Legalisierung steht bevor
Cannabis: Wie kann man etwas sicherer kiffen?

14.02.2024 | Stand 24.04.2024, 8:31 Uhr

Cannabis: Wie kann man etwas sicherer kiffen? - Vaporizer reduzieren Schadstoffe beim Cannabis-Konsum durch Erhitzen statt Verbrennen. (zu dpa: „Cannabis: Wie kann man etwas sicherer kiffen?“) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Klar, für die eigene Gesundheit ist es am besten, den Joint gar nicht erst anzuzünden. Wenn man dennoch Cannabis konsumieren möchte: Was kann man tun, um Risiken zu minimieren?

Auch wenn es bald wohl erlaubt sein wird, bestimmte Mengen Cannabis zu besitzen: Einen Konsum ganz ohne Gesundheitsrisiken gibt es nicht. Darauf macht auch das Leipziger Informations- und Aufklärungsprojekt „Drug Scouts“ aufmerksam. 

Doch bestimmte Gesundheitsgefahren lassen sich zumindest etwas verringern - wenn man beim Rauchen, Dampfen, Essen oder Trinken von Cannabis bestimmte Regeln beachtet. „Safer Use“ nennen Fachleute das. 

Ein Thema, das auch die Wissenschaft beschäftigt: Ein Team rund um den Suchtforscher Benedikt Fischer von der Simon Fraser University in Kanada hat auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse Regeln dafür entwickelt: die „Lower-Risk Cannabis Use Guidelines“ (LRCUG). 

Hier kommt eine Auswahl an „Safer Use“-Tipps: 

1. Selten konsumieren, spät einsteigen 

Es liegt auf der Hand: Je häufiger man Cannabis konsumiert, desto mehr gesundheitliche Risiken kauft man sich ein. Die LRCUG-Empfehlung lautet daher: Cannabis nur gelegentlich, heißt: an höchstens ein bis zwei Tagen pro Woche. 

Das erste Mal sollte außerdem möglichst spät stattfinden. Denn das Jugendalter ist eine wichtige Phase der Hirnentwicklung. Wer schon in jungen Jahren mit dem Kiffen beginnt, riskiert Einschränkungen in der geistigen Leistungsfähigkeit - vor allem, wenn Cannabiskonsum zur alltäglichen Gewohnheit wird. 

Sicherer ist den LRCUG-Empfehlungen zufolge, erst im jungen Erwachsenenalter bzw. nach Ende der Pubertät die ersten Cannabis-Erfahrungen zu sammeln. 

Wichtig in jedem Falle: den Konsum reflektieren, wie die „Drug Scouts“ raten. Also immer wieder zu hinterfragen, ob der Joint bereits zur Gewohnheit geworden ist, die den Alltag bestimmt.  

2. Mischkonsum vermeiden, zum Beispiel mit Tabak

Wenn auf der Party Cannabis ausgepackt wird, sind schnell auch Tabak und Alkohol im Spiel, vielleicht auch weitere Drogen. Die „Drug Scouts“ raten, gut abzuwägen, ob man Cannabis zusammen damit konsumieren möchte. Denn Wechselwirkungen lassen sich nur schwer vorhersagen: Es drohen zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufprobleme. 

Auch langfristig kann die Gesundheit Schaden nehmen - etwa bei der gängigen Kombination aus Cannabis und Tabak: Denn dabei nimmt man mehr krebserregende Stoffe zu sich als beim Rauchen von Tabak allein. Ein Grund: Cannabisrauch wird den „Drug Scouts“ zufolge oft besonders tief inhaliert und länger in der Lunge gehalten. Praktiken, von denen übrigens auch die „Lower-Risk Cannabis Use Guidelines“ generell abraten.   

Auf Dauer drohen beim regelmäßigen Rauchen von Tabak und Cannabis außerdem Asthma oder chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Und: Im Vergleich zum puren Konsum von Cannabis birgt der Mischkonsum mit Tabak ein erhöhtes Abhängigkeitspotenzial. 

Um generell die Menge an Schadstoffen zu reduzieren, die in die Lunge gelangen, kann man den „Drug Scouts“ zufolge Vaporizer, Joints oder Bongs mit speziellen Aktivkohle-Filtern nutzen.

3. Genau anschauen, was man rauchen möchte  

Denn auch Cannabis kann schimmeln. Das erkennt man zum Beispiel an einem weiß-gräulichen Belag, der an Spinnweben erinnert, so die „Drug Scouts“. Oder daran, dass sich die Blüten bräunlich-schwarz verfärbt haben. Ist das der Fall, sollte man aus dem Gras keinen Joint mehr rollen - es kann zu Vergiftungen oder Atemwegserkrankungen kommen. 

Wenn man die Möglichkeit hat, sein Cannabis auf giftige Streckmittel untersuchen zu lassen, sollte man sie den „Drug Scouts“ zufolge nutzen. Solche Drugchecking-Angebote gibt es bislang allerdings nur vereinzelt. 

4. Bei bestimmten Gesundheitsproblemen nicht konsumieren 

Auch wenn es verlockend erscheint, der inneren Leere etwas Rausch entgegenzusetzen: Bei depressiven Symptomen sollte man komplett auf Cannabis verzichten. Hintergrund: Gerade ein Dauerkonsum kann eine bereits vorhandene Depression verstärken. Davor warnen auch die „Lower-Risk Cannabis Use Guidelines“. 

Auch bei anderen Gesundheitsproblemen verkneift man sich sicherheitshalber den Joint. Zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so die „Drug Scouts“. Cannabis sorgt nämlich für eine Weitung der Blutgefäße. Wer Lungen- oder Atembeschwerden, raucht Cannabis-Produkte besser nicht, sondern konsumiert sie in anderer Form. 

5. Beim Essen und Trinken: geringer dosieren 

Nimmt man Cannabis gebacken im Keks oder aufgebrüht im Tee zu sich, muss man beachten: Die Wirkung tritt später ein als beim Rauchen, erst nach einer halben bis zwei Stunden. 

Sie hält dann aber bis zu zehn Stunden an. In dieser Zeitspanne kann die Wirkung allerdings schwanken. Die „Drug Scouts“ raten: beim oralen Konsum niedriger als beim Rauchen dosieren. Und: nicht sofort nachlegen, wenn sich die Wirkung zwischendurch abschwächt. Sonst erreicht man schnell besonders hohe und damit umso riskantere Dosierungen.

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