09.09.2020, 12:55 Uhr

Polizeiübung Schüsse und Schreie – Regensburger Polizei übt eine „lebensbedrohliche Einsatzlage“


Ein Notruf, laute Schüsse und Schreie, mehrere verletzte Personen, ein extremistischer Täter – bei diesem Szenario am Mittwoch, 9. September, im OTH-Gebäude in der Prüfeninger Straße in Regensburg handelt es sich zum Glück nur um eine Übung der Polizei.

Regensburg. Um kurz nach 10 Uhr wird ein Notruf abgesetzt, ein Amoklauf wird gemeldet: Schüsse und Schreie sind zu hören, der Täter ist bewaffnet, Menschenleben sind in Gefahr. Für die Streifen gibt es keine Zeit zu verlieren, nachdem sie den Funkspruch gehört haben, rüsten sich die Polizisten mit Schutzausstattung auf und fahren zum Objekt. So würde eine sogenannte „lebensbedrohliche Einsatzlage“ auch in echt ablaufen, da es sich am Mittwoch aber nur um eine Übung handelt, werden vorher entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die eingesetzten Polizeibeamten müssen ihre scharfen Waffen abgeben und erhalten stattdessen Übungswaffen, die mit ihrem roten Griff als solche erkenntlich sind.

Bernhard Huber, stellvertretender Dienststellenleiter der PI Süd, erklärt: „Eine ,lebensbedrohliche Einsatzlage‘ liegt vor, wenn ein oder mehrere Täter mindestens eine Person durch Gewalteinwirkung in akute Lebensgefahr bringen“. Dies ist oft bei einem terroristischen Täter der Fall oder auch bei häuslicher Gewalt. Auch bei einer solchen Übung sei ein gewisses Stressniveau vorhanden, berichtet Huber, der selbst bereits an einigen Übungen teilgenommen hat. „Man lebt tatsächlich in der Lage“, schildert er.

Solche Übungen finden in Teileinheiten etwa vier Mal im Jahr statt. Übungen an einem Fremdgebäude, wie in diesem Fall an der OTH, finden dagegen seltener statt. „Ziel der Übungen ist die Führungs- und Handlungskompetenz der (polizeilichen) Einsatzkräfte bei derartigen Einsatzlagen zu stärken und den sicheren Umgang mit den zur Verfügung stehenden Einsatzmitteln möglichst praxisnah zu erproben. Die Regensburger Polizei ist dadurch gerüstet, um den Bürgerinnen und Bürgern im Ernstfall professionell zur Seite stehen zu können“, so Pressesprecher der PI Süd, Markus Reitmeier. Er erläutert außerdem, dass aus taktischen Gründen und um die Übung nicht zu stören, Einblicke in das Objekt und die Übung selbst nicht möglich seien.

Doch spannend ist es auch von außen – auch für die Anwohner, die im Vorfeld nicht informiert wurden und bei den lauten Schüssen und Hilfeschreien alle auf ihren Balkonen stehen. Damit wolle man die Übung so echt wie möglich gestalten, erklärt Reitmeier. Es seien aber bereits seit dem Morgen Beamte als Ansprechpartner für die Anwohner anwesend. Praktikantinnen und Praktikanten, schildert Huber, erhielten die Aufgabe, laut nach Hilfe zu rufen, nach und nach sieht man sie während der Übung aus dem Gebäude rennen. Den extremistischen Täter spielt ein erfahrener Polizeieinsatztrainer. Als „Verletzte“ werden dagegen, nicht zuletzt aus Hygienegründen, 75 Kilo schwere Puppen eingesetzt, die es zu retten gilt. Diese sind Teil eines Hygienekonzepts, das speziell für diese Übung erstellt wurde und auch das Tragen von Handschuhen und Mund-Nasen-Schutz vorsieht.

Die „Verletzten“ werden dann schließlich auch erfolgreich aus der Gefahrenlage gebracht und dem Rettungsdienst übergeben. Der Täter wird gegen Ende der etwa einstündigen Übung überwältigt. Mehrere Beamte in gelben Schutzwesten sorgten unter anderem mit einem doppelten Sicherheitscheck für Sicherheit während der Übung und begleiteten diese beobachtend in einer „Schiedsrichterrolle“, wie Reitmeier im Anschluss erklärt. „Bei einer solchen Übung kann man nur gewinnen“, so Huber, „die Übung bringt sehr wichtige Aspekte zur Vorbereitung auf die Echtlage“. Aber auch wenn man nun vorbereitet ist, will man natürlich nicht auf das Eintreten einer echten Einsatzlage hoffen.


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