Freund mit Fell oder Federn
Hund, Katze, Hamster: Welches Tier passt zu meinem Kind?

07.06.2023 | Stand 16.05.2024, 1:58 Uhr

Kinder und Haustiere - Oft (aber nicht immer!) zeigen Katzen gegenüber Kindern erstaunlich viel Geduld. - Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Kinder, die mit Tieren aufwachsen, profitieren von ihnen - wenn das Gespann passt. Katze, Hund und Co. haben unterschiedliche Bedürfnisse. Worauf bei der Wahl des richtigen Haustiers zu achten ist.

Die meisten Kinder lieben Tiere. Sie tun ihnen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich gut - längst wurde das in etlichen Studien bewiesen. Es spricht vieles dafür, sein Kind mit einem tierischen Kumpel aufwachsen zu lassen.

Nur, mit welchem? „Nicht jedes Tier passt zu jedem“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Die Welt der Haustiere ist vielfältig, so wie die der Familien auch. Was also müssen Eltern bedenken?

Hund: Beginnen wir mit einem Klassiker. Hunde passen im Prinzip wunderbar zu Kindern. Sie sind treue Begleiter. Man kann mit ihnen rennen, Ball spielen, Tricks einüben, kuscheln, Trost finden - ein wahrer Freund also.

Ein weiterer Pluspunkt: Kinder mit Hund sind sportlich aktiver, wie der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft in Bremen berichtet. Welcher Hund in welche Familie passt, hängt von vielen Kriterien ab. So sind für Kleinkinder junge und damit ungestüme Hunde weniger geeignet - erst recht nicht, wenn die Vierbeiner so groß sind, dass sie die Kinder im Eifer des Gefechts umrennen können.

Bei den erwachsenen Tieren sieht das anders aus. „Große Hunde können sanftmütige Riesen sein, wenn sie früh mit Kindern positive Bekanntschaft gemacht haben“, weiß Schmitz vom Tierschutzbund. Solche souveränen Tiere sind selbst für kleine Kinder geeignet.

Bei älteren Kindern ist auch der Kauf eines Welpen möglich, Mensch- und Hundekind wachsen meist problemlos miteinander auf. Allerdings müssen die Eltern klare Regeln vorgeben - für Tier und Kind. Vor allem jüngere Kinder können die Körpersprache von Hunden noch nicht richtig deuten, ihnen muss klargemacht werden, wann der Hund seine Ruhe haben möchte, etwa beim Fressen oder Schlafen. Auch dem Hund müssen natürlich Grenzen gesetzt werden. Kleinkinder sollten generell nie alleine mit Tieren gelassen werden.

Katzen mit Geduld gefragt

Katze: Auch Kinder und Katzen können dicke Freunde werden. Die Samtpfoten sind die beliebtesten Haustiere der Deutschen, nach den Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) lebte im vergangenen Jahr in fast jedem vierten Haushalt eine Katze - insgesamt waren es 15,2 Millionen Tiere.

Kinder lieben oft ihr kuscheliges Fell, zudem können sie mit Katzen gut spielen. Laut Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes gehören die Stubentiger neben den Hunden zu den Tieren, die am besten für Kinder geeignet sind.

„Auch unter Katzen gibt es die verschiedensten Charaktere“, erklärt Schmitz. Manche lieben es, zu schmusen und zu spielen, sie suchen den engen Kontakt zu ihren Menschen. Solche Katzen passen gut zu Kindern, die allerdings lernen müssen, die Eigenwilligkeit ihres Tieres zu akzeptieren. Katzen zeigen meist sehr deutlich, was sie möchten.

Dazu gehört, dass sie weder beim Schlafen noch Fressen eine Störung akzeptieren, auch lassen sie sich nicht gegen ihren Willen festhalten. Hier sind die Eltern gefragt, damit nicht eines Tages die Katze die Erziehung übernimmt und mit ihren Krallen dem Kind klarmacht, dass es Grenzen überschritten hat. Nach Einschätzung des Forschungskreises Heimtiere sind Katzen für Kinder im Alter ab etwa acht Jahren geeignet.

Katzen sind selbstständiger als Hunde, das hat Vor- und Nachteile. Sie machen viel weniger Arbeit, allerdings kann mit ihnen auch viel weniger unternommen werden. Die Bindung ist daher oft weniger eng als zu einem Hund.

Schmusen für Kleintiere eine Qual

Kleintiere: Auch Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster sind laut IVH-Angaben in Deutschland sehr beliebt, wenn überhaupt jedoch nur für größere Kinder geeignet. Denn sie wollen nie hochgenommen, festgehalten oder gar geknuddelt werden - können das zu ihrem Unglück aber kaum zeigen oder sich gar wehren. „Sie eignen sich lediglich zur Beobachtung, das muss den Kindern klar sein“, erklärt Schmitz.

Kaninchen und Meerschweinchen haben meist eine natürliche Scheu vor Menschen. Eine Haltung nur im Käfig ist tabu. Sie sind zwar klein, haben aber einen großen Bewegungsdrang. Für sie ist der tägliche Freilauf also ein Muss, mit einem entsprechenden Schutzraum können sie auch das ganze Jahr über im Garten gehalten werden. Sie brauchen mindestens einen Artgenossen.

Goldhamster sind dagegen Einzelgänger, in ihrem möglichst großem Heim brauchen sie ein Laufrad und gerne weitere Beschäftigung, wie etwa die Suche nach verstecktem Futter. Auch sie benötigen täglichen Freilauf. Kinder haben von einem solchen Hamster wenig bis gar nichts: Denn er wird in der Regel erst wach, wenn sie schlafen gehen. Außerdem lebt er in der Regel nur zwei bis drei Jahre.

Viel gucken, wenig anfassen

Vögel: Ähnlich wie Kleintiere sind Vögel für Kinder nur dann attraktiv, wenn sie Freude am Beobachten und Versorgen haben, wie Lea Schmitz vom Tierschutzbund weiß. Es ist schwierig, diese Tiere in einer Wohnung annähernd artgerecht zu halten. Die üblichen Käfige sind viel zu klein, selbst eine großzügige Voliere genügt oft nicht.

Auf jeden Fall brauchen Vögel ihren täglichen Freiflug. Am besten gefällt es ihnen, wenn sie in einer kleinen Gruppe leben. Mit entsprechender menschlicher Zuwendung können sie handzahm werden, sodass sich die Kinder wenigstens ein bisschen direkt mit ihnen beschäftigen können.

Fische: Der Nachteil von Fischen ist klar - sie können nicht berührt werden und sind für eine engere Beziehung ungeeignet. „Ihr Vorteil ist der relative geringe Platzbedarf für ein Aquarium“, erklärt Lea Schmitz. Außerdem kann das Aquarium selbst gestaltet werden, was einem Kind durchaus Freude bereiten kann. Geeignet sind die Wassertiere für ältere Kinder, die gerne Fische beobachten.

Ob Fisch, Vogel oder Hund: Ein Kind-Tier-Gespann ist kein Selbstläufer. Das muss immer klar sein. Erwachsenen stehen bei der Erziehung und Versorgung stets in der Pflicht. Deshalb müssen vor allem sie sich überlegen, was sie leisten können. Das Haustier ist schließlich ein Familienmitglied, das im Idealfall auf Lebenszeit ein Zuhause bezieht.

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