04.07.2018, 10:45 Uhr

Gestrampelt wie wahre Weltmeister Wilder Ritt auf dem Rennrad ins WM-Mekka


Sie haben es geschafft! Zwölf Tage lang radelten Markus und Sven unglaubliche 2.300 Kilometer von Leipzig nach Moskau. Jetzt erzählen die beiden Sportler von ihrer abenteuerlichen Reise ...

WAGING/LEIPZIG/MOSKAU. Von Markus (36) und Svens (29) Einsatz, ihrer Leidenschaft und der Freude an ihrem Sport hätten sich Jogis Jungs bei der WM in Russland eine Scheibe abschneiden können. Denn die beiden Rennradler bezwangen 2.300 Kilometer von Leipzig nach Moskau in unglaublichen zwölf Tagen!

Bereits Mitte Mai dieses Jahres berichteten wir über das abenteuerliche Vorhaben der beiden Männer, die Strecke von Deutschland über Polen, Litauen und Lettland nach Russland im knallharten Rennradsattel zu bewältigen. Angedacht waren 13 Tage, doch sportlich wie der Waginger und der Leipziger sind, schafften sie die Tour in zwölf Tagen.

Und das trotz einiger „Hindernisse“ und Fahrtunterbrechungen: „Polen war landschaftlich der Hammer, gleichzeitig für mich aber eine hügelige Herausforderung. Nach 500 Kilometern wollte mein Knie nicht mehr. Der Arzt im Krankenhaus riet mir ein paar Tage Pause. Das ging natürlich nicht. Mit Zaubertabletten aus der polnischen Apotheke konnte ich weiter strampeln“, sagt der Leipziger beim Wochenblatt-Gespräch.

Lettische Schotterpisten waren keine Gaudi

Die erste Hürde war somit überstanden, doch die nächste Herausforderung lag buchstäblich auf der Straße: die Fahrbahnbeschaffenheit. Während es in Polen und Litauen erstaunlich gut vorwärtsging, bremsten die lettischen Schotterpisten die beiden Radler gehörig aus. „40 Kilometer mit dünnen Reifen durch feinen Kies, das war keine Gaudi. Irgendwann mussten wir absteigen und schieben“, lacht der erfahrene Zweiradfahrer Markus, „wenn wir glaubten, es geht nicht mehr schlechter, wurden wir doch eines Besseren belehrt.“

Aber auch davon ließen sich Markus und Sven nicht aufhalten. „Die Landschaft, die Gastfreundschaft der Menschen und die sportliche Herausforderung haben das alles wettgemacht. Wir wollten ein Abenteuer, jetzt hatten wir eins“, freut sich Sven. Apropos Abenteuer: So mancher Aufenthalt in den Unterkünften glich wirklich einer kleinen Mutprobe: Duschen unter vom Rost verfärbten Wasser und Schlafen in schmuddeliger Bettwäsche. „Komischerweise war neben vielen Unterkünften entweder ein Friedhof oder ein Gefängnis, wir wissen nicht, was das zu bedeuten hat“, lacht der 36-jährige Waginger Markus.

„WM-Euphorie war deutlich spürbar“

Die letzten 600 Kilometer auf der Fernstraße M 9, die direkt ins Herzen Russlands, nach Moskau führt, fuhren die beiden Spezln wahrlich wie Weltmeister: „Mit streunenden Straßenhunden und bissigen Pferdebremsen im Genick haben wir das Tempo noch mal angezogen. Angekommen in Moskau war das wirklich ein überwältigendes Gefühl“, erinnert sich Sven. In der ganzen Stadt sei die WM-Euphorie zu spüren gewesen, beide waren von der „gigantischen“ Metropole und ihren Bauwerken schwer angetan.

Das Fazit nach 2.300 Kilometern: für Sven eine super Erfahrung mit Strapazen, für den „radlverrückten“ Markus eine „bärige Erholungsfahrt.


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