30.12.2019, 11:10 Uhr

Gesamtweltcup im Visier Snowboarderin Ramona Hofmeister steigt mit zwei Weltcupsiegen in die neue Saison ein

(Foto: Weichold)(Foto: Weichold)

Die bayerische Polizistin Ramona Hofmeister bayerische Polizistin hat den Gesamtweltcup im Visier. Trotz Schulteroperation und Reha im vergangenen Sommer steigt sie mit zwei Weltcupsiegen in die neue Saison ein

AINRING/BISCHOFSWIESEN Diese markanten blauen Augen strahlen pure Lebensfreude und Glück aus, als Ramona Hofmeister kurz vor Weihnachten an ihrer Dienststelle im Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI) im oberbayerischen Ainring ihre neue Sportbekleidung abholt. Was der Profi-Snowboarderin so gute Laune verschafft, ist das gute Gefühl des Erfolgs. Mit zwei Weltcupsiegen nach zwei Rennen auf dem Konto ging die 23-jährige Bischofswieserin in die Weihnachts-Festtage. Damit war nach ihrer Schulteroperation nicht unbedingt zu rechnen. Die Freude ist umso größer.

„Wahnsinn“ und „unfassbar“. Mit diesen beiden Worten kommentierte Ramona Hofmeister Mitte Dezember 2019 vor den Mikrofonen und Filmkameras die Siege im Parallel-Riesenslalom in Bannoye/Russland und Cortina/Italien sichtlich von Glück überwältigt. Wenige Tage später in ihre Heimat ins Berchtesgadener Land zurückgekehrt, ist die Freude immer noch frisch und groß. „Jeder will ganz oben sein“, beschreibt Ramona Hofmeister im Gespräch. „Beim ersten Rennen schaut man, wo man steht.“

Für sie war dieser Vergleich mit der Weltspitze zum Saisonauftakt 2019/20 in Russland mit noch größerer Spannung, als sonst verbunden. Ihre Schulterverletzung hatte sie im Sommer zu einer längeren Pause gezwungen. Die Verletzung stammte von einem Sturz Ende Januar 2019 beim Weltcuprennen in Rogla/Slowenien. Trotz Schäden an Labrum und Kapsel gelang es ihr im Februar 2019 sogar noch, in einem spannenden Krimi die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Park City (USA) zu holen.

Mühsam und diszipliniert wie es ihre Art ist, kämpfte sich die Race-Snowboarderin nach ihrer Operation in München über den Sommer wochenlang beim Physiotherapeuten zurück. Mit der Schiene am Oberarm setzte sich Hofmeister täglich ein bis zwei Stunden aufs Ergometer, um Ausdauer und die Muskeln zu trainieren und nicht abzubauen. Im Juni lag der Fokus dann auf Schulter und Rücken.

Ende August der Rückschlag: Ramona stürzte bei ihrem ersten Schneetraining in der Skihalle in Hamburg ausgerechnet auf ihre operierte Schulter. Den Schmerzen und ersten Befürchtungen folgte die erlösende Nachricht des Arztes, dass es sich lediglich um eine Muskelprellung handelte. Trotzdem bedeutete das noch einmal eine weitere Zwangspause, bevor sie dann Anfang Oktober auf einem Gletscher in Italien endlich mit Verspätung zu den Kaderkollegen stoßen und ins Schneetraining einsteigen konnte. „Zuerst durfte ich noch nicht in die Tore fahren“, berichtet Ramona. „Das war zäh.“

Beim ersten von insgesamt 17 alpinen Snowboard-Weltcuprennen der Saison in Bannoye fuhr Ramona sofort unter die Top 10 auf Rang 7. „Damit war ich schon sehr zufrieden“, erinnert sich Ramona Hofmeister. Am nächsten Tag beim Parallel-Slalom setzte sie sich an die Spitze, ebenso eine Woche später in Cortina. „Ich fühle mich fit und mental extrem gut, das Sommertraining war perfekt, ich hab Spaß“, sagt sie nun.

Im neuen Jahr bleibt der alpine Snowboard-Weltcup erst einmal in Europa, bevor es im Februar nach China zum Training auf den Olympiahang für die Spiele 2022 geht. Danach findet am 22. Februar ein Weltcuprennen in Pyeongchang/Südkorea statt, wo Ramona 2018 bei den vergangenen Olympischen Winterspielen die Bronzemedaille holte. „Asien liegt mir“, sagt sie im Hinblick auf mehrere Weltcuperfolge, die sie dort einfuhr.

Nicht nur die Bayerische Polizei rüstete sie mit neuer Sportbekleidung fürs Training aus. Wie jedes Jahr stieg Ramona auf ein neues Raceboard um. Das Board ist heuer allerdings fünf Zentimeter länger. Sie fährt mit ihren 1,64 Meter an Körpergröße nun ein 1,85 Zentimeter langes F2-Board. „Der Umstieg hat gut funktioniert“, sagt sie. „Es läuft ruhiger, man muss nur die Kurven anders ansteuern.“

Für Ramona Hofmeister erfüllte sich mit der Spitzensportkarriere ein Kindheitstraum. Den konnte sie auch noch mit ihrem Berufswunsch verbinden. „Ich wollte schon immer zur Bayerischen Polizei gehen“, erzählt sie. Dass sie mit der Spitzensportförderung der Bayerischen Polizei nun zwei Karrieren miteinander verknüpfen kann, ist perfekt. „Ich bin dafür sehr dankbar.“

Seit sie im Sommer 2018 ihre duale fünfjährige Ausbildung zur Polizistin erfolgreich abschloss, gehört sie der Sporttrainingsgruppe an. Ihren jährlichen mehrwöchigen, verpflichtenden Dienst absolvierte sie im Sommer 2019 auf der Polizeiinspektion Berchtesgaden. „Die abgeschlossene Berufsausbildung und die Beschäftigung bei der Bayerischen Polizei geben mir Sicherheit und eine Perspektive nach der aktiven Sportkarriere“, so Ramona Hofmeister. „Der Beruf macht mir Freude, ich bin stolz, dabei zu sein.“ Das sportliche Ziel für die Saison ist klar: Ramona Hofmeister will den Gesamtweltcup gewinnen.


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