28.04.2019, 21:37 Uhr

Wettkampf in Düsseldorf Anja Scherl holt sich bei der Marathon-DM ihren ersten Einzeltitel

(Foto: alexmaster/123rf.com)(Foto: alexmaster/123rf.com)

In einer Nacht- und Nebelaktion, praktisch undercover, schmuggelte sich Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg) am Vorabend der Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf mit ihrer Nachmeldung ins Marathon-Starterfeld.

REGENSBURG „Die Chance auf Einzelgold war einmalig, meine Beine nach fast dreiwöchiger Regeneration und ein bisschen Laufen waren frei, den Titel wollte ich unbedingt haben“, erklärte sie nach dem gelungenen Coup allen, die wissen wollten, warum sie schon wieder drei Wochen nach dem Marathon in Hannover, den sie ähnlich schnell wie jetzt bei der DM beendet hatte, über diese Distanz gehen hatte wollen. Für die stets zurückhaltende und stille Läuferin war jene Undercover-Aktion in 2:32:54 Stunden wohl genau das Rezept für den Gesamtsieg in Düsseldorf, garniert mit einem zweiten Titel in der Teamwertung. Den machten dann in 8:20:53 Stunden die DM-Siebte Mikki Heiß mit ihren 2:48:04 Stunden und Eva Haberl mit 2:59:48h klar mit einem satten Vorsprung von über 42 Minuten (!) auf die Zweiten vom LAC Olympia 88 Berlin.

Bis Kilometer 24 blieb Anja Scherl hinter Vorausfavoritin Anna Hahner (SCC Berlin), zog dann scharf an und nahm ihrer Olympiakollegin von 2016 noch über drei Minuten ab. Im Ziel quittierte sie ihren Triumpf mit hochgerissenen Armen und einem Kniefall auf dem roten Teppich. Da wusste sie noch nicht, dass es Doppelgold werden sollte, weil die LG-Dienstälteste Mikki Heiß 21 Jahre nach ihrem ersten DM-Teamgold für Regensburg hier am Rhein mit 2:48:04 Stunden sogar ein bisschen schneller war als damals in Frankfurt und auch W35-Läuferin Eva Haberl trotz extremer Wadenbeschwerden mit 2:59:48 Stunden noch unter den angestrebten drei Stunden bleiben konnte. Für Mikki Heiß kam noch W45-Silber in der Altersklassenwertung dazu, für Eva Haberl Platz drei in der W35. Vom Scherl-Coup wusste ihm Vorfeld niemand Bescheid. Lediglich LG-Teamchef Kurt Ring wurde von Ehemann und Trainer Marco Scherl eingeweiht, aber zur absoluten Verschwiegenheit verdonnert. Anja Scherl absolvierte eine schnellere zweite Rennhälfte und überholte auf dem letzten Kilometer sogar die eigentlich schon enteilte Hiruni Wijayaratne (2:34:10 Stunden) aus Sri Lanka. Damit holte sie sich wie Männer Sieger Tom Gröschel (TC Fiko Rostock – 2:13:49 Stunden) zusätzlich zu DM-Gold auch den Gesamtsieg in Düsseldorf.

In Hamburg, beim gleichzeitig stattfindenden Haspa-Marathon, gab Thea Heim (LG Telis Finanz Regensburg) ein bemerkenswertes Debüt. Die Deutsche Vizemeisterin im Halbmarathon lief nach 2:36:10 Stunden auf Platz 15 der Gesamtwertung ins Ziel. Bester deutscher Läufer war Frank Schauer (Tangermünder Elbdeichmarathon), der auf Rang 26 eine Zeit von 2:16:55 Stunden erreichte. Der 30-Jährige, der sich im März in einem Trainingslager in Potchefstroom (Südafrika) auf den Hamburg Marathon vorbereitet hatte, blieb damit 25 Sekunden über seiner Bestmarke, die er 2017 in Frankfurt erzielt hatte. Heims Teamkollegin Anna Plinke hatte sich für ihr Hamburger Unternehmen mit Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) ihre langjährige Laufkollegin Corinna Harrer als Tempomacherin ausgesucht, die im Vorfeld noch nicht so genau wusste, ob ihr Marathondebüt auch wirklich im Ziel enden würde. Beide hielten sich glänzend: Anna Plinke steigerte ihre bisherige Bestleistung um über drei Minuten auf ausgezeichnete 2:46:54 Stunden. Ihr permanenter „Schatten“ über die etwas mehr als vierzig Kilometer, Coco Harrer, debütierte mit der gleichen Zeit. Als Regensburger Team waren die drei Domstädterinnen sogar noch einmal circa zehn Minuten schneller als das Telis-Gold-Trio in Düsseldorf.


0 Kommentare