12.12.2020, 21:31 Uhr

Die Polizei ermittelt Vorsicht vor dubiosen Jobangeboten im Netz

 Foto: Ursula Hildebrand Foto: Ursula Hildebrand

Bereits vergangene Woche ist den Ermittlern ein weiterer Schlag gegen eine kriminelle Vereinigung so genannter Callcenter-Betrüger in der Türkei gelungen. Geschädigte gibt es auch in Niederbayern.

Niederbayern. Zusammen mit dem Polizeipräsidium München und den türkischen Behörden ermittelte die Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern eine weitverzweigte Bandenstruktur innerhalb des von der Türkei aus und bis nach Niederbayern agierenden Callcenters.

Geldabholer und Kurierfahrer über Online-Anzeigen rekrutiert

Bereits Ende Oktober 2020 ist es den Ermittlern der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern gelungen, einen 33-Jährigen aus Plattling festzunehmen. Der 33-Jährige, der im Internet auf eine Annonce als Kurierfahrer gestoßen war, betätigte sich dabei mindestens seit Mitte September 2020 in rund zehn Fällen als Abholer von zum Teil sechsstelligen Bargeldsummen und Gold im Gesamtwert von über einer Million Euro. Die Wertgegenstände und das Bargeld sind überwiegend anschließend an einen anderen Kurier zum Weitertransport nach Berlin abgegeben worden.

Als „Aufwandsentschädigung“ für seine Kurierfahrten, die sich von Deggendorf, Straubing, Prien am Chiemsee bis nach Ulm erstreckten, erhielt der 33-Jährige neben einer Kilometerpauschale einen mittleren vierstelligen Geldbetrag. Der 33-Jährige sitzt nun seit seiner Festnahme am 27. Oktober auf Antrag der Staatsanwaltschaft Deggendorf wegen dringenden Tatverdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in einer Justizvollzugsanstalt ein.

Vorsicht vor dubiosen Jobangeboten im Netz

Die Angebote wirken auf den ersten Blick seriös, der vermeintliche Arbeitgeber wirbt mit „echt wirkenden Arbeitsverträgen“. Auf einschlägigen Online-Jobbörsen und über Annoncen in den regionalen und überregionalen Zeitungen wird mit „dem schnell verdienten Geld“ geworben. Wie im konkreten Fall des 33-Jährigen soll die Tätigkeit u. a. in der Entgegennahme von Waren/Lieferungen bestehen und diese dann entsprechend den vorherigen Absprachen mit dem vermeintlichen „Arbeitgeber“ weitertransportiert werden. Der Kurierdienst dient in der Regel lediglich dazu, die Spur zu den Hintermännern zu vereiteln.

Neben den zivilrechtlichen Forderungen macht sich der Kurierfahrer wegen Geldwäsche bzw. des Betrugs oder der Beihilfe zum Betrug strafbar. Das Polizeipräsidium Niederbayern warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich davor, derartige Jobangebote sorglos und ohne Hinterfragen anzunehmen.

Ständig neue Betrugsmasche

Wie dreist und rücksichtslos die Hintermänner der Betrüger agieren, belegen die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern.

Nachdem der 33-jährige Kurierfahrer festgenommen wurde, nahmen die Betrüger erneut mit einer Seniorin aus dem Raum Deggendorf telefonisch Kontakt auf. Dreist haben sich die Anrufer in mehreren darauffolgenden Gesprächen unter anderem als LKA-Beamte ausgegeben bzw. vorgespiegelt, die Anrufer der vorausgegangenen Taten seien zu den kriminellen Handlungen gezwungen worden und bitten das Opfer nun darum, „sie aus den Fängen der Ganoven freizukaufen“.

Ermittlungen dauern an

Mit Durchsuchung von insgesamt 48 Wohnungs- und Geschäftsräumen und zahlreichen Festnahmen in der Türkei erhoffen sich die niederbayerischen Ermittler Hinweise auf weitere Taten in Niederbayern und Tatstrukturen.

Über 100 Millionen Euro Vermögen beschlagnahmt

Bei der Aktion im Zusammenhang mit dem türkischen Callcenter sind über 100 Millionen Euro Vermögen, einschließlich Immobilienbesitz beschlagnahmt worden. Neben 1,5 Millionen Euro stellten die türkischen Behörden noch 200.000 US-Dollar, fünf Kilogramm Gold, 41 hochwertige Fahrzeuges sicher und pfändeten drei Hotels und über 80 Luxuswohnungen und Büroräume.

In wie weit den Geschädigten der zum Teil immense Vermögensschaden aus den in der Türkei beschlagnahmten Vermögenswerten ersetzt werden kann, wird derzeit im Rahmen der weiteren Ermittlungen geprüft.


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