14.01.2021, 15:05 Uhr

Prozess 25-Jährige wegen versuchten Mordes vor Gericht – Angeklagte räumt Tatvorwurf ein

Die Angeklagte mit ihrem Verteidiger beim Prozessauftakt am 14. Januar 2021. Foto: Kathrin LechlDie Angeklagte mit ihrem Verteidiger beim Prozessauftakt am 14. Januar 2021. Foto: Kathrin Lechl

Am Donnerstag, 14. Januar, begann am Landgericht Regensburg ein Prozess wegen versuchten Mordes. Die Angeklagte soll im Mai 2020 versucht haben, ihren Vater in der gemeinsamen Wohnung in Regensburg mit einem Küchenmesser tödlich zu verletzen.

Regensburg. Beim Prozessauftakt gab die Angeklagte durch ihren Verteidiger eine Erklärung ab. Die Vorwürfe seien im Kern zutreffend, soweit sie sich krankheitsbedingt erinnern könne. Weitere Angaben zur Tat machte die 25-Jährige nicht, schilderte dem Gericht jedoch sehr detailliert ihren Lebenslauf, insbesondere ihren Alkohol- und Drogenkonsum betreffend.

Sie sei in Regensburg geboren worden und mit ihren Eltern und ihrem Bruder aufgewachsen. Als Kind sei sie öfter alleine zuhause gewesen. Ihr Vater, so berichtete die Angeklagte, sei „starker Alkoholiker“ gewesen und habe Bierflaschen gegen Türen geworfen. Gewalttätig sei er aber nie geworden. Die Alkoholprobleme ihres Vaters hätten sich laut ihren eigenen Angaben nach einem Umzug gebessert. Mit 14 Jahren sei sie durch eine Mitschülerin beeinflusst worden und habe selbst angefangen, regelmäßig Alkohol zu trinken. Des Öfteren sei sie „ausgeflippt“ und ein paar Mal sei sie ins Krankenhaus eingeliefert worden. Auch zu einem Straßenverkehrsgefährdungsdelikt sei es gekommen.

Die 25-Jährige erklärte, dass sie „immer emotional ergriffen von Dingen“ gewesen sei und Aufmerksamkeit erlangen habe wollen und dass sich jemand um sie sorgt. Als sie mit 22 Jahren auf einen alten Freund getroffen sei, habe sie angefangen, jeden Tag mit gemeinsamen Freunden Cannabis zu rauchen. Nach dem Bruch dieses Freundeskreises habe sie sich „kaputt und leer“ gefühlt und ein autoaggressives Verhalten entwickelt. Irgendwann habe sie über eine App einen Mann kennengelernt und getroffen, dieser habe sie aber manipuliert. Auch bei ihrem Ex-Freund glaube sie, narzisstische Züge erkannt zu haben. 2019 habe sie beschlossen, nach Berlin zu gehen, wo sie insgesamt zwei Mal für mehrere Monate gewesen sei und dafür ihre Hündin zurückgelassen habe. In Berlin habe sie einen Job gesucht, dies habe jedoch nicht geklappt und sie habe wieder angefangen zu rauchen. Ende 2019 sei sie wieder zurück zu ihren Eltern gegangen und habe dort den Großteil der Zeit im Bett verbracht.

Die erste Zeugin im Prozess war am Donnerstagvormittag die Mutter der Angeklagten, die ebenfalls zur Tat selbst keine Angaben machte, aber zu den „Begleitumständen“ ausführlich berichtete. Ihre Tochter habe Drogen geraucht, das habe sie gerochen und an ihrem Gesichtsausdruck gesehen. Die Zeugin schilderte auch, dass ihre Tochter psychische Probleme habe und mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Im Gefängnis habe sich der Zustand der Angeklagten gebessert und sie hätte keine Anfälle mehr gehabt. Sowohl der Vater als auch die Mutter seien finanziell immer für ihre Tochter da gewesen, die Zeugin berichtete zum Beispiel, dass sie ihrer Tochter Geld gab, als diese sich eine Hündin kaufen wollte. Die Nachfrage der Sachverständigen, ob ihre Tochter sich manchmal verfolgt gefühlt habe, bejahte die Zeugin.

Der Prozess wird am Mittwoch, 27. Januar, fortgesetzt.


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