Glücksspielstaatsvertrag: Regeln werden teilweise umgangen

20.06.2022
−Foto: Pixabay

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Seit circa einem Jahr gilt nun der neue Glücksspielstaatsvertrag. Er gibt dem Onlineglücksspiel in Deutschland eine legale Basis und soll es regulieren. Viele der enthaltenen Vorgaben zielen darauf ab, die Spieler zu schützen und so auch die Spielsucht-Problematik einzudämmen. Das funktioniert aber nicht in allen Bereichen wie gewünscht.

Neue Regeln sollten Spielerinnen und Spieler schützen
Vor Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 war Online-Glücksspiel (außer in Schleswig-Holstein) in Deutschland nicht legal. Gespielt wurde trotzdem. Spielerinnen und Spieler nutzten dafür einfach Online-Casino-Betreiber mit der Glücksspiellizenz eines anderen Landes. Die Folge war ein unregulierter und unsicherer Glücksspielmarkt im Netz.
Der Glücksspielstaatsvertrag sollte das ändern. Er ermöglicht den Betreibern, auch in Deutschland eine Lizenz für ihre Angebote zu bekommen und sie legal anzubieten. Dafür müssen allerdings gewisse Vorgaben erfüllt und Regeln eingehalten werden, die vor allem die Spieler schützen sollen.
Beispielsweise müssen alle Anbieter eine übergreifende Sperrdatei beachten. Süchtige oder suchtgefährdete Personen können sich hier eintragen lassen und werden dann auf Casino-Seiten nicht mehr zugelassen.
Außerdem gelten Maximal-Einsätze und ein monatliches Einzahlungslimit von 1000 Euro. Des Weiteren sind zum Beispiel Live-Spiele nicht erlaubt und es gilt eine 5-Sekunden-Regel für Slot-Spiele. Sie besagt, dass zwischen zwei Spielrunden automatisch eine Pause von 5 Sekunden liegen muss, damit kein Automatismus des Weiterspielens entsteht.
Vorangegangene Verluste und Gewinne müssen Spielern bei jedem Login angezeigt werden.

Vorgaben greifen nicht immer
Vielen Kritikern gehen die Regelungen nicht weit genug. Es zeigt sich aber, dass einige Vorgaben ohnehin nicht so greifen, wie erhofft. Weniger seriöse Anbieter umgehen die Regeln und auch etliche Spieler suchen bewusst nach Schlupflöchern. Viele Spieler stören sich beispielsweise an der 5-Sekunden-Regel. Statt seriöse Anbieter mit deutscher Lizenz zu nutzen, weichen sie vielfach auf im Ausland lizenzierte Anbieter aus, die nach wie vor auch deutsche Spieler ansprechen. Informationen dazu finden sich beispielsweise auf dieser Webseite.
Auch bei anderen Regelungen gibt es Probleme. So berichten immer wieder Suchtverbände und betroffene Spieler von Fällen, bei denen trotzt Sperreintrag das Spielen möglich war. Einige gesperrte Spieler gaben außerdem an, dennoch Werbung von Anbietern zu erhalten.
Das monatliche Einzahlungslimit zu umgehen, soll ebenfalls möglich sein. Hier stören sich Kritiker aber grundsätzlich auch an der Höhe von 1000 Euro. Selbst wenn dieser Grenzwert eingehalten wird, bedeutet er – so die Kritiker - bei einem normalen Durchschnittseinkommen einen ernsthaften finanziellen Einschnitt, der schnell in die Schuldenfalle führen kann.

Es mangelt an Kontrollen
Kritiker bemängeln hinsichtlich der aktuellen Ausführung des Glücksspielstaatsvertrages vor allem einen Mangel an Kontrollen und einer Nachverfolgung von Verstößen. Dafür soll in Zukunft eine zentrale Glücksspielbehörde zuständig sein. Diese befindet sich allerdings noch im Aufbau und soll erst ab 2023 vollständig ihre Tätigkeit aufnehmen. Bis dahin liegt die Zuständigkeit noch bei unterschiedlichen Behörden verschiedener Bundesländer.
Dort wurden, nach eigenen Angaben, bereits Verstöße nachverfolgt und Verfahren eingeleitet, nachdem es Hinweise von Suchtberatungsstellen und Verbrauchern gegeben hatte. Allerdings scheint das behördliche Vorgehen bisher eher lückenhaft zu sein.
Spielerinnen und Spieler, die Schutzmaßnahmen aktiv umgehen, indem sie beispielsweise Seiten mit ausländischer Lizenz nutzen, lassen sich aber auf diese Weise ohnehin nicht erreichen. Kritiker fordern deshalb auch, verstärkt in Aufklärung und Suchtprävention zu investieren.