In sieben Schritten

Den ersten Job nach der Uni finden

10.11.2021 | Stand 10.11.2021, 5:03 Uhr

Wie gehts jetzt weiter? Kurz vor dem Abschluss sollten sich Studierende darüber klar werden, was genau sie beruflich machen wollen.- Foto: Novellimage/Westend61/dpa-tmn

Der Start ins Arbeitsleben nach der Uni ist aufregend. Und wird gleichzeitig von Unsicherheiten begleitet. Wie und wo findet man jetzt ein eine passende Stelle?

«Und, was willst du nach dem Abschluss machen?» Eine verhasste Frage unter Studierenden. Wird es ernst, tauchen aber schnell Herausforderungen auf.

Schließlich startet man beim ersten «richtigen» Job oft ohne viel einschlägige Berufspraxis in den Bewerbungsmarkt. Wie findet man da was Passendes? Eine Anleitung in sieben Schritten:

Schritt 1: Vorbereitungsphase

Wer lückenlos vom Studium ins Berufsleben übergehen möchte, sollte mit der Jobsuche etwa ein halbes Jahr vor Studienende beginnen, sagt Berufs- und Karrierecoach Bernd Slaghuis. Die Vorbereitung für den Berufseinstieg sollte am besten jedoch schon deutlich früher beginnen. «Zuerst muss man sich selbst darüber bewusst werden, was einem überhaupt zum Einstieg ins Berufsleben wichtig ist.»

Dirk Erfurth, Leiter des Career Service der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, unterscheidet zwischen dem tatsächlichen Bewerbungsprozess und der Orientierungsphase. «Wenn man ein Studium beginnt, muss man sich zuerst mit dem Uni-System vertraut machen», sagt Erfurth. In den ersten ein bis zwei Semester lassen sich bereits eigene Stärken erkennen.

Schritt 2: Berufsvorstellungen austesten

Ab dem zweiten Semester sollte man sich bewusst fragen, was man sich mittel- oder langfristig beruflich vorstellen könne, so Erfurth. Dann gehe es darum, praktische Erfahrung durch Nebenjobs, freie Mitarbeit oder Praktika zu sammeln.

Berufsberaterin Sabine Dietzsch von der Bundesagentur für Arbeit rät, sich zudem zu fragen, welche fachlichen Defizite das eigene Studium für die geplanten Berufseinstiegsrichtung hat. Gerade wenn das Studium breitgefächert ist, biete es sich an, bestimmte Schwerpunkte und Interessen wie BWL-, IT- oder Sprach-Kenntnisse zu vertiefen.

Schritt 3: Eigene Interessen identifizieren

Es kommt aber nicht nur auf akademische Leistungen oder Berufserfahrungen an. Slaghuis zufolge zeigen sich viele Interessen und Stärken im Alltag: Ist man eher der Typ für strategisches Denken oder packt man lieber an? «Wenn man sich selbst über längere Zeit beobachtet, lernt man dabei mehr als in jedem Stärkentest.»

Oft hilft es auch, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen, wie man überhaupt da hingekommen ist, wo man jetzt ist, sagt Erfurth. Warum habe ich mich für Literaturwissenschaften und nicht für Chemie entschieden? Was hat mich beflügelt?

Schritt 4: Sich den perfekten Job erträumen

Jetzt geht es darum, die eigenen Erwartungen an den potenziellen Traumjob herauszuarbeiten. Je nachdem, ob man den Fokus auf eine schnelle Karriere, auf Teamarbeit oder sinnstiftende Tätigkeiten legt, kommen unterschiedliche Tätigkeiten infrage.

Wer sich selbst darüber im Klaren ist, kann das in der Bewerbung besser kommunizieren, so Slaghuis. Eine realistische, aber selbstbewusste Vorstellung der eigenen Ziele und Erwartungen werte ein Bewerbungsanschreiben deutlich auf.

Schritt 5: Recherche und Netzwerken

Nach der Phase der Selbstreflexion ist die große Frage, wie und wo man den entworfenen Traumjob auf dem Arbeitsmarkt finden kann. Für die Recherche empfiehlt Dietzsch das Berufsinformationsportal «Berufenet» der Bundesagentur für Arbeit. Zudem kann man über Arbeitgeberstammtische, -vereine oder -verbände gehen.

Auf Karrieremessen - sofern sie unter den momentanen Umständen stattfinden - können sich Bewerberinnen und Bewerber und Arbeitgeber persönlich kennenlernen. Am besten informiert man sich vorab. Wer Visitenkarten oder Kurzbewerbungen dabei hat, kann sich direkt vorstellen und bleibt im Gedächtnis, so Berufsberaterin Dietzsch. Zum Netzwerken auf persönlicher Ebene gehöre aber auch, mit Familie, Freunden und Bekannten zu sprechen.

Daneben sind Plattformen wie Xing und Linkedin relevant, sagt Slaghuis. Dort könne man nicht nur seinen eigenen Lebenslauf präsentieren und nach offenen Stellen suchen, sondern auch sehen, über welche Stationen Menschen zu einer Position gekommen sind. Wer arbeitet bei Arbeitgebern, die man selbst attraktiv findet?

Dirk Erfurth ermuntert sogar dazu, über soziale Netzwerke mit Leuten aus der Branche in Kontakt zu treten und sich rund um den Beruf und die Anforderungen auszutauschen.

Schritt 6: Die passenden Stellen herausfiltern

Für den Bewerbungserfolg spielt neben dem passenden Unternehmen und Arbeitsumfeld vor allem die Stelle selbst eine entscheidende Rolle. Einsteiger-Stellen lassen sich oft an Formulierungen wie «Sie haben vor Kurzem Ihr Studium abgeschlossen» oder «Berufs- oder Quereinsteiger sind willkommen» erkennen, sagt Slaghuis.

Grundsätzlich sollte man sich nicht zu schnell abschrecken lassen. «Ich sehe kaum Lebensläufe von Absolventen völlig ohne Praxiserfahrung», sagt Slaguhis. Schließlich seien auch das Ehrenamt, das Work and Travel im Ausland oder der Nebenjob in der Gastronomie wertvolles Erfahrungswissen.

Einige punkten sogar mit den Tätigkeiten neben dem Studium mehr als mit dem Zeugnis selbst, sagt Erfurth. «Es ist wichtig, seine Perspektive zu erweitern und zu schauen, wo man die eigenen Stärken am besten einsetzen kann.»

Schritt 7: Kompromisse abwägen

Wie viel darf und kann man letztendlich vom ersten Job nach der Uni erwarten? «Kompromissbereitschaft ist für den Berufseinstieg sicher hilfreich, aber nur bis zu einer gewissen Grenze», sagt Berufsberaterin Dietzsch. Wer sich aber adäquat bewirbt, sollte zum Beispiel das entsprechende Berufseinstiegsgehalt einfordern.

Gleichzeitig empfiehlt Dietzsch, nach Möglichkeit «einen Fuß in die Tür zu bekommen», selbst wenn der Job vielleicht nicht alle Traumkriterien erfüllt. Oft gebe es im Unternehmen etwa Optionen zur Weiterentwicklung, die einem vielleicht anfangs nicht bewusst sind.

Slaghuis zufolge sollte man sich nicht zu sehr unter Druck setzen lassen. «Beim Übergang von der Uni ins Berufsleben ist eine Lücke im Lebenslauf nicht das Ende der Karriere.» Wer schon im Bewerbungsgespräch ein schlechtes Gefühl hat, darf auch absagen. Wahrscheinlich würde man sich dann im Unternehmen langfristig nicht wohlfühlen.