Große Trauer

„Ein Original geht verloren“: Landshuter DJ bei Wohnungsbrand gestorben

10.11.2021 | Stand 11.11.2021, 10:08 Uhr

Adrian Paul, eine feste Größe des Landshuter Lebens, starb mit 47 Jahren. −Foto: Klaus Roider

Als Original, als Koryphäe von Mensch, so beschreiben Adrian Paul seine Freunde. Von diesen hat er reichlich gehabt. „Von 100 Leuten hat er 120 gekannt“, sagt Christian Buchner, einer seiner langjährigen Weggefährten.

In den frühen Sonntagmorgenstunden ist „DJ Adrian“, wie Adrian Paul den Landshutern auch bekannt war, im österreichischen St. Johann im Pongau bei einem Wohnungsbrand auf tragische Weise ums Leben gekommen. Landshut trauert um einen offenherzigen, charmanten (Lebens-)Künstler, der die Nacht zum Tag machen konnte und der auf Menschen gewirkt hat.

Antworten dazu, was in der Nacht auf Sonntag genau geschehen ist, stehen laut Polizei noch aus. „Bis zwei Uhr früh war er noch bei Freunden, dann hat er seine neue Bar zugesperrt und ist nach Hause gegangen“, sagt Christian Buchner, Sprecher der Marktkaufleute und Schausteller. Er kennt Adrian Paul seit rund 20 Jahren. Kontakte in Österreich berichteten ihm von den Ereignissen.

Erst vor Kurzem Bar eröffnet

Die neue Bar hat Adrian Paul erst vor zwei Wochen – am 29. Oktober – offiziell eröffnet. Vor 14 Tagen habe er ihn noch gesehen, da sei Adrian Paul mit dem LKW bei ihm vorbei gefahren, habe Einrichtung für die Bar nach Österreich gebracht, sagt Klaus Roider von der Avis Autovermietung in Landshut, ebenfalls ein langjähriger Freund des Verstorbenen. „In Österreich wollte er sein zweites Leben beginnen.“ In einer schwierigen Zeit, in der sich wohl kaum jemand traut, Gastronomie zu eröffnen, hat Adrian Paul die Herausforderung angenommen. „Er war auch dort sofort bekannt und beliebt“, sagt Christian Buchner. Nicht nur als Gastronom, als DJ, als Entertainer, auch als Musiker: „Wenn er gesungen hat, war das ganze Wirtshaus still.“

Vor allem aber erinnern sich seine Freunde an Adrians Pauls Hilfsbereitschaft, an seine humorvolle, „nie grantige“ Art, die jedem ein Lachen aufs Gesicht zaubern konnte. „Er hat keine Unterschiede zwischen Arm und Reich gemacht, er war gutmütig, ein liebevoller Verrückter mit Flausen im Kopf, den man nicht bremsen konnte“, sagt Buchner. „Als DJ hat er Party gemacht und so richtig aufdrehen können. Ein Original geht verloren.“

Seit Jahrzehnten in der Szene

Seit Jahrzehnten hat er sich in der Szene bewegt, war vor allem auch bei jungem Publikum beliebt. Wohl mit etwa 17 Jahren habe er als DJ angefangen, erinnert sich Roider. „Er war die absolute Nummer Eins in Landshut. Entertainment war sein Element. Unwahrscheinlich gesellig, charmant und lustig. Wir sind auf die Dult gegangen und kamen keine zwei Meter weit, weil ihn überall Bekannte angesprochen haben.“

Als kleiner Bub kam Adrian Paul nach Landshut. Ursprünglich stammte er aus Rumänien.

Nach Landshut solle er nach seinem Tod auch zurückkehren, so Christian Buchner: „Seine Eltern sind hier begraben, und er hat mir gesagt, dass er hier sein wolle. Wir, viele Freunde und Familie, etliche Gastronomen und Bedienungen wollen ihm das letzte Geleit geben.“

Adrian Paul wurde 47 Jahre alt. Er hinterlässt eine Tochter und einen Sohn. Wenn man Freunde fragt, was wohl sein Wunsch gewesen wäre, antworten sie: „Dass sich jeder verträgt, dass keiner aufeinander böse ist und dass die Musik wieder spielt.“

− vb

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