Bund vs. Bayern

„Hopp oder Top“: Leckage von Isar 2 befeuert Streit um Laufzeit

20.09.2022 | Stand 21.09.2022, 7:56 Uhr

Dunkle Wolken ziehen über dem AKW Isar 2 auf. Aufgrund einer Leckage eines Druckventils ist ein Weiterbetrieb über das Jahresende hinaus wieder in der Diskussion. −Foto: dpa



Der für den Reservebetrieb des AKW Isar 2 notwendige Austausch eines Druckventils erhöht nach Ansicht Bayerns den Druck auf die Bundesregierung. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) müsse „jetzt endlich hopp oder top“ zur Laufzeitverlängerung sagen.



Mehr dazu: Leckage am AKW: Bund Naturschutz fordert schnelle Abschaltung von Isar 2

Das befand Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Dienstag in München. Der Betreiber, die Politik und die Wirtschaft müssten wissen, wie es sofort und ab Januar weitergehe.

„Im Falle einer - dringend nötigen - Laufzeitverlängerung müssen in den nächsten Wochen Wartungen vorgenommen werden, wie die Auswechslung des Ventils oder eine neue Zusammenstellung der Brennstäbe, um dann im neuen Jahr mehrere Monate ohne Unterbrechung durchproduzieren zu können“, betonte Aiwanger. Diese Wartungen müssten aber nicht erfolgen, wenn an Silvester Schluss sei. „Wer sich mit den technischen Fragen ernsthaft beschäftigt, muss diesen Hilferuf des Betreibers nach Entscheidung jetzt endlich erhören.“

Auch der für die Atomaufsicht in Bayern zuständige Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) deutet die Reparaturentscheidung nicht als Frage der Sicherheit des 1988 erbauten Meilers in Essenbach bei Landshut, sondern nur als politische Weichenstellung: „Es braucht jetzt endlich eine Entscheidung des Bundes und keine weitere Taktiererei“, sagte er in München. Es zeige sich, dass die Idee einer Kaltreserve der Kraftwerke Isar 2 und Neckar Westheim in Baden-Württemberg von Januar bis April keine gute Lösung sei. „Ein Kernkraftwerk ist kein Notstromaggregat. Jetzt zeigt sich, welche Hürden diese Idee in sich trägt.“

Lemke: Glaubers Informationspolitik „unseriös“

Bundesumweltministerin Steffi Lemke indes beklagt, keine früheren Hinweise aus Bayern erhalten zu haben. Insbesondere die Union und Umweltminister Glauber nimmt die Grünen-Politikerin dabei ins Visier, wie sie im Gespräch mit dpa deutlich machte. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und CDU-Chef Friedrich Merz hätten sich ja beide den Reaktor angeschaut und mit dem Betreiber gesprochen. „Ich frage mich schon, ob sie über die Leckage nicht informiert wurden, oder ob sie das Problem in ihrer Pressekonferenz am 4. August vor dem Reaktor einfach verschwiegen haben“, sagte Lemke der dpa. „Es stellt sich auch die Frage, warum Minister Glauber, immerhin Chef der bayerischen Atomaufsicht, nicht auf das Problem hingewiesen hat. Das ist einfach unseriös“, sagte sie weiter. Die bayerische Staatskanzlei weist den Vorwurf zurück. Man habe erst am Montag - und zwar aus den Medien - von einem defekten Ventil im Kraftwerk Isar 2 erfahren, sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage der dpa.

Die Informationspolitik von Preussen Elektra und der bayerischen Behörden steht auch bei Lemkes Parteikollegen in der Kritik. „Das wirft Fragen auf“, schrieb Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann im Internetdienst Twitter. Umweltverbände nahmen die Nachricht zum Anlass, auf ein Festhalten am Atomausstieg zum Jahresende zu dringen.

Grünen-Parteichefin Ricarda Lang wies auf Twitter darauf hin, dass die bayerische Landesregierung immer behauptet habe, ein Weiterbetrieb des Akw Isar 2 sei problemlos möglich. Stattdessen komme nun die Information über das Leck. „Die Mär vom sicheren Atomkraftwerk Isar 2 zerbröselt wie ein Butterkeks“, erklärte die bayerische Landtagsfraktion der Grünen.

Umwelthilfe: Isar 2 ist ein Sicherheitsrisiko

„Das neue Leck beweist: Das Atomkraftwerk Isar 2 ist ein Sicherheitsrisiko und muss sofort abgeschaltet werden“, erklärte die Deutsche Umwelthilfe. „Statt den Weiterbetrieb zu diskutieren, sollte das unsichere Atomkraftwerk schleunigst abgeschaltet werden“, forderte auch der Umweltverband BUND.

Am Montag war bekannt geworden, dass im Kraftwerk Isar 2 ein Druckventil im Kühlkreislauf derart verschlissen ist, dass es für einen Betrieb über den Jahreswechsel hinaus ausgetauscht werden muss. Die Reparatur müsste, dem Betreiber Preussen-Elektra zufolge, im Oktober erfolgen, da der Meiler ansonsten mangels Energie nicht wieder hochgefahren werden kann. Bisher hatte es immer geheißen, Isar 2 könne bis zum Jahresende unter Volllast laufen.

Ein ähnliches Problem gab es in Isar 2 übrigens schon zu Jahresbeginn. Damals musste das Akw für mehrere Tage vom Netz gehen.

dpa/afp

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