Pflegebedürftigkeit

Umfrage: Große Mehrheit möchte nicht ins Heim

29.09.2022 | Stand 29.09.2022, 15:28 Uhr

Pflegeheim - Die meisten Deutschen möchten bei Pflegebedürftigkeit nicht in einem Heim untergebracht werden. Das ergab eine Befragung der Deutsche Stiftung Patientenschutz. - Foto: Jens Büttner/dpa

Wird ein Mensch zum Pflegefall, steht er oft vor der schweren Entscheidung: Zu Hause bleiben oder in ein Heim gehen? Patientenschützer wollten wissen, was Bürger in Deutschland auf diese Frage antworten.

Die große Mehrheit der Deutschen möchte einer Umfrage zufolge im Falle einer Pflegebedürftigkeit zu Hause und nicht im Pflegeheim betreut werden. 89 Prozent gaben in einer repräsentativen Befragung für die Deutsche Stiftung Patientenschutz an, im Bedarfsfall zu Hause von Angehörigen oder Pflegekräften versorgt werden zu wollen. Nur 9 Prozent würden eine Pflegeeinrichtung bevorzugen.

Die Stiftung wollte in einer zweiten Befragung zudem wissen, ob Betroffene im Falle einer schweren, nicht mehr zu Hause zu pflegenden Krankheit lieber in ein Pflegeheim gehen würden oder eher versuchen würden, eine sogenannte begleitende Suizidbeihilfe, also Hilfe zur Selbsttötung, zu bekommen. 54 Prozent würden sich dieser Umfrage zufolge für ein Heim entscheiden, immerhin 30 Prozent für die Suizidbeihilfe. 16 Prozent antworteten mit «weiß nicht» oder machten keine Angabe. Beide Studien lagen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Hunderttausende Hilfsbedürftige stünden jedes Jahr vor der Entscheidung, den letzten Lebensabschnitt in einem Pflegeheim zu verbringen, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, der dpa. Mit Blick auf die Umfrageergebnisse fügte er hinzu: «Dieser Entschluss ist weder bewusst noch frei. Denn ein solcher Wohnortwechsel ist eine absolute Notsituation und folgt eher dem Zwang.»

Brysch warf der Politik Versäumnisse vor. «Die Entscheidung, lieber tot als Pflegeheim, muss ein Weckruf für die Bundesregierung sein. Die Altenpflege hat endlich zukunftssicher, generationsgerecht und Würde wahrend umgebaut zu werden. Doch bisher herrschen hier Mangelverwaltung und politische Ignoranz.»

Service:

Als Hinweis für Ihre Leser: «Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.»

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