04.10.2019, 09:48 Uhr

Alle Fachbereiche parallel aktiv Ausbildungsmarathon bei der Straubinger Feuerwehr


Die letzten beiden Septemberwochen hatten es bei der Feuerwehr in sich. Erstmals waren alle Fachbereiche fast gleichzeitig in Aktion. Auftakt bildete auch heuer wieder das gemeinsame Ausbildungswochenende der Fachbereiche CBRN und UG-ÖEL mit einer gemeinsamen Gefahrgutübung, bei der schwerpunktmäßig die Zusammenarbeit mit der Integrierte Leitstelle Straubing (ILS), dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) der Chemischen Industrie auf dem Plan stand. Weitere Ausbildungsveranstaltungen der anderen Fachbereiche schlossen sich an und nutzten die Septembertage für die Intensivierung der Ausbildung ihrer Spezialkräfte.

STRAUBING Eine gute und umfassende Ausbildung ist die Grundlage für das Gelingen eines jeden Feuerwehreinsatzes. Je intensiver und öfter Abläufe trainiert werden, desto zielstrebiger kann eine Einsatzsituation bewältigt werden. Genau hier setzten die letzten zwei Wochen im September mit diversen Ausbildungsveranstaltungen der Fachbereiche der Feuerwehr Straubing an.

Dreitägiges Ausbildungswochenende in Wullendorf mit Gefahrgutübung

Auftakt der Ausbildungsreihe bildete wie schon in den letzten drei Jahren das gemeinsame Ausbildungswochenende der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) und der Gefahrguteinheit, die seit dem letzten Jahr unter dem neuen Begriff „CBRN“ geführt wird. Unter CBRN-Gefahren versteht man den Schutz vor den Auswirkungen von chemischen (C), biologischen (B) sowie radiologischen (R) und nuklearen (N) Gefahren.

Schwerpunkte des dreitägigen Wochenendes in Wullendorf waren im Bereich der UG-ÖEL der Aufbau und die Inbetriebnahme des Einsatzleitwagens samt seiner Technikkomponenten und die Erprobung des neuen Führungsstellenkonzeptes. Genutzt wurden die idealen Bedingungen auch für die Pilotenausbildung des Quadrokopters „VITUS“, denn ohne die vorgeschriebenen Mindestflugstunden verlieren die VITUS-Piloten ihre Befähigung ein sogenanntes „UAV“, unmanned aerial vehicle (auf Deutsch ein „unbemanntes Luftfahrzeug“), zu fliegen. Ergänzt wurde die Ausbildung mit Wetterkunde, Luftfahrtregeln und dem richtigen Einsatz der Kameras.

Bei CBRN standen neben dem Aufbau und Betrieb einer Dekontaminationsstelle vor allem Gewöhnungsübungen mit den Chemikalienschutzanzügen (CSA) auf dem Programm. In zwei Durchgängen mussten die Chemikalienschutzanzugträger mehrere Stationen durchlaufen und dort unter anderem Flüssigkeiten anhand PH-Indikatorstreifen, Ölnachweisstreifen und Wassernachweispaste analysieren oder einfache handwerkliche Tätigkeiten durchführen. Die jeweiligen Ergebnisse mussten über Funk an die ebenfalls eingerichtete Atemschutzüberwachungsstelle übermittelt werden. Im Alltag ganz einfache Dinge, die aber unter den erschwerten Bedingungen im Vollschutzanzug für die CSA-Träger zu großen Herausforderungen werden können. Am Ende des Parcours stand schließlich die Dekontaminationsstelle, durch die alle CSA-Träger, wie in einem richtigen Einsatz, aus dem Gefahrenbereich ausgeschleust wurden.

Gefahrgutübung Höhepunkt – Zusammenarbeit mit ILS, DWD und TUIS geprobt

Höhepunkt des Ausbildungswochenendes war eine gemeinsame Gefahrgutübung, bei der es hauptsächlich um die Erkundung und das Zusammenspiel der beiden Einheiten ging. Nachdem die Einsatzkräfte der UG-ÖEL eine Führungsstelle für die Einsatzleitung außerhalb der Sichtweite zur Unfallstelle aufgebaut und in Betrieb genommen hatten, wurden begonnen mit dem Quadrokopter „VITUS“ Luftaufnahmen in die Einsatzleitung zu übermitteln, damit sich der Einsatzleiter und der Fachberater Gefahrgut ein erstes Bild von der Lage machen konnten. Zusätzlich wurden verschiedene visuelle Tests aus der Luft, wie z.B. das Erkennen von Füllständen mit der Wärmebildkamera oder das Ablesen von Gefahrgutkennzeichnungen durchgeführt. Parallel dazu rüsteten sich Fachkräfte der CBRN-Einheit mit Vollschutzanzügen aus und unterstützten die Erkundung direkt an der angenommenen Unfallstelle. Die dort ermittelten Ergebnisse wurden per Funk in die Einsatzleitung gemeldet, in der mit der Identifizierung der Stoffe begonnen wurde. Jetzt kamen auch die Integrierte Leitstelle (ILS) und die TUIS-Einsatzzentrale in Gendorf mit ins Spiel. Gemeinsam versuchte man die Stoffe und die damit verbundenen Gefahren zu ermitteln. Für den in so einem Fall wichtigen Informationsaustausch kam dabei die komplette Technik des Einsatzleitwagens zum Einsatz und es wurde sowohl über Telefon, E-Mail als auch über Satelliten auf direktem Wege mit den beiden Fachstellen kommuniziert. Schritt für Schritt wurden alle Stoffe identifiziert und die geeigneten Maßnahmen in die Wege geleitet. Anhand der jetzt feststehenden Stoffe wurde auch der Deutsche Wetterdienst kontaktiert und eine genaue Ausbreitungsvorhersage der angenommenen Gefahrstoffwolke mit den aktuellen Wetterdaten angefordert. Mit diesen Informationen konnten nur die CBRN-Spezialisten beginnen, die Gefahrstoffe zu sichern. Kurz vor Beendigung des ersten CSA - Trupps wurde ein CSA Notfall eingespielt und es musste dieser „verunglückte“ Kamerad gerettet und ordentlich dekontaminiert werden. Auch hier wurde wieder die DEKON - Stufe 2 komplett aufgebaut und betrieben. Nach rund vier Stunden waren alle gesetzten Übungsziele erreicht und die Übung wurde beendet.

Fachbereiche Bootsführer, Maschinisten und Flughelfer gleichzeitig aktiv

Parallel zum Ausbildungswochenende in Wullendorf waren auch andere Fachbereiche der Feuerwehr Straubing aktiv. So verbrachten die Bootsführer fast einen kompletten Samstag auf der Donau. Immer wieder wurden das Slippen bei Niedrigwasser, das Ankern im Strom und verschiedensten Fahrmanöver mit Schlauch- und Mehrzweckboot trainiert.

Im Bereich der Maschinisten stand u.a. die Ausbildung am Rüstwagen auf dem Programm. Trainiert wurde hier der Einsatz der Seilwinde, des Lichtmastes und des eingebauten Stromerzeugers. Auch der Einsatz der Schlaubootes des Rüstwagen wurde ausgebildet. Zusätzlich begann ein Lehrgang für alle zukünftigen „Drehleitermaschinisten“, der Ende des Jahres seinen Abschluss findet.

Die Flughelfergruppe der Feuerwehr Straubing präsentierte sich anlässlich des 160jährigen Bestehen der Feuerwehr Passau beim dortigen „Erlebnistag Feuerwehr“. Hier nutzte man die Gelegenheit die Flughelfergruppe der Feuerwehr Straubing, die im Notfall auch für den Bereich Passau zuständig ist, der Öffentlichkeit und den Fachbesuchern zu präsentieren.

Atemschutz-Trainings-Tag interessanter Abschluss

Den Abschluss dieser intensiven Septemberwochen bildete der Atemschutz-Trainings-Tag, der heuer erstmals vom Fachbereich Atemschutz ausgerichtet wurde. Neben dem üblichen Grundlagentraining mit Gerätekunde stand das richtige Auf- und Abrüsten im Einsatz mit der dazugehöriger Schwarz-Weiß-Trennung auf der Agenda. Die Schwarz-Weiß-Trennung wird immer wichtiger und soll dafür sorgen, dass keine Schadstoffe von der Einsatzstelle bis in die Feuerwache oder sogar in das heimische Schlafzimmer verschleppt werden. Dazu gehört auch die richtige und konsequente Einsatzstellenhygiene.

Weitere Trainingsthemen für die teilnehmenden Atemschutzgeräteträger waren die Leinensicherung und -führung und das Absuchen eines Raumes unter Nullsichtbedingungen. Abgerundet wurde der interessante Ausbildungstag mit den Themen Schlauchmanagement und Strahlrohrtraining.

Stadtbrandrat Stephan Bachl, der bei fast allen Ausbildungsveranstaltungen persönlich als Beobachter vor Ort war, sprach allen Einsatzkräften der beteiligten Fachbereiche seinen Dank aus und zeigte sich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Er dankte den freiwilligen Helfern für den zusätzlichen Zeitaufwand und die Bereitschaft sogar ein komplettes Wochenende für Feuerwehr zu opfern.


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