Neuer Fund bei Kelheim

Rehe mit abgetrenntem Kopf: Gibt es einen Serientäter?

03.08.2022 | Stand 03.08.2022, 21:23 Uhr
Benjamin Neumaier

In den vergangenen Monaten wurden zwischen Wörth an der Donau, Sinzing und Kelheim mehrere entstellte Rehkadaver gefunden. −Symbolbild: Patrick Pleul

Ein Fall von Jagdwilderei beschäftigt die Kelheimer Polizei. Konkret geht es um ein Reh, dass bei Lohstadt ohne Kopf entdeckt worden ist. Für die Kelheimer Polizei der erste derartige Fall, doch im Landkreis Regensburg ist dieses brutale Muster leider allzu bekannt.



„Die zuständige Jagdpächterin aus dem Bereich in Kelheim meldete ein totes Rehgeis, welches sie bei Lohstadt ohne Kopf aufgefunden hatte“, meldete die Polizei Kelheim am Mittwoch. Da keine Anzeichen für eine Tötung durch normale Jagd vorhanden waren, werde vermutet, dass der Kopf entfernt wurde, um eventuelle Spuren von der Jagdwilderei und nicht sachgerechter Tötung zu verschleiern, schreibt die Polizei weiter.

In letzter Vergangenheit kam es zu ähnlich gelagerten Fällen im Raum Regensburg. Anfang Juni in Grafenried (Gemeinde Nittendorf), Anfang Juli bei Wörth a. d. Donau, Anfang Juli bei Sinzing und Anfang August bei Holzheim a. Forst. Jedes Mal ergab sich für den Finder dasselbe grausige Bild: Ein Reh ohne Kopf wurde gut sichtbar an einem Feldweg drapiert. Es hatte jeweils den Anschein, dass es gefunden werden sollte.

Bisher keine direkte Verbindung zwischen den Fällen

„Uns sind die Fälle aus Regensburg bekannt“, sagt die Polizei Kelheim auf Nachfrage. „Verlässliche Schlüsse auf einen Zusammenhang gibt es trotz der Ähnlichkeit der Fälle aber noch nicht.“ Florian Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz sieht aufgrund des „örtlichen und zeitlichen Zusammenhangs“, zwar eine „mögliche Verbindung der Fälle, direkte Indizien gibt es bisher aber nicht“. Demnach gebe es bisher auch keinen Tatverdächtigen, sagt Beck.

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Die Polizei vermute hinter den Taten entweder einen Trophäensammler oder die Vertuschung von Jagdwilderei. Letzterem gehe man nach. Die Polizeiinspektionen, in deren Gebiet die Fälle gemeldet wurden, seien in ständigem Austausch.

Sollen Bissspuren verschleiert werden?

Die Theorie Jagdwilderei stützt die Aussage eines Jägers, der eines der getöteten Rehe bei Sinzing fand. Wie er berichtet hatte, wurde der Kopf „sehr fachmännisch abgeschnitten“. Deshalb liege für ihn und die Polizei eine Vermutung nahe: Es könne sein, dass das Tier zuvor von einem Hund gerissen wurde. Um den Vorfall zu verschleiern, wurden die Bissspuren entfernt, indem der Kopf des Rehs abgetrennt wurde. „Ein Hund beißt im Bereich von Nacken und Hals zu. Da liegt diese Ursache nahe. Eine andere Erklärung gibt es eigentlich nicht“, berichtete ein Polizeisprecher bereits im Juli gegen über unserer Zeitung.

Und: In den Monaten zuvor wurden im etwa gleichen Gebiet bereits drei weitere Rehkadaver gefunden. Bei diesen Fällen waren im Gegensatz zu den in den vergangenen Wochen enthaupteten Tieren jedoch eindeutige Bissspuren sichtbar, sodass dort ein Hunderiss als Todesursache als sicher gelte.

Polizei sucht Zeugen

Ein grundsätzliche Gefahr für Rehe bestehe laut Beck zwar nicht, dennoch wolle man verhindern, dass weitere Tiere leiden müssen. Deshalb bittet die Polizei um Hilfe: „Wir bitten Jäger, Förster, Waldarbeiter oder auch Spaziergänger, die Augen offen zu halten“, sagt Beck. Es gehe dabei um Hinweise auf die Taten, aber auch Beobachtungen zu Fahrzeugen oder auffälligem Verhalten.

Wer sachdienliche Hinweise zu den oben genannten Fällen machen könne, solle sich mit der nächstgelegenen Polizeidienststelle in Verbindung setzen. Im aktuellen Fall wäre das die PI Kelheim, die unter der Telefonnummer 09441/50420 erreichbar ist.

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