10.01.2019, 13:00 Uhr

Handball-Buben Dorfverein-Jugend konkurriert mit Bundesliga-Nachwuchs

Vor großen Aufgaben: Die männliche D-Jugend der SSG Metten hat sich bis in die höchstmögliche Spielklasse, die Bezirksoberliga, vorgekämpft. (Foto: SSG Metten)Vor großen Aufgaben: Die männliche D-Jugend der SSG Metten hat sich bis in die höchstmögliche Spielklasse, die Bezirksoberliga, vorgekämpft. (Foto: SSG Metten)

Die D-Junioren der SSG Metten spielen 2019 neben anderen gegen HC Erlangen und den HSC Coburg 2000 – Trainer Rudi Achatz über Freuden und Sorgen.

METTEN Sein Kennerblick hatte es ihm längst verraten: „Da kann eine gute Mannschaft draus werden.“ Das war vor drei Jahren. Bis heute hat Rudi Achatz aus den talentierten Handball-Buben der damaligen Mettener E-Jugend ein schlagkräftiges D-Team im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren geformt. Und: Der erste Lohn für die harte Arbeit ist schon in Aussicht.

Ab dem Neuen Jahr nämlich spielt die SSG Metten in der für D-Junioren höchstmöglichen Klasse, der Bezirksoberliga (BOL), in diesem Fall in der BOL Ostbayern, die weit ins Frankenland hineinreicht. Deshalb sind auch die Gegner nicht ohne: Die Burschen treffen unter anderem auf den Bundesliga-Nachwuchs des HC Erlangen (1. Liga), des HSC 2000 Coburg (2. Liga) sowie auf die D-Jugend des Bayernligisten HaSpo Bayreuth und zweier Landesligisten (TV Lauf und HC Sulzbach-Rosenberg). Hier zu bestehen, wird nicht einfach sein. Sigi Klein, Rückraum-Routinier in der 1. Herren-Mannschaft, unterstützt deshalb als Co-Trainer seinen ehemaligen Team-Kollegen Achatz.

Bis jetzt also haben die Mettener Burschen nachweislich Großartiges geleistet und genug gute Gründe zum Jubeln geliefert. Trainer Rudi Achatz, einer der erfahrensten seiner Zunft in Handball-Bayern, bleibt Realist: „Wir sind ein kleines Dorf und haben keine Chance, Spieler aus der Umgebung zur Ergänzung der Mannschaften zu holen, um dann ganz oben mitzuspielen.“ Leistungszentren wie beim Fußball, wo Spieler aus 50 Kilometer Entfernung geholt würden, das gehe bei der SSG eben nicht. Das SSG-Einzugsgebiet für die D-Junioren umfasst derzeit neben Metten die Gemeinden Offenberg, Bernried und Schwarzach. Für den Trainer ist es ein großes Glück, dass die Schulen in diesen Orten gegenüber Handball aufgeschlossen sind und mit der SSG Metten im Sportunterricht kooperieren. Das tut das St.-Michaels-Gymnasium im Kloster als Keimzelle der SSG sowieso. Trainer Achatz: „In der Sport AG wird viel für den Handball getan.“

Den Fluch des Erfolgs in der Nachwuchsarbeit hat Achatz in den letzten zwanzig Jahren mehrfach erlebt. Für einen Dorfverein erstaunlich viele Talente allein im männlichen Bereich hat er zusammen mit seinen Trainerkollegen herangezogen. Mettener Jugend hat Bayern-, Landes- und Bezirksoberliga gespielt und wurde auf internationalen Turnieren für Spitzenplätze ausgezeichnet.

Tausende Kilometer legten die Teams in einer Saison zurück, Eltern und Betreuer wurden zu Dauer-Chauffeuren, zu Schnellcatering-Spezialisten, Notfall-Sanitätern und zu Hausaufgabenbetreuern in fast allen bayerischen Handballhallen während Spielpausen. Das alles müsse man jetzt nicht an die große Glocke hängen, meint bescheiden Rudi Achatz, selbst Familienvater, alle hätten das gerne getan und oft großen Spaß gehabt, vor allem bei den vielen Erfolgen.

Irgendwann aber ist all das Vergangenheit. Pubertät und Ausbildung kommen, dann schlimmstenfalls Wohnortwechsel wegen des Arbeits- oder des Studienplatzes. Auch das sei nichts Neues für einen jugendorientierten Verein wie die SSG Metten, sagt der Coach, das wisse man eigentlich schon vorher. Auch die Fußballvereine mit Nachwuchsabteilung wüssten das, trotz besserer Bedingungen und der Tatsache, dass durch die andauernde Medienpräsenz der Sportart Nummer Eins Kinder und Jugendliche kleine Messis, Ronaldos oder Neuers sein wollen.

An diese Idole hat Achatz bereits einige gute Spieler verloren. Klagen will er dennoch nicht: „Verein, Eltern und Nachwuchs halten in Metten gut zusammen, gerade weil sich niemand ausgeschlossen fühlt und alle, auch die weniger Talentierten, genug Chancen zum Spielen und zum sich Beweisen haben.“ Das Trainings- und Spielfeld sei ein Lernfeld für Disziplin Einsatzwillen, Verantwortungsbewusstsein, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft, fügt der Coach hinzu und verweist nebenbei auf SSG-Mitbegründer Pater Eberhard Lorenz, der insbesondere die Jugendbetreuung im Handball einmal als Bestandteil der Pastorale, der Seelsorge bezeichnet hat.

Demnächst werden Trainer und die engagierten D-Jugend-Eltern zusammensitzen und über die Lösung der Probleme beraten, die künftig allein durch die weiten Fahrtstrecken weit ins Fränkische entstehen. Kopfzerbrechen bereiten auch noch die immer weiter eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten in der St.-Benedikt-Sporthalle. Eigentlich sollten sich die D-Junioren durch häufigeres Training allmählich an die Bedingungen des Leistungssports gewöhnen. „Wir wollen doch so viele Spieler wie möglich auch noch als erwachsene SSGler gewinnen sehen,“ meint Rudi Achatz und kann sich ein hoffnungsfroh verschmitztes Lächeln abringen.


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