Kennzeichen: Alte werden wieder eingeführt

29.11.2021

Hinweis an unsere Leser:
Wir erstellen Produktvergleiche und Deals für Sie. Um dies zu ermöglichen, erhalten wir von Partnern eine Provision.

Welchen Stellenwert für viele die Identifikation mit ihrer Heimat einnimmt, lässt sich unter anderem an der Popularität der wiedereingeführten Ortskürzel für Kfz-Kennzeichen erkennen. Mehr als zwei Drittel aller betroffenen Fahrzeughalter haben bislang bereits Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, die ihnen seit der Wiedereinführung einst abgeschaffter Unterscheidungszeichen offensteht, und ihr bis dato gültiges Nummernschild gegen eine neue Buchstabenkombination eingetauscht.

Pro Landkreis ein Ortskürzel
Bildlich gesprochen war es eine reine Abfahrt, die Autofahrer in der Bundesrepublik hinsichtlich der Quantität ihrer KFZ Kennzeichen zwischen den 1960er-Jahren und November 2012 erlebten – denn den zahlreichen Gebietsreformen während dieses Zeitraums fielen zunächst in den alten und dann auch neuen Bundesländern mindestens ebenso viele Entscheidungszeichen zum Opfer. Mit jeder neuen Eingemeindung einer kreisfreien Stadt in umliegende Gebiete schwanden auch die entsprechenden Buchstabenkombinationen auf den Nummernschildern, bis die Anzahl mit knapp 400 Kennzeichen schließlich festzustehen schien.  

Mehr als nur eine Buchstabenkombination
Kfz-Kennzeichen in Deutschland sind sämtlich gleich aufgebaut. Sie bestehen aus dem Unterscheidungszeichen oder auch Ortskürzel, das den Zulassungsbezirk widerspiegelt, aus maximal drei Buchstaben besteht und sich nicht verändern lässt, sowie der Erkennungsnummer. Diese wird bei der Um- oder Anmeldung eines Wagens entweder nach dem Zufallsprinzip vergeben oder darf als Wunschkennzeichen beantragt werden – ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung ihres Kennzeichens für viele Fahrzeugbesitzer, von denen sich immer mehr für lustige Abkürzungen, Initialen oder Geburtstage entscheiden.

Umso größer war für viele die Freude, als 2012 die Kennzeichenliberalisierung in Kraft trat. Mit der Reform durch die Bundesregierung ging es also wieder bergauf: Es ist seitdem den Ländern vorbehalten, beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Altkennzeichen erneut zu beantragen.

Entscheidung liegt bei den Ländern
Die Länder selbst haben sich nicht zweimal bitten lassen: Mit mehr als 700 unterschiedlichen Ortskürzeln ist die Auswahl aller Möglichkeiten in Gesamtdeutschland inzwischen auf fast die doppelte Anzahl gestiegen. Dass so zahlreich Gebrauch von der Wiedereinführung ausgelaufener Altkennzeichen gemacht wurde, ist nicht zuletzt auch den Bürgern der betroffenen Kreisgebiete zu verdanken. Teilweise wurden sogar Petitionen ins Leben gerufen, um am Ende bei der Zulassungsstelle ein neues und damit gleichzeitig altes Nummernschild beantragen zu können.

Auch für neu eingerichtete Verwaltungsbezirke dürfen Anträge auf bislang nie dagewesene Unterscheidungszeichen beim BMVI eingereicht werden. Zwei Hürden muss die Buchstabenkombination auf dem Weg zur Genehmigung nehmen: Sie darf weder gegen die guten Sitten verstoßen noch bereits vergeben sein.

Imagegewinn und Heimatgefühle
Der ungebrochene Ansturm auf Kfz-Zulassungsstellen für einen Austausch des gegenwärtigen Kennzeichens gegen eines mit ganz neuen oder im Gegenteil vergangenen Ortskürzeln zeigt das große Interesse der Einwohner unterschiedlichster Regionen an der Identifizierung mit ihrer Heimat - auch über ihr Kraftfahrzeug. Trotz oder gerade wegen der heutigen schnelllebigen Zeit und zunehmenden Globalisierung sehnen sich viele nach einem Stück Geborgenheit und der Verbundenheit mit ihrem Wohnort.

Doch nicht nur Autofahrer freuen sich – auch die Gemeinden selbst profitieren gleich in zweierlei Hinsicht von der hohen Akzeptanz durch die Bürger: Je mehr Kraftfahrzeuge mit ihren Ortskürzeln auf den Straßen der Republik unterwegs sind, desto mehr steigt ihr Bekanntheitsgrad und damit ihr Imagegewinn. Zudem lässt sich auch der monetäre Faktor nicht beiseitelegen: Mit jedem neu beantragten Kfz-Kennzeichen füllen sich auch die Kassen. Denn ganz ohne Kosten verlassen Antragssteller die Kfz-Zulassungsstelle nicht – sowohl bei einer Neuanmeldung als auch Ummeldung eines Kraftfahrzeugs fallen Gebühren an. Damit scheint die Kennzeichenreform bislang ausschließlich positive Wirkung zu entfalten – für die betroffenen Gemeinden und ihre Einwohner.