Mögliche Gefahren

So schützen Sie sich vor Hitze: Landshuter Experte im Interview

04.08.2022 | Stand 04.08.2022, 6:53 Uhr

Gerade für ältere Menschen kann Hitze durchaus Gefahren bergen. −Foto: 123rf

Von Corinna Mühlehner

„Brütende Hitze“ beschreibt die vergangenen Sommertage wohl am besten. Auch in Landshut zeigte das Thermometer teils um die 35 Grad. Wir haben bei Dr. Nils Wohlgemuth, leitender Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Landshut, nachgefragt, wie gefährlich die heißen Temperaturen sind und wie man sich am besten schützt.



Herr Dr. Wohlgemuth, ab wann wird Hitze für den Menschen gefährlich?

Dr. Nils Wohlgemuth: Pauschal gibt es nicht die eine Temperaturgrenze, die für den Menschen gefährlich ist. Denn man muss hier zwischen der Umgebungstemperatur sowie der inneren Körpertemperatur unterscheiden. Ein gesunder Mensch kommt mit mehreren heißen Tagen klar, denn dafür gibt es die körpereigene Temperaturregulation. Das bedeutet, der Körper produziert Schweiß und kühlt sich durch die damit einhergehende Verdunstung ab. Der Haken ist: Das muss auch funktionieren, sprich, die dafür nötige Flüssigkeit und der Blutsalzwert im Körper müssen ausreichen. Man schwitzt Salz aus, das wiederum Wasser nachzieht. Deshalb ist zum Beispiel ausreichend trinken so wichtig. Gefährlich wird es, wenn diese Temperaturregulation nicht mehr funktioniert und dadurch die innere Körpertemperatur zu weit ansteigt. Das ist dann wie ein provoziertes Fieber.

Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?

Das sind vorrangig ältere Personen und solche mit kardialen, also Herzerkrankungen. Auch Patienten, die Wassermedikamente nehmen, sind betroffen, da diese bereits Probleme haben, ihren Flüssigkeitshaushalt zu regulieren.

Achtgeben sollte man auch bei sehr kleinen Kindern, weil bei diesen die Temperaturregulation noch nicht so ausgeprägt ist. Zu den gefährdeten Personengruppen zählen zudem Menschen, die der Hitze nicht entgehen können. Das klassische Beispiel sind hier Arbeiter auf Baustellen.



Welche gesundheitlichen Folgen kann eine zu hohe Körpertemperatur haben?


Zum einen ist hier der Sonnenstich zu nennen. Das ist quasi die mildere Form. Ab 40 Grad wird es besonders gefährlich, dann sprechen wir vom Hitzschlag.

An welchen Symptomen erkennt man einen Sonnenstich?

Einen Sonnenstich erkennt man etwa an Kopf- und Nackenschmerzen. Der Kopf ist rot und heiß, es kann auch sein, dass der Person schwindlig ist oder sie sich erbricht.

Hier kommt es zwar zu einer Reizung der Hirnhäute, aber noch zu keinen lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen. Und: Die Haut schwitzt noch.

An welchen Symptomen erkennt man einen Hitzschlag?

Beim Hitzschlag sind die Symptome mit einem Schock vergleichbar. Das heißt: beschleunigter Herzschlag und niedriger Blutdruck. Weil auch das Gehirn anschwellen kann, sind zudem neurologische Folgen möglich, zum Beispiel Verwirrtheit und fehlende Orientierung. Im Falle eines Hitzschlags ist die Haut trocken, weil das Schwitzen nicht mehr normal funktioniert.

Wie reagiert man richtig, wenn jemand einen Sonnenstich oder einen Hitzschlag hat?

Wenn man weiß, dass jemand lange der Sonne ausgesetzt war und dann bemerkt, dass das Bewusstsein der Person getrübt ist, sie also zum Beispiel unsinnige Sachen von sich gibt oder orientierungslos wirkt, muss unbedingt der Rettungsdienst unter der 112 gerufen werden. Denn das weist auf einen Hitzschlag hin und der ist nicht mehr einfach so zu handhaben.

Im Falle eines Sonnenstichs sollte man die Person zunächst aus der Sonne und in den Schatten bringen. Dabei sollte die Person aber nicht gleich in eine Badewanne mit kaltem Wasser gesetzt, sondern behutsam heruntergekühlt werden. Wichtig ist es, den Kopf beziehungsweise das Gehirn zu kühlen. Da hilft es zum Beispiel, nasse Lappen auf Kopf und Nacken zu legen oder Luft zuzufächeln. Wenn die Person soweit bei Bewusstsein ist, ist es auch sinnvoll, ihr kalte Getränke zuzuführen. Aber kein Alkohol, denn der erweitert die Blutgefäße zusätzlich und ist eher kontraproduktiv. Auch sollte die Person nach Möglichkeit entkleidet werden – nicht ganz! Aber vor allem dicke Kleidung behindert das für die körpereigene Kühlung nötige Schwitzen.

Haben Sie noch weitere Tipps?

Wichtig ist: Wenn man merkt, dass jemand unvernünftig ist, also wenn zum Beispiel die Oma in der prallen Sonne sitzt und den ganzen Tag nichts trinkt, dass man einschreitet und präventiv handelt, um den Notfall gar nicht erst eintreten zu lassen.

Wurden am Klinikum Landshut in den vergangene Jahren mehr Patienten wegen Sonnenstichen oder Hitzschlägen behandelt?

Nein, das haben wir bei uns am Klinikum noch nicht bemerkt. Auch heuer sind nicht auffallend mehr oder weniger Patienten hitzebedingt behandelt worden.

Gibt es am Klinikum eine spezielle Abteilung für Hitzepatienten?

Nein, diese Fälle werden von der Notfall- bzw. der Inneren Medizin behandelt, denn man braucht da keine speziellen Maschinen oder Behandlungsmethoden. Wir sind auch sehr gut aufgestellt, sollte sich die Fallzahl tatsächlich erhöhen.

Braucht es von der Politik bessere Regelungen, etwa Hitzeschutzpläne? Sind Klimaanlagen in öffentlichen Räumen, wie etwa in Asien weit verbreitet, eine denkbare Lösung?

Tatsächlich sind zu arg klimatisierte Räume auch nicht das Gelbe vom Ei, denn diese fördern wiederum Atemwegserkrankungen und Ähnliches. Der einfachere Schritt wäre sicherlich zunächst einmal, sich präventiv zu verhalten, also Situationen zu meiden, die die Gefahr eines Sonnenstichs oder Hitzschlags erhöhen. Ich habe zum Beispiel auch schon Baustellen gesehen, auf denen mit Wasser vernebelt wurde. Wichtig ist aber immer: Ausreichend trinken!

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