor Ort, was braucht es besonders im weiblichen Bereich? Die entsprechenden Programme und Ansätze hat der Bundestag hier in Frankfurt jetzt auch beschlossen. Das ist ein gutes Signal. Diese Eckpunkte müssen wir jetzt mit aller Konsequenz mit Leben füllen und damit dem Frauen- und Mädchenfußball eine wirkungsvolle Zukunft ermöglichen. Diesen Anspruch habe ich an mich selbst. Das wird sehr arbeitsintensiv werden, aber ich habe mir das sehr reiflich überlegt. Ich komme selbst aus dem Fußball, weiß, wo der Schuh ganz unten drückt. Den Trend umzukehren und unseren Fußball weiter zu etablieren, darum geht es und dazu braucht es eine Geschlossenheit, den ehrlichen Willen aller – das beginnt im DFB-Präsidium und innerhalb der Bundesliga, auch die Politik nehme ich da nicht aus.

Was kann denn die Politik tun?

Raml: Da reicht der Blick nach München, um ein gutes aktuelles Beispiel zu nennen. Dort gibt es zu wenige Kapazitäten für den Amateurfußball, Trainings- und Spielzeiten sind für alle rar. Aber wer waren die ersten Teams, die dabei weitgehend leer ausgegangen sind? Ja, die Frauen- und Mädchenmannschaften, die von Haus aus in der Regel deutlich weniger Spielerinnen haben. Aber wie willst Du was aufbauen, wenn Du dazu nicht mal einen Platz hast? In München reagiert die Politik darauf, wird 35 neue Plätze im Stadtgebiet bauen, dazu Schulsportanlagen für den Vereinsfußball ertüchtigen und zusammen mit dem BFV einen Fußball-Koordinator installieren, der sich vorrangig darum kümmert, dass die Mädchen und Frauen besondere Berücksichtigung finden. Dazu geht es um die Ausbildung von Trainern und die Unterstützung von Ehrenamtlichen, neue Teams aus dem Boden zu stampfen. Das ist nur ein Beispiel, aber ein sehr gutes und eines, das umgesetzt wird. Anpacken ist gefragt.

Was wollen Sie zuvorderst anpacken?

Raml: In einer vom digitalen Wandel geprägten Gesellschaft verändern sich die Rahmenbedingungen für Vereine und Verbände. Wir müssen uns an den Menschen und ihren geänderten Lebenssituationen orientieren, andere Zugänge zu den Mädchen und Frauen finden, flexibler agieren und Angebote in dieser Richtung bieten. Diese Herausforderung gilt es zu meistern, um wieder mehr Mädchen zum Fußball zu bringen. Wir haben eine verdammt coole Sportart, die aber nicht in letzter Konsequenz als solche wahrgenommen wird. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, dass auf allen Ebenen erfolgreich Sport getrieben werden kann – von den Weltmeisterinnen bis zum kleinen Mädchen. Dies setzt ein vernetztes Agieren von der Spitze bis in die Breite voraus. Hier gilt es, angefangen von der DFB-Spitze, über die Regional- und Landesverbände bis hin zu den Vereinen, alle in ein Boot zu bekommen, um die Präsenz des Frauen- und Mädchenfußball wieder zu erhöhen.

Gibt es konkrete Ziele?

Raml: Die Anzahl an fußballspielenden Frauen und Mädchen in den nächsten drei Jahren kontinuierlich steigern und ein Selbstverständnis für Frauen- und Mädchenfußball in den Vereinen, in den Medien und in der Öffentlichkeit fest zu verankern.


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