Arbeitsmarkt weiter stabil: Aktuelle Lage später spürbar

30.11.2021 | Stand 01.12.2021, 22:07 Uhr

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet.- Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Weniger Langzeitarbeitslose, eine Arbeitslosenquote von unter 3 Prozent - in den Statistiken werden weiter positive Zahlen geschrieben. Fachleute schränken aber ein: Die vierte Corona-Welle wird sich erst später auf dem Arbeitsmarkt zeigen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im November leicht zurückgegangen. 216 270 Personen waren im Freistaat zum Stichtag 11. November arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das sind 3,0 Prozent weniger als im Oktober und rund 20 Prozent weniger als vor einem Jahr. «Aber der Schein trügt etwas», sagte der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart. «Die aktuellen pandemiebedingten Entwicklungen zeigen sich erst verzögert auf dem Arbeitsmarkt.» Die Arbeitslosenquote in Bayern lag im November wie auch schon im Oktober bei 2,9 Prozent.

Im November gab es den Angaben nach 68.212 Langzeitarbeitslose, also 1569 weniger als im Oktober. Das sind aber immer noch rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem gab es im November weniger neu gemeldete Arbeitslose und mehr Menschen, die eine berufliche Weiterbildung machten und an Maßnahmen teilnahmen.

«Sehr erfreulich ist, dass sich im Freistaat die Beschäftigung trotz Materialengpässen und Lieferschwierigkeiten weiterhin sehr positiv entwickelt», sagte Holtzwart. Rund 5,829 Millionen Menschen waren demnach im Freistaat im September laut aktuellsten Hochrechnungen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das sind rund 0,9 Prozent mehr als im September 2019 vor der Corona-Krise. Es bliebe abzuwarten, wie sich die aktuellen Gegebenheiten auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung auswirkten, sagte Holtzwart.

«Die Zahlen spiegeln die reale Lage und die Stimmung in den Unternehmen derzeit nicht wider», sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt. Die Lage für die Unternehmen sei weiterhin verunsichernd und werde durch Materialmangel und Lieferengpässe verschärft. Den von der Ampelkoalition im Bund angekündigten Mindestlohn von 12 Euro kritisierte er. Das bedeute eine 25-prozentige Personalkostensteigerung - «das geht gar nicht».

Bayerns Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, sie unterstütze die erneute Verlängerung der Sonderregelungen zur Kurzarbeit um weitere drei Monate bis Ende März 2022. An die Unternehmen appelliere sie, die Zeit der Kurzarbeit soweit irgend möglich auch für die Qualifizierung der Beschäftigten zu nutzen. Die erneute Verlängerung solle keine Dauerlösung sein und dürfe die Stabilität der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nicht gefährden.

Insgesamt waren im November fast 140 000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet, das ist deutlich mehr als vor der Corona-Krise. «Dieser Wert ist allerdings nicht nur positiv zu sehen», sagte Regionaldirektion-Chef Holtzwart. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei hoch, man könne sie aber nur bedingt mit den gemeldeten Arbeitslosen decken. Fast die Hälfte von ihnen sind Helfer, gleichzeitig werden für drei Viertel der Stellen aber Fachkräfte und Experten gesucht.

Die höchste Arbeitslosenquote verzeichneten im November die Städte Hof (5,2 Prozent), Nürnberg (5,3) und Schweinfurt (5,8). Am niedrigsten war sie in den Landkreisen Donau-Ries (1,6) und Eichstätt (1,5).

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