10.02.2020, 16:12 Uhr

Radeln für den guten Zweck Auf Drahteseln quer durch die USA

Sie schwingen sich aufs Rad (v.l.): Stefan Maurus, Markus Kerschhacker, Felix Igler und Leo Bessel. Foto: M. OswaldSie schwingen sich aufs Rad (v.l.): Stefan Maurus, Markus Kerschhacker, Felix Igler und Leo Bessel. Foto: M. Oswald

Mit „Seaside 2 Seaside“ sammeln vier Jungs aus Bayern und Österreich Spenden für das Projekt Suibamoond

Bayern/Österreich/USA. Drei Drahtesel, ein Wohnmobil, vier (mehr oder weniger) sportliche Jungs zwischen 25 und 53 Jahre alt und eine abenteuerliche Schnapsidee. Das macht unterm Strich das Radl-Projekt Seaside 2 Seaside.

Markus Kerschhacker aus St. Radegund in Oberösterreich, Stefan Maurus aus Kempten, Leo Bessel aus Julbach und Felix Igler aus Faistenau im Salzkammergut. Das sind die „wackeren Recke“‘, die sich in den Kopf gesetzt haben, quer durch die USA von Westküste zu Ostküste zu radeln – rund 6.000 Kilometer in nur fünf Wochen! Was nach Schmerzen und Schweiß klingt, soll aber eine richtig spannende Erkundungstour werden. Und das Ganze auch noch für den guten Zweck …

Aber zurück zum Anfang. Geboren wurde das geradezu halsbrecherisch anmutende Projekt ausgerechnet wegen Markus Kerschhackers Hausarzt, der dem leidenschaftlichen Radfahrer vom Wettkampfrennen „RaceAcrossAmerica“ vorschwärmte. Hierbei durchqueren Radprofis den Kontinent ebenfalls von Küste zu Küste. Radprofis wohlgemerkt.

„Stimmt. Irgendwie haben wir schon einen Dachschaden!“, lacht Markus. Wenn man rund 200 Kilometer pro Tag in die Pedale treten will, und das fünf Wochen lang, dann muss man schon ein wenig verrückt sein. Und Radl-verrückt, das ist auch Markus‘ ehemaliger Arbeitskollege vom Wacker-Werk Kempten, Stefan Maurus. Auch dem setzte Markus den ‚Rad-Floh‘ nachhaltig ins Ohr. Das war im Mai 2017. Seitdem nahm das Projekt Gestalt an.

So weit, so gut. Aber zwei Mann … die ganze Strecke … mit Gepäck? Weggefährten und Mitstreiter mussten her! Da wäre zum einen der 27-jährige Leo Bessel, ein Bürokollege von Markus bei Wacker in Burghausen.

Vier Männer, drei Fahrräder und ein Wohnmobil

Über Monate hinweg habe er sich die Schwärmereien seines Kollegen vom „großen Abenteuer“ anhören dürfen, bis er selbst auf den Trichter gekommen sei, erzählt der Zweitjüngste im Team.

„Ja. Das wäre schon was!“, dachte sich dann doch irgendwann auch Leo. Radprofi, das sei er zwar (noch) nicht; aber zumindest hin und wieder mitradeln und seine Mitstreiter ablösen, das wolle er sich nicht nehmen lassen. „Ansonsten ist es meine Aufgabe, in erster Linie dafür zu sorgen, dass die Jungs nicht vom Fleisch fallen“, so Leo mit einem Augenzwinkern.

Rad-Abenteurer starten im Mai mit Golden Gate Prolog

Er und der Vierte im Bunde, Felix Igler, begleiten im Wohnmobil die Rad-Abenteurer, preschen vor, suchen Campingplätze und kaufen Lebensmittel ein. Felix ist übrigens Bildhauer von Beruf, aber eben auch der Enkel des Cousins von Markus – und so fand er sich plötzlich im Team wieder und steigt Ende April in den Flieger Richtung San Francisco.

Anfang Mai geht’s dann so richtig los. Nach dem „Einradeln“ im „Golden Gate Prolog“ von der Küste über die Sierra Nevada, bis zu 3.000 Meter hoch. Dann weiter nach Las Vegas, über die legendäre Route 66 bis Amarillo, Dallas, zum „Old Man River“ Mississippi, entlang der Baumwollplantagen, New Orleans nicht zu vergessen. Irgendwann sollen die Vier dann an der Ostküste ankommen, genauer gesagt in Daytona.

„Wir wollen alles mitnehmen, was die USA zu bieten haben“, schwärmt Markus. Super wäre es freilich, wenn sie im Ziel auch von einem großen Empfangskomitee begrüßt werden würden. Zumindest die Familie von Stefan wird dort sein. Aber da geht doch sicher noch mehr.

Schließlich wird das sportliche österreichisch-bayerische Team nicht nur viel Schweiß und einen Batzen Geld in das Projekt investiert haben – so um die 10.000 Euro pro Nase – sondern auch für einen wirklich guten Zweck in die Pedale getreten sein! „Wir sammeln pro Meile bares Geld, das zu 100 Prozent in das Altöttinger Hilfsprojekt Suibamoond zugunsten benachteiligter und vergewaltigter Kinder in der Region, hauptsächlich in den Landkreisen Altötting, Traunstein und Rottal-Inn, aber auch darüber hinaus im Berchtesgadener Land und in Rosenheim und Umgebung fließt!“

Für Markus und seine Mitstreiter sei das ein weiteres Herzensanliegen, koordiniert vom Pleiskirchner Wacker-Kollegen Frank Mario Tittmann, dem 52 Jahre alten „Link“ zu Suibamoond sozusagen. „Es ist wichtig, dieses virulente Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen“, findet Frank.

Also: „Riding Miles for Smiles“ – so lautet das Motto auf der Projekt-Seite im Internet unter www.seaside2seaside.com. Hier kann übrigens via Blog und Live-Tracking mit verfolgt werden, wo die Jungs gerade radeln – eingepflegt und aktualisiert von einem weiteren Salzburger Team-Mitglied, das ebenfalls die Stellung zuhause hält.

Keine Frage: Viele helfende Hände waren und sind nötig, um die Idee tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen. Firmen aus der Region und Sponsoren, die das Projekt unterstützen, sind herzlich willkommen und können auf der Website werben.

„Uns ist aber jede Spende recht – egal ob nun 50 Cent oder 5.000 Euro“, betont Frank. Wer allerdings 150 Euro für eine ganze Tagesetappe berappen möchte, der bekommt ein besonderes Andenken: Ein Foto von der Etappe mit Widmung in einem eigens von Felix, also dem Künstler der Truppe, angefertigten Fotoständer.

Ganz abgesehen vom großartigen Gefühl, etwas für die gute Sache getan zu haben. Auch wenn man die abenteuerliche Radreise der Jungs nur sitzenderweise am Rechner miterleben kann. − wo –