06.11.2019, 15:37 Uhr

Astrid & Calimero Aus den Losern vom Hundeplatz wurde ein bärenstarkes Team


Astrid Sperlich aus Ampfing hat ihr Hobby Mantrailing zum Beruf gemacht.

AMPFING. Husky Calimero sitzt am Ausgang des Ampfinger Bahnhofparkplatzes, er trägt ein Geschirr in Signalfarben, seine leuchtend gelbe Leine ist aufgerollt in der Hand von Astrid Sperlich. Sie präsentiert ihrem Hund ein Lederarmband der gesuchten Person. Er nimmt den Geruch auf. Es folgt ein Augenblick höchster Konzentration des Teams auf die gemeinsame Aufgabe, dann erhält er die Freigabe zur Suche. Calimero setzt sich in Bewegung, gefolgt von seiner Hundeführerin. Er läuft – Passanten ignorierend – sehr zielstrebig durch Straßen und Gassen in die Dorfmitte bis zu einem Parkplatz. Dort lässt seine Körperspannung nach, der Hundekopf geht hoch, die Rute runter. Er bleibt stehen, die Ohren bewegen sich, die Nase arbeitet sichtbar. Jetzt ist Teamwork gefragt. Astrid Sperlich schickt ihn in eine Seitengasse. Calimero reagiert wie zuvor: Keine Spannung, Kopf hoch, er kommt schnell zurück. Genauso werden nun die anderen Seitenarme der Kreuzung ausgearbeitet. Überall die gleiche Reaktion des roten Huskys, dann schleckt er sich kurz über den Fang, dreht sich um, sucht den Blickkontakt zu seiner Hundeführerin, geht zu ihr hin und setzt sich. Volltreffer – Aufgabe gelöst, denn genau hier ist die zu suchende Person in einen Pkw gestiegen und weggefahren. Zur Belohnung darf Calimero genüsslich aus einer großen Tube Leberwurst schlecken. Er wird freudig und ausgiebig gelobt, was er sicht- und hörbar genießt.

Das ist Mantrailing. Der Hund offenbart mit seiner Körpersprache den Spurverlauf und die Aufgabe wird als Team gelöst. Seit sechs Jahren ist Astrid Sperlich der Faszination Mantrailing erlegen. „Anfangs bin ich dafür sogar regelmäßig zum Training nach München gefahren. Seit ich im Frühling 2018 den Entschluss gefasst habe, Mantrailing-Trainer zu werden, habe ich mich darüber hinaus bei sehr erfahrenen Instruktoren im In- und Ausland intensiv fachlich weitergebildet. Wie ich zum Mantrailing gekommen bin und warum ich mit Huskys traile, geht Hand in Hand. Ums in einem Satz zu sagen: Ich habe nicht Hunde, um zu trailen, sondern ich traile für die Hunde, die ich habe“, erzählt Astrid Sperlich mit leuchtenden Augen. „Mit dem Mantrailing hatte ich damals zum ersten Mal eine artgerechte Beschäftigung für meinen Husky, die er gesundheitlich auch langfristig unbeschadet ausüben konnte. Seine huskytypischen Eigenschaften waren hier kein Störfaktor, sondern sogar von Vorteil. Durch das Mantrailing haben wir eine belastbare Beziehung aufgebaut, die es uns ermöglicht, auch die Dinge im Alltag, die bis dahin durchaus nervenaufreibend und schwierig waren, zu verbessern. Aus den Losern vom Hundeplatz wurde ein starkes Team, aus Calimero ein stolzer und immer sicherer werdender Hund, dessen vermeintliche Schwächen sich hier als Stärken entfalten dürfen. Beim Mantrailing Training ist es die Qualität des Trails, auf die es ankommt – nicht die Quantität. So kann das Mantrailing Training eben auch besonders gut auf Hunde mit besonderen Bedürfnissen zugeschnitten werden, sodass es in jedem Lebensalter und auch bei vielen körperlichen Einschränkungen ausgeführt werden kann. Die unglaubliche Leistungsfähigkeit der Hundenase in der Arbeit zu erleben ist immer wieder äußerst beeindruckend. Die positive Auswirkung von Mantrailing auf die Hunde ist die Triebfeder, warum ich Mantrailing Training hier im Landkreis Mühldorf anbieten möchte. Und so wurden wir von Außenseitern zu INNsidern. Auch wenn man Mantrailing im Freizeitbereich macht, lege ich großen Wert darauf, dass die Hunde mit der gleichen Sorgfalt und dem gleichen Know-how ausgebildet werden, wie erfolgreiche Rettungshunde. Bei meinem Training wird mit Mensch und Hund respektvoll, wertschätzend und konstruktiv gearbeitet. Es zählt die eigene Entwicklung im Training. Jeder Schritt des Weges ist bei mir das Ziel – nicht höher, schneller, weiter. Basisarbeit ist das Nonplusultra. Der Hundeführer soll in die Lage versetzt werden, auf jedem Trail zu erkennen: Erstens ob sein Hund aktuell arbeitet (oder privat unterwegs ist) und zweitens, wenn er arbeitet, ob er auf dem Geruchsband ist oder nicht. Wenn der Hundeführer das kann, dann ist der Entwicklung nach oben keine Grenze mehr gesetzt.“

Infos zu Astrid Sperlichs Maintrailing gibt es auch auf www.innsider-maintrailing.de.


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