Österreich
Kärnten zwischen Wintersport und Frühlingserwachen

06.02.2024 | Stand 28.02.2024, 15:55 Uhr

Wintersport - Schneebedeckte Pisten und strahlender Sonnenschein im Skigebiet bei Gerlitzen. - Foto: Verena Wolff/dpa-tmn/dpa

Dreiländereck heißt Österreichs südlichstes Skigebiet. Auch Abstecher ins nahe Ausland locken: mit dem Schlitten nach Slowenien oder fürs erste Gelato des Jahres nach Italien.

„Hallo“, grüßt die junge Familie, als sie auf Skiern an der Hütte „Dreiländereck“ vorbeigleitet. „Griast Euch“, rufen einige Leute von den Biergarnituren in der Sonne zurück.

Man kennt sich im Dreiländereck – so heißt das am südlichsten gelegene Skigebiet Kärntens nicht ohne Grund: Hier treffen in 1508 Metern Höhe Österreich, Slowenien und Italien aufeinander.

Das Marterl, ein hölzernes Gebilde mit einem runden Schindeldach und Wegweisern, zeigt die Richtungen an. „Friuli“ steht da, das italienische Friaul, „Kärnten“ und „Slovenija“. Das Handy zeigt bei einigen Fotos die Ortsmarke Kranjska Gora an, bei anderen Arnoldstein. So nah ist alles beieinander.

Und so nah war es auch, als der Kalte Krieg Europa noch fest in der Hand hatte – jugoslawische Sicherheitskräfte patrouillierten, nach Osten hin war das Gebiet mit Stacheldraht abgesperrt. Heute erinnern Tafeln und ein paar Meter Zaun an diese Zeit.

Sonnenhänge und Slow Food

Dreiländereck ist ein kleines Skigebiet, in das vor allem Familien mit Kindern kommen und Wintersportler, die es gerne etwas ruhiger haben. Es gibt nur sieben Schlepplifte für 17 Pistenkilometer, die aber in allen Schwierigkeitsgraden. 

Wer mehr Platz braucht oder sich eine Hüttenrallye vorgenommen hat, fährt ein Stückchen weiter Richtung Gerlitzen und hat dort gut das Dreifache an Pistenkilometern. Das Gebiet Gerlitzer Alpe liegt zudem etwas höher und hat meist länger in den Frühling hinein geöffnet.

Vor- und Nachteil an den Skibergen Kärntens: Sie liegen Richtung Süden und haben einige Sonnenhänge. Später in der Saison können sie am Nachmittag ziemlich weich werden. 
Doch ein schöner Skitag kann auch am Mittag mit einer guten Stärkung auf dem Berg enden – einige Hütten haben sich der im nahe gelegenen Drau- und Gailtal verbreiteten Slow Food-Bewegung angeschlossen. Sie bieten Gerichte an, die traditionell sind und mit Zutaten gemacht, die weitgehend aus der Region stammen. 

Die handgefertigten Kärntner Kasnudeln sind so ein Gericht. Ähnlich den schwäbischen Maultaschen sind sie am Rand hübsch zusammengefaltet, in Kärnten sagt man: gekrendelt. Der Variantenreichtum ist groß. Teigtaschen gibt es auch mit Hackfleisch und anderem Inhalt wie Sauerkraut oder Spinat.

Abstecher nach Italien und Slowenien

Es spricht nichts dagegen, über die Grenze zu fahren – nach Italien, um in der Frühlingssonne etwas Dolce Vita zu genießen: beim ersten Spritz des Jahres, einem Gelato“ oder Caffè.

Tarvisio ist der erste Ort hinter der Grenze, von Villach aus ist er etwa 30 Kilometer entfernt. Das ist zwar nicht Florenz oder Rom - aber Italien. „Man ist einfach weiter im Süden, das Flair ist ein anderes“, sagen die Einheimischen. Und natürlich sitzt man draußen auf den Terrassen, sobald die ersten Sonnenstrahlen über das Gebirge kommen.

Auch Slowenien bietet sich für einen Besuch an, nahe gelegen ist Kranjska Gora. Aber Achtung: Der Ferienort ist auch Austragungsort im Ski-Weltcup – und dann ziemlich überlaufen.

Abstecher sind nicht nur mit dem Auto möglich: Bei guter Schneelage kann man vom Dreiländereck Richtung Slowenien rodeln, muss aber vorher die Rückkehr nach Österreich organisieren. Fuhrunternehmen sind auf die Grenzgänger mit Schlitten eingestellt.

Und steigen die Temperaturen wieder an, denkt auch Skilehrerin und Ferienwohnungs-Vermietern Karoline Kuttin um. Fahrradtouren zwischen den Ländern sind dann wieder möglich. „Die Radwege sind frei, wenn der Schnee im Tal geschmolzen ist.“ 

Spätestens im Sommer geht sie mit ihren Gästen auf Tour. Ihre Lieblingsstrecke führt Richtung Slowenien, dort wurde eine frühere Bahnlinie zum Radweg umgebaut.

Seetouren im ausklingenden Winter

Zum Badeurlaub taugt Kärnten bislang nicht wieder – auch wenn man gelegentlich im Ossiacher See oder im Wörthersee jemanden sieht, der sich überwindet und in das eisige Wasser geht. Doch das bedeutet nicht, dass nichts los ist an den Seen.

Fotograf und Ortskenner Jörg Schmöe bietet im Bleistätter Moor am Ostufer des Ossiacher Sees Touren an – mit der Kamera oder ohne. „Das Moor wurde vor fast 100 Jahren trockengelegt“, sagt er beim Spaziergang auf dem Moorrundweg. Die Menschen brauchten die Fläche für den Ackerbau. 

Davon allerdings ahnt man heute nichts mehr. 2017 wurde das Moor wieder geflutet, und seither haben sich Vögel dutzender Arten angesiedelt, dazu Amphibien, Fische, Insekten und Fledermäuse. „Hier kann man in aller Ruhe die Natur beobachten“, sagt Schmöe.

Auch im Villacher Ortsteil Warmbad im Tal hält die Natur zum Frühjahr, selbst wenn die Pistenverhältnisse noch winterlich sind, schon Einzug: Die ersten Krokusse haben sich ihren Weg durch die kürzlich noch gefrorene Erde gebahnt und leuchten im Kurpark in Weiß, Lila und Gelb. Haselnuss und Himbeere, Bäume und Sträucher treiben aus.

Naturführerin Barbara Weigele kennt einen besonderen Ort. Der Name Warmbad nämlich kommt von einer natürlichen Quelle, die mitten im Wald im angrenzenden Naturpark Dobratsch entspringt. Rund 26 Grad warm und klar.

Einige Wanderer wissen von dem Wasser, von dem an einem kühlen Frühjahrsmorgen der Dampf aufsteigt. Und sie setzen sich hinein und genießen die warmen Sonnenstrahlen, die durch die Baumkronen blitzen und eine wärmere Zeit versprechen.

Tipps, Links, Praktisches:

Anreise: Die Autofahrt nach Villach in Österreichs südlichstem Bundesland Kärnten dauert beispielsweise ab Berlin etwa 9,5 Stunden, ab München noch 3,5 Stunden. Mit dem Zug ab München muss man rund 4,5 Stunden einplanen.

Übernachtung: An den Seen gibt es verschiedene Unterkünfte – vom Wellnesshotel bis zu einfachen Pensionen. Den Skigebieten am nächsten liegt der Ossiacher See.

Informationen: www.visitvillach.at; www.kaernten.at

© dpa-infocom, dpa:240206-99-883491/2