21.11.2018, 14:25 Uhr

OCR-Hindernisläufe Stephan Hammerl mag es gern extrem


Stephan Hammerl ist auf dem besten Weg, sich einen festen Platz in der deutschen OCR-Elite zu erkämpfen. Lesen Sie, wie es dazu kam, dass ein Finanz-Experte bei 60 Kilometer-Läufen mit 135 krassen Hindernissen alles gibt.

ZANGBERG. Stephan Hammerl ist 48 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Zangberg. Beruflich dreht sich beim Teamleiter Rechnungswesen der TRW Airbag Systems GmbH in Aschau alles um Zahlen. Da ist vollste Konzentration gefragt.

Als Ausgleich betreibt Stephan Hammerl eine Menge Sport. Er ist täglich mit dem Rad unterwegs, läuft, schwimmt, klettert, fährt gerne Ski, geht Touren oder ist beim Bergsteigen. Hirnschmalz allein ist ihm halt einfach nicht genug.

Seit rund zwei Jahren ist der gebürtige Mühldorf begeisterter OCR-Sportler. OCR bedeutet Obstacle Course Racing und steht für extreme Hindernisläufe. Das sind Läufe, die ihren Teilnehmern Höchstleistungen in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit, Überwindung und Kampfgeist abverlangen. Jüngst fand in England die OCR-WM statt. Stephan Hammerl war dabei und hat erfolgreich an allen drei Wettkämpfen teilgenommen.

Im Gespräch mit dem Wochenblatt schildert Hammerl, der sich selbst als „Kampfsau mit dem Talent zur Selbstmotivation“ beschreibt, kurz die Stationen auf seinem Weg zum OCR-Sportler. Nach dem Studium arbeitete er als Wirtschaftsprüfer in München. Ein zeitraubender Job, der keine Zeit mehr für das Fitness-Studio ließ. Schnell brachte Hammerl deshalb - salopp formuliert -seine Hosen kaum mehr zu. Er stellte die Ernährung um und begann zu Laufen. Problem erkannt, Problem gebannt.

2001 kam er durch Zufall zum Triathlon-Sport. Vier Jahre später absolvierte der Zangberger erfolgreich seinen ersten IRONMAN-Wettbewerb. Weitere folgten. Das Hammerl Biss hat, blieb nicht unbemerkt. Er wurde ins Sportler-Team seines Sponsors „Meine Sportpolice“ aufgenommen, zu dem auch OCR-Athleten gehören. Vor rund zwei Jahren bekam er das Angebot, für eine kranke Sportlerin an einem OCR-Rennen in Oberndorf/Kitzbühl teilzunehmen, wo in zwei Tagen rund 10.000 Teilnehmer an den Start gingen.

Stephan Hammerl war begeistert. „Ich bin zum OCR gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt der sympathische Sportler schmunzelnd. Mittlerweile hat er rund 25 OCR-Läufe auf Veranstaltungen in ganz Europa absolviert. Meist waren es anspruchsvolle Serienrennen, die zur Qualifikation des Weltfinales der OCR-Series in England geführt haben. Ein besonderer Hammer war das heuer erstmalig ausgetragene Ultra Viking mit über 60 Kilometern, cirka 3.300 Höhenmetern und über 135 Hindernissen.

Besonders stolz ist der Rechnungswesen-Fachmann darauf, dass er als Senior-Starter meist bessere Zeiten erzielt, als viele jüngere OCR-Sportler. Dabei landet er häufig auf dem Podest in seiner Altersklasse, ist aber auch im Gesamtranking immer öfter unter den Besten.

Wer „OCR-Rennen“ googelt oder auf Youtube eingibt, findet viele Bilder und Filme. Man sieht Sportler, die technisch anspruchsvolle Kletterparcours überwinden, unter Stacheldraht robben, an Seilen schwingen, über Holzwände klettern, schwere Gewichte schleppen, an Ringen entlang hangeln oder bei eisiger Kälte durch Wassergräben und Schlamm waten. Wie eine Mischung aus Schulturnen und Militär-Sport.

Wenn man sich näher mit OCR beschäftigt, merkt man, dass da von der Öffentlichkeit fast unbemerkt ein neuer Trendsport entstanden ist. Gerade in Deutschland wächst die OCR-Szene immer schneller. Die RTL-Show „Ninja Warrior“ zollt dieser Tatsache Tribut.

Der Erfolg liegt wohl auch darin begründet, dass es um mehr geht, als einfach „nur Laufen“. Beim Überwinden der von Hindernissen gespickten Strecken sind Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Koordination und Teamgeist gefragt. „Ich kenne keine andere Massensportart, die von den Ansprüchen her so umfassend ist“, sagt Hammerl.

Wenn es um OCR geht, gerät der gewiefte Athlet ins Schwärmen. Denn auch wenn ehrgeizige Sportler bei den Läufen durchaus in Konkurrenz zueinander treten. Beim OCR stehen das Teamwork, der Zusammenhalt und der Spaß-Faktor im Mittelpunkt. Man feuert sich gegenseitig an, hilft einander und klopft sich auf die Schultern. „Es hat schon seinen Grund, dass wir uns als OCR-Familie bezeichnen“, sinniert Stephan Hammerl, der seit einem knappen Jahr Mitglied im Münchner Verein für Hindernisläufe, dem OCR Munich, ist. (Infos:www.ocr-munich.de).


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