10.06.2020, 15:05 Uhr

Verletzungsgefahr für Hobbysportler steigt nach der Corona-Zwangspause

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Seit Montag, 8. Juni, dürfen wieder bis zu 20 Personen im Freien gemeinsam trainieren – auch die Fitnessstudios haben wieder geöffnet.

Regensburg. „Wer nach der langen Corona-Zwangspause wieder ins Training startet, sollte es langsam angehen lassen. Sonst drohen Verletzungen“, sagt Prof. Dr. Johannes Zellner, selbst passionierter Sportler und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef.

„Bereits nach etwa zwei Wochen baut der Körper ungenutzte Muskelmasse ab. Auch die Ausdauer lässt untrainiert schnell nach“, weiß Prof. Zellner. Grundsätzlich gelte: „Je länger die Trainingspause, umso vorsichtiger sollte der Wiedereinstieg sein. Man sollte dem Körper Zeit geben, sich wieder ans Training zu gewöhnen.“ Wer zu schnell einsteigt, gefährdet vor allem Muskeln und Bänder, die während einer Trainingspause an Elastizität verlieren und damit anfälliger für Verletzungen werden. Außerdem muss sich der Körper erst wieder an andere Bewegungsmuster gewöhnen. Ein ausreichender Zeitraum bis zur Intensität der sportlichen Tätigkeit unter wettkampfähnlichen Bedingungen sollte eingeplant werden.

Um Verletzungen zu vermeiden, ist neben einem langsamen Trainingseinstieg ein intensives Aufwärmtraining unerlässlich. Prof. Zellner hat hier einen speziellen Tipp: „Die FIFA hat ein Programm zum Aufwärmen und zur Verletzungsprophylaxe entwickelt, das nicht nur Fußballern dabei helfen kann, möglichst verletzungsfrei zu bleiben. Es ist unter dem Titel „11+“ ganz einfach online abrufbar.“ Von Laufübungen wie kurzen Sprints und Seitgalopp bis zu Kraftübungen wie Unterarmstütz und Kreuzsprüngen finden Sportler hier eine breite Auswahl an Übungsmöglichkeiten. Allerdings können wegen der geltenden Hygiene-Richtlinien nicht alle Übungen eins zu eins eingesetzt werden.

Mit der FIFA verbindet Prof. Zellner eine ganz besondere Verbindung. Er ist Mitglied im FIFA Medical Center of Excellence Regensburg, einem von weltweit nur wenigen, von der FIFA ernannten, Forschungszentren für Sportmedizin. Dort beschäftigen er und seine Kollegen sich mit Problemen der Fußballmedizin und versuchen, durch Studien Verletzungsrisiken zu minimieren und vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln.

Schnelle Hilfe mit der PECH-Regel

Doch was, wenn man das Training dennoch zu schnell angegangen ist, oder es einfach durch ein Ungeschick zu einer Verletzung kommt? Auch hier weiß der Unfallchirurg Rat. Schließlich kennt er Sportverletzungen aus seiner täglichen Praxis. „Wenn sich Hobbysportler verletzen, kann eine kompetente Erstversorgung viel dazu beitragen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, sollte die so genannte PECH-Regel angewandt werden.“ Hinter den vier Buchstaben verbergen sich die Wörter „Pause, Eis, Compression und Hochlagern“.

Pause bedeutet, das betroffene Körperteil so schnell wie möglich ruhigzustellen. Anschließend die Verletzung mit Eis kühlen, damit das betroffene Gewebe nicht zu stark anschwillt. Außerdem kann Kälte die Schmerzen lindern. „Bitte das Eis nicht direkt auf die Haut legen, sondern die betroffene Stelle – beispielsweise mit einem Handtuch – abdecken. Andernfalls drohen Erfrierungen“, warnt Prof. Zellner.

Das Anlegen eines festen Verbandes ist der nächste Schritt. Durch die Compression können große Blutergüsse vermieden werden. Das H für Hochlagern erklärt sich fast von selbst: die betroffene Stelle sollte hochgelagert werden. „Dadurch reduziert sich die Blutzufuhr und die Flüssigkeit aus den umliegenden Gefäßen kann schnell abtransportiert werden. Das verringert die Schwellung und die damit verbundenen Schmerzen“, erklärt der Spezialist. Bei anhaltenden Schmerzen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Angst, wieder mit dem Training anzufangen, muss laut Prof. Zellner niemand haben: „Lassen Sie es einfach ruhig angehen. Denn jede Art von Bewegung ist besser als keine Bewegung!“


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