21.11.2017, 21:43 Uhr

Großdealer festgenommen Bundeskriminalamt zerschlägt Coburger Drogenhändlerring

(Foto: Polizei)(Foto: Polizei)

Ende Oktober gelang den Drogenfahndern des Kommissariats 4 der Coburger Kriminalpolizei in enger Zusammenarbeit mit der oberfränkischen Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI/Z) und der Staatsanwaltschaft Coburg ein bedeutsamer Schlag gegen eine sechsköpfige Bande von Rauschgifthändlern im Landkreis Coburg.

LANDKREIS COBURG Die verdeckten Ermittlungen führten die Rauschgiftfahnder auch zu einem Großdealer in die Niederlande, den Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) Anfang November in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) festnahmen. Insgesamt wurde Rauschgift im zweistelligen Kilogrammbereich sichergestellt.

Bande junger Leute beherrschte die örtliche Drogenszene

Verdeckt ermittelnde Kriminalbeamte waren Mitte Oktober zunächst auf die Spur eines erst 15 Jahre alten Kleindealers gekommen, der seine illegalen Geschäfte mit Marihuana vorwiegend im Raum Neustadt b. Coburg abwickelte. Trotz seines jugendlichen Alters bot der Dealer größere Mengen an Drogen zum Kauf an. Im Rahmen der folgenden Ermittlungen sammelten die Rauschgiftsachbearbeiter weitere Erkenntnisse über Hintermänner und deren Organisationsstruktur. Als sich in der vorletzten Oktoberwoche in Neustadt b. Coburg ein größeres Drogengeschäft abzeichnete, überwachten die Drogenfahnder bereits zwei Hauptverdächtige. Bei der Rauschgiftübergabe konnten weitere sechs Tatverdächtige angetroffen und festgenommen werden. Unter acht festgenommenen Männern aus dem Landkreis Coburg im Alter von 15 bis 22 Jahren befand sich auch der 18-jährige Kopf der Drogenbande. Das Ausmaß auf den örtlichen Drogenhandel und die intensive Vernetzung in die hiesige Rauschgiftszene konnten die Ermittler aber erst durch die nun folgenden intensiv geführten Vernehmungen herausarbeiten.

Sieben Kilo Marihuana und zahlreiche Beweismittel sichergestellt

Während die Kriminalbeamten bereits bei der Drogenübergabe rund 2,2 Kilo Marihuana sicherstellten, entdeckten Unterstützungskräfte der operativen Ergänzungsdienste aus Coburg bei den anschließenden, von der Staatsanwaltschaft Coburg erwirkten Wohnungsdurchsuchungen eine Vielzahl weiterer Beweismittel. Die Polizisten konnten Computer, Laptops und eine Vielzahl von Handys sicherstellen, die teilweise als „Arbeitshandys“ für die illegalen Geschäfte genutzt wurden. Ein Bandenmitglied offenbarte schließlich den gemeinsam genutzten Bunker der kriminellen Gruppierung. In der von den Drogenfahndern ausfindig gemachten Garage in Neustadt b. Coburg stellten sie weitere 4,8 Kilo Marihuana sicher.

Auch die Durchsuchung eines Waldstückes im Umfeld von Neustadt b. Coburg führte zu erneuten Sicherstellungen. In mehreren Erdbunkern hatten die Jugendlichen nämlich Plastikcontainer eingegraben und darin Bargeld, Computer aber auch weiteres Rauschgift verschiedenster Art versteckt.

Bandenmäßig gut organisiert

Außerdem kamen die Polizisten einer 17-jährigen Komplizin auf die Spur, die den jungen Männern bei der Abwicklung der Drogengeschäfte behilflich war. Nach übereinstimmenden Angaben fungierte die Jugendliche als „Sekretärin“ der Bande. Sie erledigte Telefongeschäfte, Verpackungstätigkeiten und wickelte auch „Kundengespräche“ ab. Auch die Vertretung des „Chefs“, wie der 18-jährige Kopf der Bande offiziell genannt wurde, oblag der jungen Frau.

Es folgte schließlich auch die Festnahme eines 18-jährigen Bandenmitgliedes am darauffolgenden Tag, der die Gruppe mit seinem Fachwissen als Computerspezialist unterstützte. Die Aufgabe des IT-Fachmanns war die Nutzung des sogenannten Darknet, einem anonymen Bereich des Internets, da dem „Chef“ das hierzu nötige Fachwissen fehlte.

Um ihre illegalen Geschäfte möglichst zu verschleiern, hatte die Bande bei umliegenden Bankinstituten eigens Schließfächer angelegt, die von den Kriminalbeamten jedoch ausfindig gemacht und mit richterlichen Beschlüssen durchsucht wurden. Die Ermittler stellten dabei mehrere tausend Euro an offensichtlichen Drogengeldern sicher.

Aufgrund der mittlerweile erdrückenden Beweislast ergingen gegen alle Bandenmitglieder auf Antrag der Staatsanwaltschaft Coburg Untersuchungshaftbefehle. Erschreckend bezeichneten selbst die erfahrenen Rauschgiftfahnder der Kriminalpolizei Coburg die Tatsache, dass sie es mit einem sehr jungen Täterkreis zu tun hatten. Trotz ihres jugendlichen Alters wirkten alle Tatverdächtigen bereits sehr strukturiert, arbeitsteilig und mit hoher krimineller Energie eng zusammen.

Strukturen führten zu Hintermännern und Abnehmern bis in die Niederlande

Im Rahmen der nun folgenden Vernehmungen der Beschuldigten erlangten die Kriminalbeamten wichtige Erkenntnisse zu weiteren Komplizen der gut vernetzten Rauschgiftszene, wodurch die Ermittler bislang zwölf weitere Abnehmer der Drogen aufdecken konnten. Eine Spur führte die Coburger Kriminalbeamten auch zu einem Hintermann in den Niederlanden, der seine im großen Stil geplanten Drogengeschäfte vorwiegend über das Darknet abwickelte. Intensive Ermittlungen im Umfeld und Erkenntnisse aus operativen Maßnahmen brachten die Drogenfahnder auf die wahre Identität des Dealers. Gegen den 28-jährigen Deutschen, der seinen überwiegenden Aufenthaltsort in den Niederlanden hat, führte bereits das Bundeskriminalamt umfangreiche Ermittlungen. Seit August 2018 führte er insgesamt 27 Kilogramm Marihuana nach Deutschland ein, um diese von der holländischen Grenze aus auf verschiedenen Versandwegen in den Coburger Raum zu versenden. Die drei bis zehn Kilo schweren Postsendungen nahm er als Hotelgast in und um Coburg entgegen und gab die Ware schließlich an die jugendlichen Rauschgifthändler weiter. Als sich der Tatverdacht gegen den 28-Jährigen ausreichend erhärtet hatte, erwirkte die Staatsanwaltschaft Coburg auch gegen ihn einen Haftbefehl.

Großdealer nach Grenzübertritt festgenommen

Die Beamten des Bundeskriminalamtes nahmen den Großdealer daraufhin Anfang November, nach seiner Einreise in die Bundesrepublik, im nordrhein-westfälischen Bocholt fest. Mittlerweile sitzt er ebenso in einer Justizvollzugsanstalt ein. Die Ermittlungen der Coburger Drogenfahnder und des Bundeskriminalamtes zu weiteren Hintermännern und Abnehmern dauern an.


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